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Sklaverei für den Textilmarkt

Lohnsklavinnen in Indien: Schuften für die Aussteuer

Im südindischen Tirupur, einem der größten Textilstandorte der Welt, arbeiten mehr als 500.000 Menschen in der Textilindustrie. 120.000 junge Mädchen und Frauen werden in der Region – zumeist in Spinnereien – wie Sklaven gehalten und ausgebeutet.
terre des hommes setzt sich dafür ein, die jungen Frauen aus der Sklaverei zu befreien und Arbeitsrechte für alle umzusetzen. Unterstützen Sie uns dabei mit ihrer Spende.

 

Die Mädchen in den Spinnereien bekommen etwa 20 Euro im Monat und das Versprechen auf einen Bonus von etwa 500 Euro nach Ablauf von drei Jahren. Sie arbeiten 12 Stunden am Tag, werden auf dem Fabrikgelände in überfüllten Hütten festgehalten und sind Beschimpfungen, Schlägen und sexueller Belästigung durch die Aufseher ausgesetzt. Immer wieder versuchen Mädchen, aus Fabriken zu fliehen. Hintergrund dieser Form der Ausbeutung ist das sogenannte Sumangali-System.
Es zielt auf die Rekrutierung junger Mädchen aus armen Familien, die den versprochenen Bonus für den Brautpreis nutzen wollen. Mittelsmänner machen den Familien falsche Versprechungen. Vor allem Garnspinnereien nutzen das Sumangali-System. Ein großer Teil der hier gesponnenen Garne wird in Südindien weiter verarbeitet, ein Teil wird in andere produzierende Länder wie Bangladesh, China oder Kambodscha exportiert. 

Das Sumangali-System
Das Sumangali-System verstößt gegen Artikel 4 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, nämlich das Verbot jeglicher Form der Sklaverei. Es ist eine besonders krasse Form der Ausbeutung, weil die Schutz- und Wehrlosigkeit der Mädchen von Arbeitgebern gezielt ausgenutzt wird. Über 60 Prozent der Sumangali-Arbeiterinnen gehören den sogenannten Unberührbaren und den unteren Kasten an. Das Kastensystem ist nicht legal und bestimmt dennoch den Alltag. Auch der Brautpreis – also die Zahlung eines Geldbetrages an die Familie des Bräutigams – ist seit 1961 verboten. Allerdings ist der Brautpreis auch heute in den meisten Familien Praxis.
Das Sumangali-System ist auch nach indischem Gesetz illegal. Die Spinnereibesitzer haben in Tamil Nadu großen Einfluss auf die Politik – der Sektor ist weitgehend unreguliert. So hat die Regierung von Tamil Nadu vor wenigen Jahren klaglos die Dauer einer Ausbildung für ungelernte Spinnereiarbeiter auf drei Jahre ausgedehnt, sodass Mädchen und Frauen unter dem Sumangali-System als »Lehrlinge« gelten. In vielen Betrieben besteht die Arbeiterschaft deshalb zu über 90 Prozent aus »Lehrlingen«. 

Was tut terre des hommes?
terre des hommes befreit Mädchen und junge Frauen aus dem Sumangali-System. Gemeinsam mit unseren Projektpartnern vor Ort klären wir in Dörfern und Städten über die Machenschaften von Menschenhändlern auf, informieren über Arbeitsrechte und sorgen dafür, dass betroffene Mädchen eine Schul- oder Berufsausbildung absolvieren können, statt zu schuften.

terre des hommes und seine Partner in Tirupur fordern von der örtlichen Regierung, die existierenden Gesetze gegen Sumangali endlich wirksam umzusetzen und Menschenhändlern das Handwerk zu legen.
terre des hommes fordert Handelsunternehmen auf, ihre Zulieferer zu verpflichten, Menschenrechte zu achten und Arbeitsrechte zu gewähren: keine Kinderarbeit, keine Sklaverei, die Zahlung Existenz sichernder Löhne, die Gewährung von Sozialleistungen und Gewerkschaftsfreiheit. Direkte Geschäftsbeziehungen haben Handelsunternehmen in der Regel zu Zulieferern, die Nähereien besitzen. Alle weiteren Stufen der textilen Lieferkette sind häufig nicht transparent: Nur die Lieferanten wissen, woher sie ihre Stoffe beziehen. Deshalb müssen Handelsunternehmen jetzt ihre Lieferkette transparent machen und ihre Lieferanten deutlich und wirksam auffordern, auch in den vorgelagerten Produktionsstufen Menschenrechte zu achten und Arbeitsrechte umzusetzen. 

Im Oktober 2011 konnte terre des hommes ein Hilfprogramm für 9.000 Mädchen und junge Frauen starten. Bis heute konnten wir bereits 1.400 Mädchen und junge Frauen aus dem Sumangali-System befreien: Sie gehen heute wieder zur Schule oder konnten eine Berufsausbildung anfangen. Diese Arbeit wird durch eine Spende des Modeunternehmens C&A möglich.

Mädchen in Krisensituationen finden Schutz, Beratung und tatkräftige Hilfe im Schutzzentrum, das von Schwestern des Don Bosco Ordens gleitet wird. Hier finden Mädchen Hilfe, die aus Fabriken fliehen konnten. Sie sind oft verzweifelt und körperlich wie seelisch erschöpft durch die harte Arbeit und die unwürdigen Lebensbedingungen. Manche Mädchen erlitten sexuelle Gewalt von Aufsehern. Viele trauen sich – ohne Lohn und Bonus für den Brautpreis – nicht zu ihren Eltern zurück. 
terre des hommes unterstützt die Anwaltschaftsarbeit der Projektpartner in Tirupur, die die Öffentlichkeit aufmerksam machen sowie die lokale Politik und die Behörden zu einem wirksamen Handeln gegen die Ausbeutung drängen.

Gemeinsam mit unseren Partnern fordern wir:

  • Die Regierung von Tamil Nadu möge sich umgehend ein eigenes Bild über die Zustände machen und in den betroffenen Distrikten Arbeitsgruppen unter Leitung der Verwaltungschefs und unter Beteiligung der örtlichen NGO´s und Gewerkschaften einrichten.
  • Unter dem Schema beschäftigte Mädchen, die jünger als 18 Jahre sind, sollen Entschädigungen erhalten und die Arbeit beenden.
  • Die Anwerbung von Mädchen unter 18 Jahren muss sofort beendet werden.
  • Unter dem Schema beschäftigte Frauen über 18 Jahren sollen sofort ortsübliche legale Verträge bekommen und wenigstens den gesetzlichen Mindestlohn ausgezahlt bekommen.
  • Eine Anstellung als Lehrling darf höchstens sechs Monate dauern und muss in einen dauerhaften Vertrag übergehen.
  • Die Regierung von Tamil Nadu möge die Tätigkeit der Mittelsmänner regulieren und verbieten, sofern sie gegen existierende Gesetze verstoßen.
  • Die Regierung muss umgehend Richtlinien für die menschenwürdige Unterbringung der Arbeiterinnen erlassen.
  • Arbeiterinnen, die einen Arbeitsunfall erleiden, müssen Entschädigungen erhalten.


terre des hommes bittet Sie herzlich:
Unterstützen Sie unsere Arbeit gegen das Sumangali-System in Südindien, damit Mädchen und Frauen in Würde leben und arbeiten können.
Bitte schreiben Sie an ein Handels- oder Markenunternehmen und fragen Sie nach, ob dieses Unternehmen sich gegen das ausbeuterische Sumangali-System engagiert!


Weitere Informationen

 

 

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