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Checkliste für Adoptivbewerber

Fragen an die Auslandsvermittlungsstelle
Eine Orientierungshilfe für Adoptionsbewerber

Bei der Bemühung um die Adoption eines ausländischen Kindes gibt es viele Unsicherheiten und Fragen. Den Auslandsvermittlungsstellen in freier Trägerschaft ist die Aufgabe anvertraut, den Ablauf des Verfahrens im Interesse der zu vermittelnden Kinder und der Adoptionsbewerber verlässlich zu gestalten. Die Arbeitsweisen der verschiedenen Freien Träger und auch die Situationen in den verschiedenen Herkunftsländern eines Adoptivkindes sind dabei aber sehr unterschiedlich und für Adoptionsbewerber nur schwer zu überschauen.

Der vorliegende Fragenkatalog soll Ihnen bei der Entscheidung helfen, ob und wenn ja, mit welcher Organisation Sie eine Adoptionsbewerbung durchführen wollen. Er dient dazu, Ihnen konkrete Anregungen und Hilfestellungen für Gespräche mit der Auslandsvermittlungsstelle zu geben. Die Fragen stellen ebenso eine Einführung dar wie auch die Möglichkeit, sich im Laufe des Verfahrens mit einzelnen Aspekten des Vermittlungsprozesses vertiefend auseinander zu setzen.

Die Liste der Fragen orientiert sich an fachlichen Kriterien und gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie an praktischen Erfahrungen im Rahmen der Auslandsadoption. Auch wenn eine vollständige und erschöpfende Beantwortung aller Fragen nicht möglich ist: Im Austausch über die Fragen und durch die Art der Beantwortung kann ein Vertrauensverhältnis zu der von Ihnen gewählten Organisation begründet werden.

I. Organisationsstruktur

Aufbau der Auslandsvermittlungsstelle

  1. Seit wann arbeitet die Organisation?
  2. Wie viele Adoptionen wurden bisher über welchen Zeitraum abgeschlossen?
  3. Handelt es sich um eine deutsche Organisation oder um eine ausländische Organisation, die im vorliegenden Einzelfall eine Gestattung der Bundeszentralstelle zur Vermittlung nachweist?
  4. Ist diese Organisation durch ein Landesjugendamt (Zentrale Adoptionsstelle) staatlich zugelassen?
  5. Bestehen Auflagen/ Beschränkungen?
  6. Für welche Länder besteht die Zulassung (Vertragsstaaten der Haager Adoptionskonvention / Nichtvertragsstaaten)?
  7. Ist für die Tätigkeit der Organisation mit deren Partner im Herkunftsland eine Zulassung erforderlich und liegt sie vor?
  8. Betreut die Organisation zusätzlich zur Adoption Hilfsprojekte im Ausland?
  9. Ist gewährleistet, dass Projekthilfe nicht an die Bedingung geknüpft ist, dass Kinder aus diesen Projekten vermittelt werden?

Ausstattung der Geschäftsstelle

  1. Ist ein hauptamtliches Fachteam von mindestens zwei Fachkräften (i.d.R. Sozialarbeit oder Sozialpädagogik) Vollzeit oder entsprechend Teilzeit beschäftigt?
  2. Gibt es - zusätzlich zu dem Fachteam - hauptamtliche Mitarbeiter im Sekretariat und sonstigen Verwaltungsbereich?
  3. Haben die Mitarbeiter mehrjährige Berufserfahrung in der Adoptionsvermittlung?
  4. Ist gewährleistet, dass die Entscheidungen der Fachkräfte in der Adoptionsvermittlung unabhängig von den Weisungen der Vereinsgremien getroffen werden? Wodurch wird dies sichergestellt?

Kooperation mit dem Jugendamt

  1. Arbeitet die Organisation mit der für Sie zuständigen örtlichen Adoptionsvermittlungsstelle des Jugendamtes partnerschaftlich zusammen?
  2. Wer erstellt den Adoptionseignungsbericht (»home study«), die Organisation oder das Jugendamt?
  3. Die Organisation ist verpflichtet, beim Jugendamt rückzufragen, ob die Bewerber dort bekannt sind oder ob Hinderungsgründe vorliegen. Wird dies von der Organisation gewährleistet?

