Schuldknechtschaft

Schuldknechtschaft (bonded labour) bezeichnet wirtschaftliche Ausbeutung in Form sklavenähnlicher Abhängigkeit. Das Abhängigkeitsverhältnis entsteht dadurch, dass ein Schuldner - als Sicherheit für einen Kredit - seine Arbeitskraft zur Verfügung stellen muss. Der Gläubiger kann dabei willkürlich über die Art und die Dauer der Abhängigkeit entscheiden. In den meisten Ländern der Welt ist Schuldknechtschaft verboten.

Große Bedeutung im Kampf gegen die Ausbeutung von Kindern hat in diesem Zusammenhang die Konvention 182 (Übereinkommen über das Verbot und unverzügliche Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit) der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Bislang haben mehr als 160 Staaten diese Konvention ratifiziert und sich zum Verbot der Schuldknechtschaft verpflichtet.

Kinder arbeiten Schulden ab
In machen Staaten, etwa in Indien, ist Schuldknechtschaft weiterhin sehr verbreitet. In vielen Regionen des Landes müssen dort Familien hart für ihr Überleben kämpfen. In ihrer Not nehmen Bauern Kredite -meist verbunden mit horrenden Zinsen- bei unseriösen Geldverleiern auf, um etwa Saatgut oder andere lebenswichtige Dinge zu kaufen. Als Gegenleistung verlangen die Geldgeber, dass die Familiemitglieder, vor allem aber die Kinder, die Schulden abarbeiten müssen. Dabei sind sie schutzlos den Ausbeutungspraktiken und der Willkür ihrer »Arbeitgeber« ausgeliefert. Nach Schätzungen arbeiten heute noch immer 5,7 Millionen Kinder in Schuldknechtschaft.

Der Fall Iqbal Masih
Weltweites Aufsehen erregte vor Jahren der Fall des pakistanischen Jungen Iqbal Masih. Im Alter von vier Jahren wurde der Junge damals als Schuldknecht an den Besitzer einer Teppichfabrik verkauft. Die Schuldsumme betrug umgerechnet zwölf US-Dollar.

Mehrere Fluchtversuche des Kindes scheiterten. Sechs Jahre musste der Junge täglich 16 Stunden arbeiten, bis er von Mitgliedern einer pakistanischen Organisation gegen Schuldknechtschaft (Bonded Labour Liberation Front) befreit wurde. Infolge der langen und harten Arbeit sowie mangelnder Ernährung war sein körperliches Wachstum zurückgeblieben. Nach seiner Befreiung konnte er eine Schule besuchen. Mit Unterstützung der pakistanischen Organisation gegen Schuldknechtschaft engagierte er sich für die Rechte der Kinder. Sein Engagement, das bald über die Grenzen des Landes bekannt wurde, führte zur Befreiung vieler Kinder aus der Schuldknechtschaft. Im Jahre 1995 wurde er in den USA für seinen Kampf gegen Schuldknechtschaft mit einem Menschenrechtspreis ausgezeichnet. Am 16. April 1995 wurde der Junge in der Nähe seines Heimatortes ermordet. Die Umstände dieses Verbrechens sind bis heute nicht eindeutig geklärt.

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