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Bessere Lebensbedingungen in den Küstenregionen

Ausgangssituation

Die Provinz Kanyakumari liegt im indischen Bundesstaat Tamil Nadu im Süden Indiens. Die meisten Familien leben hier vom Fischfang oder der Landwirtschaft, was kaum zum Über­leben reicht. Die Landschaft ist von Flussmün­dungen, Sandstränden und Mangrovenwäldern geprägt. Sie schützen den Küstenstreifen vor Bodenerosion, Sturm und Überschwemmung. Die Sanddünen bilden eine natürliche Barriere, die ein Versalzen der Böden und Brunnen verhindert. Doch die Versorgung der Dörfer mit sauberem Trinkwasser ist zu einem großen Problem geworden. Der ansteigen­de Meeresspiegel schwemmt die salzigen Wassermassen immer weiter ins Landesinnere. Die Vegetation ist durch Überwei­dung geschädigt, die Erosionsgefahr durch die zunehmende Abholzung der Mangroven­wälder deutlich gestiegen. Die unkontrollierte Entsorgung von Müll und der Einsatz von Düngemitteln belasten das sensible Ökosystem zusätzlich.

Die terre des hommes-Partnerorganisation

Projektpartner von terre des hommes ist die Organisatin HEAL (Human Education and Action for Liberation). Die gemeinnützige Organisation wurde in Nagercoil (Distrikt Kanyakumari, Bundesstaat: Tamil Nadu, Indien) gegründet. HEAL ist seit mehr als 25 Jahren im Umweltschutz in den Küstengebieten tätig und führt Selbsthilfemaßnahmen zur Verbesserung der Einkommenssituation marginalisierter Familien durch, bietet Rechtsberatung an und ist in der Förderung von Bildungsprogrammen für Kinder aktiv.

Maßnahmen und Wirkungen

Im Jahr 2013 startete die Organisation HEAL mit Unterstützung von terre des hommes und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ein Programm zum Küstenschutz und zur Armuts­bekämpfung. Es umfasst Maßnahmen gegen die Bodenerosion, zur Wiederaufforstung der Küstenstreifen, Baumaßnahmen zur Verbesse­rung der Trinkwasserqualität sowie Projekte zur Verbesserung der Familieneinkommen. Durch die Reparaturarbeiten konnten viele Tiefbrunnen restauriert und der Salzgehalt deutlich gesenkt werden. Die natürlichen Zuflüsse wurden von den Dorfbewohnern freigelegt und gesäu­bert, was die Trinkwasserqualität zusätzlich anhob und die Wasserreserven vergrößert hat. Die hygienischen Bedingungen in den Dörfern haben sich erheblich verbessert. Die Zahl der Infektionserkrankungen bei Kindern ist deutlich zurückgegangen; der Gesundheitszustand der Dorfbewohnerinnen und -bewohner hat sich insgesamt stabilisiert. Die intensiven Renaturierungsarbeiten an den Sanddünen haben dafür gesorgt, dass das Trinkwasser wieder auf natürliche Weise gefil­tert wird. In alle diese Aktivitäten zum Schutz der Umwelt werden auch Kinder und Jugend­lichen aktiv mit eingebunden. So lernen sie, was sie selbst zum Erhalt ihrer natürlichen Umwelt beitragen können.

Sauberes Trinkwasser steht den Bewohnerin­nen und Bewohnern nun das ganze Jahr über zur Verfügung. Damit entfällt der Kauf von Trinkwasser, was die Haushaltskassen der Familien entlastet. Traditionell sind Frauen und Mädchen für die Wasserbeschaffung zuständig. Mit den neuen Brunnen entfällt für sie die mühsame Arbeit, das Wasser von fer­nen Quellen herbeizuschaffen. So bleibt mehr Zeit für die Versorgung der Familien. Zudem haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von HEAL Kühlboxen für die Fischverkäuferin­nen angeschafft, mit denen sie den Fisch län­ger frisch halten und den ganzen Tag über auf den umliegenden Märkten verkaufen können. So erzielen sie Mehreinnahmen, die es ihnen ermöglichen, ihre Familien ausreichend zu ernähren. Viele von ihnen haben jetzt auch das Geld, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Gute Nachrichten aus Kanyakumari!

Herausforderungen und Planung

Viele implementierte Aktivitäten der ersten Phase (Wiederherstellung der Brunnen, Regenwassernutzungssysteme etc.) sind bereits nachhaltig. Hinsichtlich der Renaturierung der Mangroven-Wälder und eines Naturlehrpfads wird allerdings noch mehr Zeit benötigt. Um mit den Frauengruppen mehr Erfolge in Sachen Nachhaltigkeit zu erreichen, sollen zusätzliche Schulungen angeboten werden. Das gilt auch im Bereich der Umweltbildung. Im Mittelpunkt der weiteren Projektphase steht ein Abfallentsorgungsprogramm, um den Bauern angepasste Formen der Müllentsorgung und der Herstellung ökologischen Düngers zu zeigen.

Die Regenwassernutzungssysteme an Schulen sind mittlerweile an allen Schulen in Tamil Nadu vorgeschrieben. Allerdings stellt die Regierung bisher noch keine Gelder für deren Erhalt und Wartung zur Verfügung.

Alle Projektaktivitäten, die bisher erfolgreich waren, sollen im nächsten Schritt auf zwölf weitere Zielgemeinden ausgedehnt werden.

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