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Mit Mullahs und Journalisten gegen Kinderheirat

Manche reißen aus. Manche nehmen sich das Leben. Manche verbrennen sich. Manche werden zu Mörderinnen. Aber die meisten der Mädchen, die als Kinder zwangsverheiratet werden, leiden nur still vor sich hin. In Afghanistan ist das etwa ein Drittel aller Mädchen. Circa neun Prozent sind nicht einmal 15 Jahre alt, obwohl das Mindestalter laut Gesetz 16 ist. Oft ist der Bräutigam erheblich älter als die Braut und meistens spielen Armut, Patriarchat, mangelnde Bildung und die Geringschätzung von Mädchen eine wichtige Rolle. Manchmal geht es auch darum, durch die Ehe familiäre Streitigkeiten zu glätten.

Auch in der Provinz Herat ist die Zwangsverheiratung von Kindern keine Seltenheit, besonders in den ländlichen Gebieten. Die terre des hommes-Partnerorganisation WASSA (Woman Activities & Social Services Association) stellte fest, dass hier fast zehn Prozent der Mädchen vor ihrem zehnten Lebensjahr verheiratet werden und 46 Prozent, wenn sie zwischen zehn und 14 Jahre alt sind. Viele dieser Mädchen leiden unter häuslicher Gewalt, nicht wenige sterben bei der Geburt ihres ersten Kindes, weil sie viel zu jung sind, um Mutter zu werden. Weltweit sind Komplikationen während der Schwangerschaft und Geburt bei 15- bis 19-jährigen Mädchen eine der häufigsten Todesursachen.

Eine Kampagne gegen die Zwangsehe von Kindern

Die Nichtregierungsorganisation SDAO (Social Development and Advocacy Organization) möchte Kinder- und Zwangsehen verhindern, terre des hommes unterstützt sie dabei: In drei ländlichen Distrikten der Provinz Herat und in der Stadt wird auf allen Kanälen über Kinderheirat informiert, aufgeklärt und davor gewarnt. Dabei arbeitet SDAO mit Multiplikatoren wie Journalisten, Lehrkräften und Mullahs zusammen.

An sechs ländlichen Schulen informieren die Aktivistinnen und Aktivisten über die Gefahren von Kinderehen und unterstützen Mädchen dabei, sich gegen ihre Verheiratung zu wehren. Sie arbeiten auch mit Journalistinnen und Journalisten zusammen, damit diese in ihren Beiträgen die Diskriminierung von Mädchen in der afghanischen Gesellschaft und die Folgen von Kinderheirat thematisieren und kritisieren.

Den vermutlich größten Einfluss auf das Verhalten der Menschen in Afghanistan haben jedoch die Mullahs, die islamischen Rechts- und Religionsgelehrten. Besonders in den ländlichen Gebieten hört man auf das, was sie predigen. Deshalb sollen 60 Mullahs zwei Tage lang zu Frauenrechten im Islam, zu den negativen Folgen von Kinderheirat und zum Jugendschutzgesetz in Afghanistan geschult werden. Gleichzeitig wird das Religionsdirektorat der Provinz Herat überzeugt, das Thema Kinderheirat in die Agenda der Freitagsansprachen der Mullahs aufzunehmen.

So hören Väter, Mütter und Kinder in der Schule, in den Medien und in der Moschee eine Botschaft, die für viele von ihnen ungewohnt sein mag: Mädchen habe Rechte und sollen sich frei entscheiden können, ob, wann und wen sie heiraten.

17.12.2018

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