Partnerorganisation / Repräsentant im Ausland

  1. Mit wem arbeitet die Organisation im Herkunftsland zusammen?
  2. Ist die Tätigkeit des ausländischen Partners (der Organisation) im Herkunftsland an eine Zulassung nach den dortigen gesetzlichen Regelungen gebunden und liegt diese vor?
  3. Handelt es sich um eine staatlich anerkannte Organisation?
  4. Wie viele Mitarbeiter sind beschäftigt (Arbeitsbereich/ Arbeitsumfang)?
  5. Welche Qualifikation zur Adoptionsvermittlung besitzen die Mitarbeiter?
  6. Seit wann arbeitet die jeweilige Organisation?
  7. Besteht eine Zusammenarbeit des ausländischen Partners mit weiteren Organisationen und anderen Aufnahmeländern?
  8. Ist der Partner außer in der Vermittlung von Auslandsadoptionen auch in der Suche nach Alternativen für die Unterbringung der Kinder im Herkunftsland sonst aktiv?
  9. Wer entscheidet, welches Kind zur internationalen Adoption vorgeschlagen wird?

II. Verfahrensstruktur

Allgemeine Informationen vor Verfahrensbeginn (Einreichung der Bewerbung)

  1. Gibt es Informationsveranstaltungen für Bewerber?
  2. Sind sie nur allgemein auf das Thema Adoption bezogen oder auf die Aufnahme eines Kindes aus einem bestimmten Land?
  3. Erhalten die Bewerber ein schriftliches Konzept der ethischen Grundsätze und sozialpädagogischen Arbeitsansätze der Organisation?
  4. Gibt es eine schriftliche Darstellung über den Ablauf des Verfahrens im Inland/im Herkunftsland, die den Bewerbern mitgeteilt wird?
  5. Verfügt die Organisation über ein Kontakt-Elternnetz? Welche Aufgaben haben die Kontakteltern?

Informationen zu den Kindern in den Herkunftsländern

  1. Welche Kinder werden vermittelt: Kinder aus Heimen, Familien oder Pflegefamilien?
  2. Wie ist die Heimstruktur und Betreuungssituation in dem Herkunftsland?
  3. Alter der Kinder; ethnische Herkunft?
  4. Ist gewährleistet, dass das Kind zur Adoption freisteht (rechtliche Statusklärung)?
  5. Werden die leiblichen Eltern vor der Freigabe des Kindes über die Konsequenzen einer Adoption und mögliche Alternativen beraten?

Arbeitsweise bei Adoptionseignungsprüfung

  1. Werden für Bewerber vertiefende Vorbereitungsseminare angeboten?
  2. Werden die Veranstaltungen von Fachkräften geleitet?
  3. Gibt es Gelegenheit, die Erfahrungen von Betroffenen zu hören?
  4. Werden die politischen, kulturellen und ökonomischen Gegebenheiten des Herkunftslandes thematisiert und die spezifische Situation verlassener Kinder und der abgebenden Familien, speziell der Mütter, besprochen?
  5. Wird für Bewerber deutlich, dass die kulturelle Herkunft des Kindes immer ein Teil des künftigen Familienlebens bleiben wird?
  6. Werden Bewerber darauf vorbereitet, dass ein fremdartiges Aussehen des Kindes durch verschiedene Lebensphasen hindurch sich wandelnde Anforderungen an die Familien stellt?
  7. Werden die Bewerber über die Bedeutung einer späteren »Wurzelsuche« des Kindes aufgeklärt und erhalten sie Empfehlungen hierzu?
  8. Erarbeitet die Organisation mit den Bewerbern ein so genanntes Kinderprofil zu Herkunftsland/ Alter/ Geschlecht und möglichen Erkrankungen/ Behinderungen des Kindes, einschließlich besonderer länderspezifischer Risiken?
  9. Führt das Fachteam Einzelgespräche mit den Bewerbern oder nur Gruppengespräche mit mehreren Bewerbern?
  10. Finden Hausbesuche statt?
  11. Werden mit Ehepartnern auch Einzelgespräche geführt?
  12. Wird das besondere Risiko einer Adoption bei bereits in der Familie vorhandenen leiblichen Kindern gesondert thematisiert?
  13. Gehört ein umfassendes und unabhängiges psychologisches Gutachten zum Teil der Eignungsüberprüfung und wird es von einem in der Adoption erfahrenen Diplompsychologen / Diplompsychologin erstellt?
  14. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter  empfiehlt einen natürlichen Altersabstand für Bewerber von 35 – 40 Jahre zum Kind. Hält sich die Organisation an diese Empfehlung?

