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Ausbeuterischen Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie entgegentreten

Ausgangssituation

Rund 260.000 Frauen und Mädchen arbeiten im südindischen Tamil Nadu im sogenannten Sumangali-System. Dafür werden gezielt Mädchen zwischen 14 und 23 Jahren aus armen Familien rekrutiert. Durch Knebelverträge geraten sie in sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse, isoliert von Freunden und Familie. Viele werden von Aufsehern sexuell missbraucht und leiden an Depressionen, chronischen Erkrankungen der Atemwege, Mangel- und Unterernährung. Obwohl die Rekrutierung und auch die extrem ausbeuterischen Arbeitsbedingungen illegal sind, ermöglichen Gesetzeslücken die Weiterführung.

Die terre des hommes-Partnerorganisation

Care-T (Community Awareness Research Education Trust) engagiert sich seit 15 Jahren gegen ausbeuterische Kinderarbeit in den Zulieferbetrieben der Textilindustrie in Tamil Nadu.

Maßnahmen und Wirkungen

Das Projekt arbeitet seit 2016 an der Abschaffung des Sumangali-Systems. Das geschieht auf drei Ebenen: In zwölf betroffenen Dörfern hat Care-T Zentren für rund 24.000 Mädchen eingerichtet, in denen sie medizinisch und psychologisch betreut werden, eine Schule besuchen oder Ausbildung absolvieren können und Rechtsberatung erhalten. Im Rahmen der Präventionsarbeit klärt Care-T Familien, Lehrer und lokale Autoritäten über die menschenverachtenden Auswirkungen des Sumangali-Systems auf. Als finanzielle Alternative werden sie über staatliche Sozialprogramme informiert. Das Projekt bringt Mitgliedsunternehmen von Spinnereiverbänden, Textilexporteure und deutsche und europäische Textilunternehmen in einem Multi-Stakeholder-Dialog zusammen, um die bereits bestehenden Richtlinien zu Rekrutierungs- und Arbeitsbedingungen zu erweitern und zu verankern.

Herausforderungen und Planung

Zwar müssen Zulieferbetriebe für Textilproduzenten Selbstverpflichtungen zur Einhaltung sozialer Normstandards unterschreiben. Dies greift aber nicht in Betrieben, die in vorgelagerten Stufen der Lieferkette produzieren und keine Geschäftsbeziehungen zu internationalen Handelsunternehmen haben. Das Projekt hilft, auch diese Akteure mit dem deutschen Textilbündnis zu vernetzen, so dass ein verbesserter Richtlinienkatalog durchgesetzt werden kann. Auf politischer Ebene unterstützt Care-T die Durchsetzung eines Gesetzentwurfs zur Beendigung des Sumangali-Systems in der gesetzgebenden Versammlung in Tamil Nadu.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt.

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