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Evaluation: Beseitigung extrem ausbeuterischer Arbeitsbedingungen in der südindischen Textilindustrie.

Projektbeschreibung

Kurzfassung: Ergebnisse der Evaluierung des Projektes »Sumangali«: Beseitigung extrem ausbeuterischer Arbeitsbedingungen in der der südindischen Textilindustrie“

Projektname: Sumangali: Beseitigung extrem ausbeuterischer Arbeitsbedingungen in der südindischen Textilindustrie.

Projektort: BundesstaatTamil Nadu, Indien

Projektpartner: CARE-T (Community Awareness Research Education Trust)

Laufzeit/Dauer: April 2016 – März 2020 – 48 Monate

Zielgruppe: Die direkte Zielgruppe des Projekts sind 24.000 jugendlichen Mädchen und jungen Frauen sowie 6.600 Familien. Außerdem wendet sich das Projekt an die Verantwortlichen in der Textilindustrie, Regierungsmitarbeiter*innen, Vertreter*innen der Zivilgesellschaft u.a.

Finanzvolumen: € 2.000.000

Kofinanzierung: BMZ (60 %) € 1.200.000, C&A Foundation (40%) € 800.000

Problemstellung/ Projektansatz

Problemstellung und Projektansatz

Der Großteil der indischen Textilindustrie wird durch die Arbeit jugendlicher Mädchen und junger Frauen getragen. Diese Mädchen und Frauen werden Sumangali (zu Deutsch: Glücklich verheiratete Frau) genannt. Durch die Arbeit in Textilfabriken versprechen sich ihre Familien und sie selber ein zusätzliches Einkommen, das die Mitgift zur Verheiratung mitfinanzieren soll. Einmal in der Fabrik angekommen, wird den Mädchen und jungen Frauen jedoch der Ausgang verweigert und sie werden zur Arbeit unter unwürdigsten, gesundheitsgefährdenden Bedingungen weit unter Mindestlohn gezwungen. Die jungen Frauen und Mädchen sind dabei der Willkür der Fabrikbetreiber ausgeliefert, die allein entscheiden, ob und wann sie die Fabriken verlassen und zu ihren Familien zurückkehren können.     

Oberziel des Projektes ist die Abschaffung des Sumangali-Systems als Form moderner Sklaverei. Sumangali soll auf drei Zielebenen bekämpft werden. Zum einen sollen 24.000 Opfer des Sumangali-Systems an 12 Projektstandorten Zugang zu qualifizierter psycho-sozialer/medizinischer Behandlung und Betreuung, Bildung/Ausbildung und rechtlicher Vertretung bekommen. Die Rekrutierung von Frauen und Mädchen soll in 12 Blocks des direkten Zielgebiets abgeschafft werden und in 48 Blocks des indirekten Zielgebiets zunächst verringert werden. Existierende Richtlinien zu Rekrutierung und Arbeitsbedingungen im Bundesstaat Tamil Nadu sollen durch einen vom deutschen Textilbündnis gestützten Multi-Stakeholder-Dialog erweitert und durchgesetzt werden. Zudem soll ein Gesetzentwurf zur Beendigung des Sumangali-Systems entwickelt und bis zur Debatte im Parlament des Bundesstaats Tamil Nadu vorangetrieben werden.

Evaluierungsdurchführung

Evaluierungsdurchführung

Die Zwischen-Evaluierung wurde zwischen Januar und April 2019 durch ein Team der Firma Kaarak Enterprise Development Services durchgeführt. Die Evaluierung hatte den Auftrag, die bisherige Zielerreichung des Projektes zu überprüfen und Empfehlungen für die Restlaufzeit auszusprechen. Für die Datenerhebung wurden neben Dokumentenanalyse qualitative Methoden wie Expert*inneninterviews, leitfadengestützte Tiefeninterviews und Fokusgruppen-Diskussionen angewandt.

 

Evaluierungsergebnisse/ Evaluierungsempfehlungen

Evaluierungsergebnisse

Durch das Projekt konnte die Anzahl der Rekrutinnen für das Sumangali System gesenkt werden. Es wurden 35.422 Sumangali-Opfer identifiziert, die psychosoziale Unterstützung und life-skills-Trainings erhielten. Das Projekt konnte bisher 4.250 Sumangali-Überlebende zu alternativen Einkommensquellen ausbilden, von denen 2.039 eine neue Arbeit gefunden haben. Zudem konnten 1.246 ehemalige Sumangali erfolgreich in das Schulsystem reintegriert werden. Die jungen Frauen und Mädchen, die das Rehabilitations-Programm des Projektes durchlaufen haben, berichteten, dass dies ein lebensverändernder Prozess gewesen sei, der ihnen Selbstvertrauen und die Kraft gegeben habe, nun selbstständig Entscheidungen zu treffen. Sie sind zu Vorbildern in ihren Gemeinden geworden, schaffen so ein Bewusstsein für die Gefahren des Sumangali-Systems und tragen auf diese Weise zur Prävention der Rekrutierung junger Frauen in ihren Gemeinden bei. Des Weiteren konnten 139 juristische Fälle von z.T. tödlichen Arbeitsunfällen und Lohnzurückhaltungen zu Gunsten von ehemaligen Sumangali bzw. ihren Familien entschieden werden, so dass Kompensationen gezahlt wurden. In Zusammenarbeit mit der National Law School of India University (NLSIU) wurde ein Code of Conduct für Mindeststandards zu Rekrutierung und Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie erarbeitet.

Evaluierungsempfehlungen

Die Evaluierung empfiehlt, das Fallmanagement-System bei der Rehabilitation von Sumanagali-Überlebenden zu verbessern und das life-skill-Training zu intensivieren, da dies den Bedürfnissen der Überlebenden entspricht. Zudem wird im Zuge der alternativen Einkommensgenerierung empfohlen, Marktstudien durchzuführen, um so die profitabelsten Einkommensquellen für Frauen im Projektgebiet zu identifizieren. Im Bereich der Präventionsarbeit sollten auch positive Beispiele für Rekrutierungs- und Arbeitsbedingungen identifiziert und betont werden, um besser mit den Arbeitgebern in den Textilfabriken ins Gespräch zu kommen. Für die weitere Erarbeitung des Code of Conduct in der Textilindustrie sollte auch der Dialog mit den Arbeitgeber- und Arbeiter*innenvereinigungen in der Textilbranche gesucht werden.

Der Projektpartner CARE-T und terre des hommes reagieren auf diese Empfehlungen, indem noch in der laufenden Projektphase die Rehabilitationsstrategie überarbeitet wird. Zudem werden zusätzliche life-skills-Trainings stattfinden. Marktstudien werden in Vorbereitung auf die zweite Projektphase durchgeführt, die im Jahr 2020 beginnen soll. Im Rahmen der Präventionsarbeit hat das Projekt die Strategie, in der betroffenen Bevölkerung ein Bewusstsein für ihre eigenen Menschen- und Arbeitnehmer*innenrechte zu schaffen, so dass diese selbst identifizieren können, welche Rekrutierungs-und Arbeitsbedingungen rechtens sind und welche gegen fundamentale Normen verstoßen. Die Dialogarbeit mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmer*innenvereinigungen fand sowohl im Rahmen der Erarbeitung des Code of Conduct als auch der Lobby- und Advocacyaktivitäten des Projektes, wie geplant, noch im Laufe des Jahres 2019 statt.

Komplette Evaluierung im Wortlaut (Download)

Folgendes Dokument steht als PDF-Dokument zur Verfügung:

  • Evaluation of Sumangali Eradication of extremely exploitative working conditions in southern India’s textile industry (Download)
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