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»Manche Kinder sind wie betäubt«

Interview mit Stella Motsi zum Zyklon in Simbabwe

Childline Simbabwe arbeitet schon seit vielen Jahren mit terre des hommes zusammen. Jetzt hilft die Organisation den Kindern, die in Simbabwe vom Zyklon »Idai« betroffen sind, der vom 15. bis 17. März hier wütete. Wie diese Hilfe aussieht, erklärt Stella Motsi, die Direktorin von Childline Simbabwe:

Wie geht es den Kindern in den vom Zyklon betroffenen Gebieten heute?

In den Provinzen Manicaland und Masvingo sind Häuser und Schulen zerstört, es gibt Tote und viele Verletzte. Zahlreiche Kinder haben kein Zuhause mehr und viele wissen nicht, wo ihre Eltern sind. Sie leben allein oder mit ihren Geschwistern in den Camps, die von der Regierung als Notunterkünfte eingerichtet wurden. Dort sind sie dem Risiko von allen möglichen Formen des Missbrauchs ausgesetzt. Sehr viele Kinder sind traumatisiert. Sie brauchen Zuwendung und schnelle Hilfe. Manche Kinder sind wie betäubt. Sie sind starr und können nicht sprechen.

Was tut Childline für diese Kinder?

Wir haben in den Camps sogenannte »Child Friendly Spaces« eingerichtet. Hier gibt es therapeutisches Spielzeug und unsere Sozialarbeiterinnen und -arbeiter helfen den Kindern, ihre schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten. Dabei sehen sie auch, welche Kinder mehr brauchen und was genau ihnen fehlt. Das können psychologische Probleme sein, die wir dann in Einzelgesprächen angehen, aber auch ganz praktische Sorgen, wie zum Beispiel, dass die materiellen Hilfen wie Wasser, Nahrungsmittel oder Hygiene-Artikel die Kinder nicht erreichen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verhelfen ihnen dann zu ihrem Recht. Außerdem sorgen wir dafür, dass Bedürfnisse der Kinder bei allen Camp-Aktivitäten bedacht werden.

Wie kümmert sich Childline um die Kinder, die nicht wissen, wo ihre Eltern sind?

Wir suchen zusammen mit der staatlichen Fürsorge Angehörige der Kinder. Manchmal wissen sie, dass sie zum Beispiel in Harare Verwandte haben. Wir suchen dann deren Telefonnummer und checken das. Wenn die Angehörigen bereit sind, die Kinder aufzunehmen, dann führen wir die Familie zusammen. Manche Verwandte sagen aber auch: Nein, ich habe keine Möglichkeit, das Kind aufzunehmen. Dann bringen wir es in letzter Konsequenz in Regierungsinstitutionen, die sich um diese Kinder kümmern.

In ähnlichen Nothilfe-Situationen wurde von sexuellem Missbrauch berichtet…

Ja, sexuelle Ausbeutung durch Helfer kommt leider vor. Menschen, die so etwas tun, nutzen ihre Machtposition aus. Sie sagen zum Beispiel: Wenn du dies oder jenes tust, bekommst du einen Sack Maismehl. Wir schärfen unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Camp das Bewusstsein über diese Gefahr und erklären, was sie tun können, wenn sie Verdacht schöpfen.

Kommen die Kinder gern zu Childline?

Sie lieben unsere Sozialarbeiterinnen und diese Orte. Zudem bekommen alle Kinder bei uns etwas zu essen. Die Eltern wissen: Bei uns sind ihre Kinder in guten Händen. Sie können sich so in Ruhe um notwendige Dinge kümmern - wie zum Beispiel für Essen anstehen oder frisches Wasser holen.

Mehr über die Hilfe von terre des hommes in den Katastrophengebieten Simbabwes und Mosambik erfahren.

02.04.2019

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