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Indien: Sklavin am Spinnrad

Kalaiselvi war zwölf Jahre alt, als der Anwerber für eine Baumwollspinnerei in der Stadt Tirupur in ihr Dorf und zu ihrer Familie kam. Den Eltern versprach er, dass ihre Tochter eine feste Arbeit bekommen würde. Und nach drei Jahren eine Prämie für ihre Aussteuer. In der Fabrik würde sie gut behandelt.

Die Eltern fassten Vertrauen, Kalaiselvi ging mit. Doch es war alles anders. Mehrere Dutzend Mädchen arbeiteten in der Spinnerei. Sie wurden behandelt wie Sklaven, waren auf dem Fabrikgelände gefangen, mussten Beschimpfungen durch die Aufseher erleiden, die hygienischen Bedingungen waren katastrophal. Kalaiselvi war Gefangene des sogenannten Sumangali-Systems. Schätzungen zufolge arbeiten rund 120.000 Mädchen und junge Frauen im Sumangali-System in Baumwoll-Spinnereien. Die jungen Frauen bekommen wenig zu essen, werden geschlagen, missbraucht oder am Ende ihres Vertrages um die versprochene Prämie betrogen.

Die Spinnereien wirken wie Gefängnisse

Die Baumwollspinnereien in Tirupur haben meistens hohe Mauern, von außen wirken sie wie Gefängnisse. Für viele Mädchen sind sie das. Das »Tirupur People´s Forum«, das von terre des hommes unterstützt wird, befreit die Mädchen aus den Spinnereien, gibt ihnen Hilfe und Unterstützung und setzt sich für ihre Rechte ein. Wie die 60 Mädchen, die jetzt im Frauenhaus Marialaya leben. Auch sie wurden als Sumangali-Arbeiterinnen ausgebeutet. Im Frauenhaus werden sie nun psychologisch betreut und können einen Abschluss oder eine Ausbildung machen.

Auch Kalaiselvi braucht weiterhin die Hilfe des Tirupur People´s Forum. Inzwischen ist sie 14 Jahre alt und hat durch den Baumwollstaub schweres Asthma, das Mädchen kann kaum sprechen. Sie musste die Fabrik verlassen und ist nun wieder bei ihren Eltern. Der Spinnerei-Betreiber weigert sich, ihr etwas zu bezahlen. Doch sie gibt nicht auf: Gemeinsam mit dem »Tirupur People`s Forum« kämpft Kalaiselvi darum, vom Spinnerei-Besitzer einen Teil ihrer Sumangali-Prämie und einen finanziellen Ausgleich für ihre Berufskrankheit zu erhalten.

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