Fallbeispiel aus Indien


R. Sangeetha, 21 Jahre


Sangeetha lebt in einer Gemeinde von Muschelarbeitern. Sie wohnt in Ottathenganvilai im Distrikt Kanyakumari, Tamil Nadu. Sie hat zwei jüngere Brüder. Das Dorf war vor dem Tsunami so sehr in der hinduistischen Ideologie verhaftet, dass Bildung oder ein Schulbesuch für Mädchen nach Erreichen der Pubertät nicht erwünscht war. Als der Tsunami kam, war sie gerade elf Jahre alt und in der 6. Klasse. Während des Tsunamis wurde ihr gesamtes Dorf von den Wellen eingeschlossen. Sie, ihre Familie und die gesamte Gemeinde saßen im Dorf in der Falle.

Der terre des hommes-Partner HEAL stellte im Rahmen der Soforthilfemaßnahmen im Lager, in dem sie eine Zeit lang unterkam, Nahrungsmittel und Kleidung für drei Monate zur Verfügung Sangeetha litt unter einem Trauma: Es war ihr nicht möglich, das Haus zu verlassen und sich mit Gleichaltrigen oder Verwandten zu treffen. Sie hatte lange Zeit Schlafstörungen. HEAL sorgte dafür, dass die betroffenen Kinder psychosozial betreut werden konnten. Zur Therapie gehört auch das Vorlesen von Geschichten, Malen und Singen. Drei Monate nach dem Tsunami konnte sie wieder mit ihren Eltern lachen und ihrer Integration in das Dorfleben stand nichts mehr im Wege.

Als HEAL ein Kinderzentrum in Sangeethas Dorf eröffnete, war sie begeistert dabei. Und so entwickelte sie sich nach und nach sowohl schulisch als auch persönlich weiter. Das Kinderzentrum wurde Teil ihres Lebens. Es spielte eine große Rolle, weil sie hier ihre Ängste zu überwinden lernte. Gemeinsam mit den anderen Kindern ihres Dorfes lernte sie auch, wie sie sich in Zukunft in Notfallsituationen verhalten muss. Sangeetha war aktive Teilnehmerin im Kinderzentrum und Mitglied im Kinderschutzkomitee.

Nachdem sie die Primarschule abgeschlossen hatte, sah es zunächst so aus, als wären ihr die Wege zu einer höheren Bildung verwehrt, denn die wollte die Bildung von Mädchen stigmatisierte. Das konnte verhindert werden, denn HEAL hatte erfolgreich damit begonnen, die Menschen in den Dörfern von der Notwendigkeit von Bildungsangeboten für Kinder –insbesondere für Mädchen-  zu sensibilisieren. HEAL motivierte Sangeethas Eltern, der Tochter eine höhere Schulbildung zu ermöglichen. Dafür wurde ihnen finanzielle Unterstützung angeboten.  

Ihre Verbindung zum Kinderzentrum hat sie nie abgebrochen. Und so lernte sie mehr über die Umwelt und die Ökologie ihrer Heimat kennen. Ihr Engagement für eine gesunde Umwelt qualifizierten sie, Mitglied des Jugendnetzwerks für ökologische Rechte auf bundesstaatlicher Ebene zu werden. Das Netzwerk hat kürzlich eine Studie über Wasserprobleme im Distrikt Kanyakumari durchführte und den Behörden vorlegte.

Sangeetha engagiert sich auch für die Wiederherstellung von Teichen und Brunnen und für den Küstenschutz. So soll mit dem Anpflanzen von Bäumen ein zusätzlicher Schutz vor Flutwellen geschafft werden. Sangeetha  wurde wegen ihres Engagements kürzlich ausgewählt, am nationalen Treffen des terre des hommes-Jugendnetzwerks teilzunehmen, das im November 2014 in Bangalore stattfand. Sie hat die Schule inzwischen abgeschlossen und ein Studium begonnen.

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