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In der Falle - Kinder schürfen das Glimmermineral Mica

Das Mineral Mica schimmert, deshalb wird es in Kosmetik und Farben gemischt. Mica isoliert, deshalb wird es in Elektronikprodukten gebraucht: in Smartphones, Haartrocknern, Elektrorasierern und Autos.

Dort, wo das Glimmermineral im Boden liegt, gibt es keinen Glamour: In den nordindischen Bundesstaaten Jharkhand und Bihar leben 300.000 Menschen in 847 Dörfern von Mica. Sie graben bis zu 20 Meter tiefe Schächte in die Erde. »Es ist gefährlich. Es ist so dunkel in den Löchern. Es gibt auch Schlangen, ich habe immer Angst, dass mich eine beißt«, berichtet das Mädchen Lalita. Sie ist 15 Jahre alt und arbeitet, seitdem sie denken kann. Erst hat sie ihrer Mutter geholfen, die Mica-Plättchen nach Größe zu sortieren. Ihre Eltern haben sie zur Schule geschickt, gearbeitet hat sie an den Abenden. Mit zwölf Jahren musste sie die Schule abbrechen. Seitdem war sie im »Rattenloch«, wie die Mica-Schächte hier genannt werden. Die Familie verdient zwischen zwei und sechs Euro pro Woche, je nach Qualität des Mica und der Zahlungsbereitschaft der Aufkäufer. Es reicht selten, um satt zu werden.

Spielen und lernen anstatt schuften
terre des hommes engagiert sich seit drei Jahren für die Kinder in den Mica-Dörfern. Kinderarbeit ist hier die Regel. Bei einer Stichprobe fanden unsere Projektpartner 1.800 Mädchen und Jungen in den Schulen von 14 Dörfern und 10.000 Kinder beim Schürfen von Mica. Die Familien sind arm, viele Kinder sind untergewichtig und mangelernährt. Mica ist ihre einzige Einkommensquelle. Und die örtlichen Behörden haben die Region bisher einfach übersehen: Hilfsprogramme der indischen Regierung gab es hier nicht, weder Schulspeisungen noch Kindergärten, weder Lebensmittelkarten für arme Familien noch Schutz vor betrügerischen Mittelsmännern.

Inzwischen ändern sich die Dinge: die terre des hommes Projektpartner haben Behörden aktiviert. So sind bereits in 14 Dörfern staatliche Kindergärten aufgebaut worden. Arbeitende Kinder im schulfähigen Alter gehen in eine Brückenschule und können die öffentliche Schule ihres Dorfes besuchen, sobald sie den Lernstoff aufgeholt haben. Besonders wichtig bei allen Angeboten ist die Versorgung mit Nahrungsmitteln: Kindergärten und Schulen bieten nahrhafte, frische Mahlzeiten und unterernährte Kinder werden medizinisch versorgt. Lalita geht heute wieder zur Schule. »Eine Frau kam und hat mich gefragt, ob ich nicht lieber zur Schule will. Ich habe erst Nein gesagt. Wie sollten wir denn leben, wenn ich nicht mitarbeite?« Doch die Sozialarbeiterin kam wieder. Lalita wurde in die Brückenschule aufgenommen. Dass es dort genug zu essen gab, war entscheidend: »Das hat uns geholfen, weil meine Eltern für mich kein Essen mehr kaufen müssen. Da haben sie gesagt: Wir wagen es! Vielleicht schaffst du es ja hier raus.« Inzwischen besucht Lalita die zehnte Klasse. Im kommenden Jahr will sie eine Ausbildung zur Krankenschwester beginnen.

Bitte helfen Sie! Unterstützen Sie unsere Projektarbeit für Kinder in Not mit Ihrer Spende.

17.11.2020

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