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Vielfalt schützt vor Klimawandel

Peru leidet stark unter den Folgen des Klimawandels. Nach einer Studie des »Tyndall Centre for Climate Change Research« ist der Andenstaat nach Bangladesch und Honduras das drittgefährdetste Land in Bezug auf klimabedingte Veränderungen  Es kommt regelmäßig zu Überschwemmungen, Erdrutschen, Trockenheit und Kältewellen. Die Zahl der Naturkatastrophen hat sich zwischen 1990 und 2000 versechsfacht. Nach Angaben des Nationalen Rats für Umweltfragen waren sieben von zehn dieser Naturkatastrophen klimabedingt und lassen eine Verschärfung durch den Klimawandel befürchten.

Rückgang der Gletscher

Mühsam erreichte Entwicklungserfolge geraten auf diese Weise wieder in Gefahr. Besonders betroffen von klimatisch bedingten Naturkatastrophen sind die Küste und das Hochland. In den Anden macht sich der Klimawandel durch einen markanten Rückgang der Gletscher bemerkbar. Die mit Eis bedeckte Fläche der peruanischen Hochlands ist zwischen den Jahren 1970 und 2003 um rund ein Viertel zurückgegangen, berichten Gletscherexperten der peruanischen Wasserbehörde. Die Forscher führen den Rückgang der Gletscher auf die Erderwärmung zurück. Gleichzeitig verstärkt sich der Trend, dass die Regenzeit immer später, die Regenfälle dafür umso heftiger einsetzen. Es kommt regelmäßig zu Überschwemmungen, die Ernte und fruchtbare Böden wegspülen. Der hierdurch verursachte Ernteausfall führt zunehmend zu Versorgungsengpässen, und die Gefahr der Mangelernährung insbesondere bei Kindern wächst.

3.000 Sorten für eine gesunde Umwelt

Über die Jahrtausende haben sich die Bauern in den Anden mikroklimatischen Unterschieden und ihren Herausforderungen angepasst, indem sie eine unglaubliche Vielfalt an Arten, Sorten und Anbautechniken entwickelt haben. Dadurch, dass sie die Pflanzen zeitlich versetzt aussäen, sichern sie sich zusätzlich gegen saisonale Wetterextreme ab. Die andinen Bauern züchteten eine Vielzahl von Hülsenfrüchten, Gewürz-, Korn- und Knollenpflanzen, die bis heute ihre Ernährungsgrundlage bilden. Durch einen Mix aus 20 oder mehr Sorten lässt sich das Risiko von Missernten deutlich reduzieren. In Peru gibt es derzeit über 3.000 Kartoffelsorten. Jede ist auf bestimmte lokale Klima- und Bodenansprüche angepasst. terre des hommes unterstützt seit Mitte der 1980er Jahre Maßnahmen für eine umweltbewusste, nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raums in Peru. Über lokale Organisationen wird der biologische Anbau lokaler Sorten gefördert.

Rund um die Kartoffel

In der Gemeinde Quispillaqta nahe der peruanischen Stadt Ayacucho hat die von terre des hommes geförderte Organisation ABA in den vergangenen Jahren die Gemeinden dabei unterstützt, Saatgutmessen durchzuführen. Auf ihnen tauschen Bauern alte Sorten und tragen zu ihrer Wiederverbreitung bei. In Absprache mit den Gemeindeschulen und dem Erziehungsministerium findet das traditionelle indianische Wissen erstmals Eingang in die Ausbildungs-, Lehr- und Unterrichtspläne.

Projektpartner von terre des hommes unterstützen die Erarbeitung zweisprachiger, interkultureller Unterrichtsmaterialien. Die gemeinschaftliche Reinigung der kommunalen Wasserkanäle, die Pflege von Quellen und Teichen belebt das Gemeindeleben. Der 16-jährige Richard Machaca ist Sprecher einer Jugendgruppe von ABA. Sein Engagement begründet er so: »Von unseren Feldern ernten wir so viel, dass unsere Familien genug zu essen haben. Für uns Jugendliche ist das besonders wichtig: Wir müssen uns nicht mehr als Tagelöhner verdingen oder in die Stadt abwandern, um Arbeit zu finden, sondern können hier auf unserem Land bleiben.«

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