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Eine Zukunft nach der Katastrophe

Im Süden der Türkei hilft die terre des hommes-Partnerorganisation »Kirkayak Kültür« Kindern auf der Flucht und Familien der Dom- und Abdal-Gruppen

»Das schwierige Leben der Familien ist in der Zeit nach dem Erdbeben noch schwieriger geworden. Die marginalisierten Gemeinschaften in der Erdbebenregion leben heute in großer Armut und führen ein Leben weit unterhalb der Hungergrenze. Sie werden diskriminiert und haben kaum Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen und Rechten, insbesondere zu Sozialhilfen.«

Fatma Coşkun Caymaz koordiniert die Hilfsprogramme der Menschenrechtsorganisation »Kirkayak Kültür« im Umland von Gaziantep – der Stadt, in der das Erdbeben im Februar 2023 besonders verheerend zuschlug, 70 Kilometer vom Epizentrum entfernt.

Engagierte Bürger*innen Gazianteps hatten Kirkayak Kültür 2011 gegründet. Stets war das Ziel, die Lebenssituation benachteiligter Gruppen zu verbessern und ihre Rechte zu schützen. Die der Dom- und Abdal-Familien, von denen Hunderttausende in den kurdischen Gebieten der Südosttürkei leben. Und von Menschen aus Syrien, die vor dem Bürgerkrieg aus dem Nachbarland fliehen.

Schon vor dem Beben war die Situation alles andere als einfach: Geflüchtete und Migrant*innen werden stigmatisiert, sozial und wirtschaftlich ausgegrenzt, leben in Armut. Viele Kinder der Dom- und Abdal-Gruppen müssen Kinderarbeit verrichten, um ihre Familien zu unterstützen. »Lesen, zur Schule gehen, einen Beruf erlernen – in den Dom- und Abdal-Gemeinschaften wird das mit Skepsis gesehen«, berichtet Fatma.

Als dann im Februar 2023 das Erdbeben kam, traf es diejenigen besonders stark, die ohnehin am Rande der Gesellschaft stehen. Fatma und ihre Kolleg*innen leisteten Nothilfe, verteilten Lebensmittel, vermittelten Notunterkünfte.

Die Zahl derjenigen, die auf Hilfe angewiesen sind, übersteigt die Ressourcen der Organisation – bis heute. »Viele Familien haben kein regelmäßiges Einkommen. Momentan bedeutet das, dass sie das Nötigste oft nicht beschaffen können.« In dieser Situation begann Kirkayak Kültür einige Wochen nach dem Beben, sich auf die Unterstützung für Frauen und Kindern zu konzentrieren: Lebensmittelkarten, Babynahrung, Windeln, Hygieneartikel. Etwa 2.500 Familien konnte die Organisation helfen.

Und auch an ihrem langfristigen Ziel, die Lebens- und Rechtssituation der Kinder nachhaltig zu verbessern, arbeitet Kirkayak Kültür weiter mit Hochdruck. Einen wichtigen Meilenstein erreichte das Team im Januar 2024: Ein Stipendienprogramm ermöglicht von nun an mehr Kindern aus besonders benachteiligten Familien, eine Schule zu besuchen. Fatma und ihre Kolleg*innen sind sich sicher, dass Bildung für die Kinder der Schlüssel zu einer besseren Zukunft sein kann:

»Sich für die benachteiligten Kinder, Frauen und Familien im Allgemeinen einzusetzen, damit sie ein menschenwürdiges Leben führen können… Wenn ich zurückblicke, fühlt sich das richtig gut an. Aber am meisten stolz macht mich, dass inzwischen mehr Kinder eine Schule besuchen. Mit unserem Bildungsprojekt haben wir begonnen, Träume für Kinder zu schaffen.«


01.02.2024

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