Kindervorschlag/Ablauf des Adoptionsverfahrens

  1. Wie lange kann es dauern, einen Kindervorschlag zu erhalten und wovon hängt dies ab (zum Beispiel gravierende Veränderungen im Herkunftsland)?
  2. Ist sichergestellt, dass die Reise ins Herkunftsland zum Kennenlernen des Kindes erst erfolgt, wenn ein offizieller Kindervorschlag eingegangen ist?
  3. Enthält der Kindervorschlag Informationen zu:
    • Lebensalter
    • äußeres Erscheinungsbild (Foto)
    • Gesundheitszustand
    • Hintergründe und Zustandekommen der Freigabeentscheidung,
    • bei Findelkindern die genauen Umstände der Auffindung – Ort, Zeit, beteiligte Personen?
  4. Werden die Bewerber auf mögliche länderspezifische Mängel der Kinderberichte hingewiesen und wie gelangt die Organisationen an ergänzende Informationen?
  5. Werden die Erfahrungen – vor allem bei älteren Kindern - in der Herkunftsgeschichte (Biografie) des Kindes und seine gegenwärtige Verfassung bei der Bewerberauswahl berücksichtigt (zum Beispiel traumatische Erlebnisse, psychosoziale Belastungsfaktoren)?
  6. Findet eine umfassende ärztliche Untersuchung im Herkunftsland statt (durch wen, zu welchem Zeitpunkt) zum Beispiel:
    • HIV
    • Hepatitis (A, B, C) –Tests
    • Alkoholembryopathie?
  7. Wird mit den Bewerbern vor einer Entscheidung über Annahme oder Ablehnung des Kindervorschlages sorgfältig der eingehende Kindervorschlag besprochen und wie werden die medizinischen Angaben erläutert, z. B. durch einen Arzt?
  8. Ist gewährleistet, dass die Zusammenführung von Bewerbern und Kind (so genanntes matching) ausschließlich durch Fachkräfte erfolgt?
  9. Wie erfolgt die Kontaktanbahnung zum Kind?
    • Wird man das Kind vor einer endgültigen Entscheidung persönlich kennen lernen?
    • Wie muss man sich das Kennenlernen vorstellen (wo, wie lange, mit oder ohne Begleitung)?
    • Was ist, wenn man das Kind nach dem Kennenlernen ablehnt?
    • Was ist, wenn das Kind die Bewerber ablehnt?
  10. Wie läuft das Gerichtsverfahren und wer übernimmt darin die rechtliche Vertretung des Kindes?
  11. Gibt es eine Anwesenheitspflicht während des Gerichtsverfahrens?
  12. Falls die Adoption im Ausland abgeschlossen wird: Welche Rechtswirkungen hat der Beschluss und wird er in Deutschland anerkannt?

Nach abgeschlossener Adoption

  1. Müssen, wie international üblich, nach der Adoption Berichte über die Entwicklung des Kindes an das Herkunftsland geschickt werden?
    • Wie lange und in welchen Abständen?
    • Wer erstellt die Berichte?
    • Wie wird die Objektivität dieser Berichte sichergestellt?
  2. Welche Angebote macht die Organisation für die Zeit nach der abgeschlossenen Adoption im Rahmen der Nachbetreuung für die Adoptivfamilien?
    • Welche Formen der Krisenintervention gibt es?
    • Welche Form der Familienarbeit gibt es?
    • Gibt es alters-, länder- und problemspezifische Gruppen?
    • Selbsthilfegruppen?
    • Supervisionsgruppen?
    • Welche Möglichkeiten, auch in Zusammenarbeit mit der Partnerorganisation im Herkunftsland, gibt es für eine spätere Herkunftssuche des Adoptivkindes und welche Unterstützung bietet die Organisation dabei an?
    • Ist das Angebot der Nachbetreuung mit dem Jugendamt koordiniert?

