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»Ich schreibe unsere Geschichten auf, damit nicht vergessen wird, was meinem Volk passiert ist«

Yaisa aus Kolumbien

In Kolumbien hat der interne bewaffnete Konflikt die indigenen Bevölkerungsgruppen besonders hart getroffen. Trotz Gesetzen, die sie schützen sollen, sind Völker wie die Wounaan häufig Opfer bewaffneter Gruppen. Viele werden aus ihrer Heimat vertrieben.

Yaisa ist 18 Jahre alt und Mutter von zwei Kindern. Mit zwölf wurde sie in die Stadt Cali gebracht. Eine ihrer schmerzhaftesten Erinnerungen ist, wie sie um 3:00 Uhr morgens bei starkem Regen aus ihrer Gemeinde vertrieben wurden: Sie und ihre Familie – Yaisa ist die älteste von sieben Geschwistern – mussten im Kanu ihres Vaters flüchten, da er sich den Männern einer bewaffneten Gruppe widersetzt hatte.

»Als wir unsere Heimat verlassen mussten, habe ich ein Buch aus meiner Gemeinde mitgenommen, das in der Wounaan-Sprache geschrieben ist. Damit möchte ich meinen Kindern unsere Sprache beibringen. Und ich schreibe unsere Geschichten auf, damit nicht vergessen wird, was meinem Volk passiert ist«, erzählt Yaisa. 

Immer wieder kommt es in Gebieten, in denen die Wounaan leben, zu Zusammenstößen zwischen verschiedenen bewaffneten Akteuren. Wie Yaisas Familie sind dann viele Indigene gezwungen, in die nächstgelegenen Städte zu flüchten. Dort werden sie diskriminiert, verlieren oft ihre gemeinschaftliche Identität und müssen nach und nach ihr kulturelles Erbe aufgeben.

In einem terre des hommes-Projekt findet sie neue Hoffnung

In Cali schloss sich Yaisa einem Projekt der terre des hommes-Partnerorganisation »Taller Abierto« an. Die ersten Fragen, die sie den Fachleuten im Projekt stellte, drehten sich um Familienplanung. Denn weitere Kinder möchte Yaisa derzeit nicht bekommen. 

»Wir sind aus Buenaventura hierher nach Cali gekommen, nachdem wir viele Orte durchquert hatten, an denen es uns schlecht ging. Wir hungerten, meine beiden Kinder waren krank, ich auch. Ich ging nicht zur Schule. Als vertriebene Indigene ging es uns schlecht in der Stadt.«

Während ihrer beiden Schwangerschaften konnte Yaisa längere Zeit nicht zur Schule gehen. Bei »Taller Abierto« begann sie nun, Spanisch zu lernen, um ihre Schulbildung fortzusetzen. Zum ersten Mal hörte hörte sie vom Feminismus und lernte die Rechte von Frauen und Kindern kennen. Inzwischen hat sie sich einer Gruppe junger Schriftsteller*innen namens »Soles y Lunas«, Sonnen und Monde, angeschlossen.

»Mein Ziel ist es, weiter zu studieren, um gut Spanisch und Wounaan schreiben zu lernen. Ich möchte einmal Verantwortung übernehmen, um meiner Gemeinschaft hier in der Stadt zu helfen und dafür zu sorgen, dass unsere Bräuche nicht verloren gehen. Meine Rechte zu verstehen und dieses Wissen meinem Volk weiterzugeben, ist mir das Wichtigste. Deshalb will ich mich weiterbilden und lernen.«

Weitere Informationen zum Thema "Kinder auf der Flucht"

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