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Stoppt die Macho-Gewalt!

In Nicaragua kämpfen Frauen und Mädchen gegen gewalttätige Männer und die Ignoranz der Polizei

»Feminicidio« – den Begriff kennen in Lateinamerika fast alle: Er bezeichnet den Mord an Frauen und Mädchen, der mit Drohungen und Einschüchterungen, mit sexualisierter oder häuslicher Gewalt einhergeht. Und er klagt Polizei und Justiz an, weil sie der Gewalt gegen Frauen und Mädchen nicht wirkungsvoll entgegentreten.

Sandra Arceda von der terre des hommes-Partnerorganisation »Colectivo 8 de Marzo« ist wütend: Im Jahr 2020 wurden im 6,5-Millionen-Einwohnerland Nicaragua 71 Feminizide festgehalten. »Bevor sie ermordet wurden, waren die Frauen bei der Polizei«, so Arceda. »Sie hatten den Täter angezeigt und um Schutz gebeten. Aber die Polizei hat nichts unternommen. 88 Kinder sind zu Waisen geworden.«

Verbrechen an Frauen und Mädchen sind für Polizei und Justiz nicht prioritär

Geschlechtsspezifische Gewalt ist häufig in Nicaragua: Jedes vierte Mädchen wird vor ihrem 18. Geburtstag schwanger – oft in Folge einer Vergewaltigung. Wer die Schwangerschaft abbrechen will, muss bei sogenannten »Engelmacherinnen« Hilfe suchen und riskiert damit das eigene Leben. Denn Abtreibung ist in Nicaragua streng verboten, auch bei Vergewaltigung oder wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist.

Die Vergewaltiger bekommen meist keine Probleme: Verbrechen an Frauen und Mädchen sind für Polizei und Justiz nicht prioritär. »Die Polizei ist damit beschäftigt, diejenigen zu verfolgen, die die Menschenrechte verteidigen«, klagt Arceda. »Für den Schutz der Bevölkerung bleibt keine Zeit.«

Frauenrechtlerinnen wie Sandra Arceda riskieren viel in Nicaragua, denn das Regime des Ex-Guerilla-Führers Daniel Ortega duldet keine Kritik. Aber sie geben nicht auf. Unter dem Hashtag #NiUnaMenos, sinngemäß »Kein weiteres Opfer«, fordern sie gemeinsam mit Frauen aus ganz Lateinamerika in den sozialen Medien Gerechtigkeit und ein Ende der Straflosigkeit. Der kämpferische »Canción sin Miedo«, das »Lied ohne Angst« der mexikanischen Sängerin Vivir Quintana hat sich mittlerweile zu einer Hymne der lateinamerikanischen Frauenbewegung entwickelt und wird in vielen nationalen Versionen gesungen.

Die Polizei zum Handeln drängen

Das »Colectivo 8 de Marzo« hat 2020 über 300 von Gewalt betroffene Frauen juristisch und psychologisch begleitet. Polizeibehörden wurden zum Handeln gedrängt und Unterhaltsforderungen an zahlungsunwillige Väter wurden durchgesetzt. Es gibt ein Frauenhaus und eine Theatergruppe, die an Schulen und bei Festivals auftritt.

Mit Hilfe von terre des hommes unterstützt das Kollektiv vor allem Kinder und Jugendliche, die sich gegen Gewalt engagieren. In Gruppen wird über Männlichkeitsbilder, Sexualität und Liebe diskutiert, für Mädchen werden Selbstverteidigungskurse angeboten. Einige Kinder entwickeln ein Musiktheaterstück und führen es an ihren Schulen auf.

In Lehrgängen für junge Radioreporter*innen lernen die jungen Menschen, aus ihrem täglichen Leben Reportagen zu machen. Diese werden dann in der Sendung »Kinder in Aktion« präsentiert. »Wir geben den Kindern Wissen und Können an die Hand, damit sie ihre Umwelt mitgestalten können«, so Sandra Arceda. Die neue Generation soll sich wehren können und machistische Gewalt nicht mehr hinnehmen.

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