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Hilfe für vertriebene Kinder

Millionen Menschen leben weltweit in Flüchtlingslagern oder provisorischen Unterkünften. Mehr als die Hälfte von ihnen sind Kinder und Jugendliche. Viele sind traumatisiert, leiden unter der oft mangelhaften Versorgung und haben kaum Zugang zu qualitativ guten Bildungsangeboten. Der Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe, Integration und Chancengleichheit wird ihnen verwehrt. terre des hommes hat das Ziel, geflüchteten und vertriebenen Kindern und Jugendlichen Zukunftsperspektiven zu geben. Die Unterstützung konzentriert sich auf Kinder in Flüchtlingslagern in Afghanistan und Jordanien, dem Libanon und dem Irak. Schwerpunkte der Projekte sind dabei vor allem Traumabekämpfung und psychosoziale Unterstützung, Bildung und Kindesschutz.

Irak

Im Nordirak weisen die Kinder Symptome auf, die im Kontext von Flucht und Vertreibung immer wieder auftreten: Sie klagen über mangelnde Konzentrationsfähigkeit und zeigen Apathie, Angstzustände und Aggression, etwa die Hälfte von ihnen reagiert psychisch auffällig. Doch für eine angemessene Behandlung fehlt lokales Fachpersonal. Der größte Teil der Kinder ist sehr eingeschränkt lernfähig. Dazu kommt, dass viele Kinder arbeiten müssen und früh verheiratet oder von bewaffneten Gruppen rekrutiert werden.

terre des hommes widmete sich im Jahr 2018 vor allem dem Arbeitsfeld »Mentale Gesundheit«. Im Bereich »Psychosoziale Unterstützung und psychotherapeutische Intervention (MHPSS)« wurden einheimische Organisationen qualifiziert, und es wurden gezielt Kapazitäten aufgebaut, um künftig mehr Kinder und Jugendliche betreuen zu können. Nicht zuletzt durch den Kontakt und Austausch mit Expertinnen und Experten aus anderen Ländern hat sich auch die Qualität der Angebote deutlich verbessert. Im Jahr 2018 wurden im Nordirak ca. 6.760 geflüchtete und vertriebene Kinder und Jugendliche mit Maßnahmen der MHPSS betreut. Darüber hinaus erhielten 2.053 Kinder und Erwachsene eine kurzfristige medizinische Versorgung. Rund 120 lokale Fachkräfte wurden in Traumatherapie und psychosoziale Unterstützung weitergebildet.

Afghanistan, Syrien, Jordanien

In Afghanistan und im Libanon wurden 2018 Bildungsprogramme fortgeführt und ausgebaut. Ein Arbeitsschwerpunkt war das Flüchtlingslager Sharak Police Camp, das auf einer riesigen Müllkippe am Rande der afghanischen Hauptstadt Kabul liegt. Bewohnt wird das Camp zum großen Teil von Familien, die innerhalb Afghanistans geflohen sind, und Rückkehrerinnen und Rückkehrern aus dem Iran und aus Pakistan. Die Kinder und Jugendlichen haben fast ausnahmslos Gewalterfahrungen gemacht, viele haben Schießereien und Bombenangriffe erlebt und Verwandte verloren. Im Rahmen eines Projektes mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) unterstützt terre des hommes dort ein Programm zur Bildung und Friedenserziehung. Dazu gehören beispielsweise pädagogische Maßnahmen, um nicht vorhandenes Vertrauen aufzubauen und Workshops, um Gender-Rollen zu definieren, aber auch Fortbildungen für Lehrkräfte für einen Unterricht ohne Prügelstrafe.

Landesweit waren in den vier afghanischen Provinzen Kabul, Herat, Daikundi und Bamyian insgesamt rund 4.000 Schülerinnen und Schüler in das terre des hommes-Bildungsprogramm involviert. 2.537 stammten aus vertriebenen und Rückkehrerfamilien.

Im Libanon haben seit Beginn des Syrienkrieges im Jahr 2011 rund 1,5 Millionen syrische Flüchtlinge und mehr als 50.000 palästinensische Flüchtlinge aus Syrien Sicherheit und Zuflucht gesucht. Dies hat den Druck auf die Infrastruktur in den ohnehin übervölkerten Lagern weiter erhöht. Hohe Schulabbruchquoten, seit jeher ein Problem, haben durch den Syrienkrieg weiter zugenommen. Kinder aus Syrien haben in vielen Fällen mehrere Schuljahre verpasst und auf der Flucht traumatische Erfahrungen gemacht, die ihre Lernfähigkeiten beeinträchtigen. Dazu kommt, dass die Lehrkräfte in den palästinensischen Camps meistens oft unzureichend ausgebildet und motiviert sind, Nachhilfeunterricht gibt es kaum, die Schulen sind überbelegt, so dass etwa ein Viertel aller Kinder von sechs bis 18 Jahre in den Flüchtlingslagern nicht zur Schule geht. terre des hommes sorgt in sieben palästinensischen Flüchtlingscamps dafür, dass rund 2.500 Kinder lesen und schreiben lernen. Hierfür wurden 90 Lehrerinnen und Betreuer weitergebildet, die in von lokalen Organisationen betriebenen Gemeindezentren Nachhilfeunterricht für Mädchen und Jungen anbieten.

In Jordanien sind weit über eine halbe Million syrische Flüchtlinge registriert, die tatsächliche Zahl ist ein Mehrfaches höher. Viele Menschen befinden sich in der Region Zarqa im Norden Jordaniens. Seit 2017 fördert terre des hommes gemeinsam mit der terre des hommes-Schwesterorganisation aus Italien ein Projekt für Mütter und ihre Kinder.

Europa

In Deutschland wurden im Jahr 2018 32 Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 3,2 Millionen Euro umgesetzt. Schwerpunkt der Projektarbeit war die Integration von Flüchtlingen mit besonderem Augenmerk auf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Die Projekte kümmern sich vor allem um die psychische Gesundheit der Kinder, Förderung von Bildungschancen und gesellschaftlicher Teilhabe sowie die Vertretung der Rechte von Flüchtlingskindern.

Im Rahmen des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der Europäischen Union wurde im Jahr 2018 ein Kooperationsprojekt auf den Weg gebracht, das die Aufnahme und die Asylverfahren von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen verbessern soll. Partner sind der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge e.V. und das Deutsche Institut für Jugendhilfe und Familienrecht e.V., das Gesamtvolumen beträgt rund 770.000 Euro. Kern der Projektarbeit in Deutschland ist es, Strukturen zum besseren Schutz von minderjährigen Flüchtlingen aufzubauen. Mit Schulungen und Vernetzungsmaßnahmen wurden bisher rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erreicht, davon 375 Mitarbeiter von Behörden, Vormünder und Mitarbeiterinnen von Jugendhilfeeinrichtungen und Justizwesen qualifiziert. Aufgrund der positiven Resonanz und des offensichtlichen Bedarfs wird für 2019 ein Folgeprojekt vorbereitet.

Gemeinsam mit terre des hommes Italien wurde zudem 2018 das Projekt FARO auf Sizilien unterstützt. Hier werden unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und Kinder mit Familien betreut, die es geschafft haben, sich nach Italien zu retten.

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