Kosten des Verfahrens

  1. Gibt es eine detaillierte Aufstellung über die Kosten - auch unter Berücksichtigung länderspezifischer Besonderheiten – für das gesamte Verfahren (zum Beispiel Verwaltung, Seminare etc.)?
  2. Wie sind die Zahlungsmodalitäten / Fälligkeiten?
  3. Sind die aufgezählten Kosten abschließend?
  4. Welche Kosten entstehen, wenn ein Kindervorschlag abgelehnt wird?
  5. Wie hoch sind die Kosten für die Tätigkeit des ausländischen Partners und was wird damit abgedeckt (zum Beispiel Notar, Arzt, Übersetzungen)?
  6. Kommen dort evtl. Auslagen und Spesen hinzu, zum Beispiel bei Reisen der dortigen Mitarbeiter im Lande?
  7. Werden Unterbringungskosten für das Kind nach Einleitung des Verfahrens entstehen?
  8. Werden Spenden für Einrichtungen im Herkunftsland erwartet, und wie verpflichtend ist dies dann?
  9. Mit welchen eigenen Kosten müssen Sie im Verlauf des Adoptionsverfahrens rechnen (zum Beispiel Reisekosten, Übernachtung, Visa etc.)?

III. Weitere Fragen und Informationsmöglichkeiten

Wenn Sie die Fragen durchgegangen sind, bleiben dann noch Punkte für Sie offen? Ergeben sich aus Ihrer persönlichen Lebenssituation möglicherweise noch Fragen, die Sie mit der Organisation klären möchten? Neben den inhaltlichen Antworten auf die Fragen können Sie sicherlich einen Eindruck dazu entwickeln, ob sich die Organisation im Kontakt mit Ihnen offen und kompetent zeigt. Wir hoffen, dass Sie auf Grund des gewonnenen Einblicks fachliche und organisatorische Anforderungen besser nachvollziehen können, und dass der Fragenkatalog Ihnen bei Ihrer Entscheidungsfindung hilfreich ist.

Weitere Auskünfte erhalten Sie bei der Bundeszentralstelle für Auslandsadoptionen  . Dort werden die aktuellen Anschriften der zentralen Adoptionsvermittlungsstellen bei den Landesjugendämtern und Listen der zugelassenen Auslandsvermittlungsstellen in freier Trägerschaft vorgehalten. Interessante Informationen zum Thema Auslandsadoptionen finden Sie auch auf der Homepage der »Initiative Adoptionsopfer« (IAO).

IV. Publikationen zum Thema

Allgemeine Informationen zu den rechtlichen Rahmenbedingungen, Kompetenzen und Aufgaben im Bereich der internationalen Adoptionsvermittlung finden Sie in:

»Internationale Adoption«
Hinweise des Generalbundesanwaltes zum Haager Übereinkommen
Broschüre mit Gesetzestexten; kostenlos zu bestellen bei:

Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof
- Bundeszentralstelle für Auslandsadoption –
Heinemannstr. 6
53175 Bonn
Telefon: (02 28) 58-0
Telefax: (02 28) 58 41 40
eMail: haagadopt@remove-this.bzr.bund.de


V. Redaktionelle Hinweise zur Checkliste

Herausgeber: Hessisches Sozialministerium, Dostojewskistr.4, 65207 Wiesbaden
Internationaler Sozialdienst / Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge, Frankfurt am Main
Kreisausschuss des Main-Taunus-Kreises, Jugendamt, Hofheim
terre des hommes Deutschland e.V., Osnabrück.

Redaktion: Ruth Baumann –Zipplies, Dipl. Sozarb. (FH); Dipl. Päd.; Hessisches Sozialministerium, Landesjugendamt Zentrale Adoptionsstelle, Heidemarie Bienentreu, Assessorin jur.; Referentin beim Internationalen Sozialdienst, Michael Busch, Assessor jur.; Leiter des Internationalen Sozialdienst im Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge, Harald Kliczbor, Dipl. Sozarb. (FH), Syst. Paar– und Sexualtherapeut, Organisator; Gruppenleiter der Sonderdienste des Jugendamtes des Main-Taunus-Kreises, Gisa-Maria Müller-Stutzbach, Dipl. Sozpäd.; Referentin beim Internationalen Sozialdienst, Clenda Scharf, Dipl. Sozarb. (FH) Gestaltberaterin; Adoptionsvermittlung des Jugendamtes des Main-Taunus-Kreises, Jürgen Stapelmann, Dipl. Psych., Psychologischer Psychotherapeut, Herta Steigerwald, Dipl. Sozpäd. (FH), Syst. Familientherapeutin; Adoptionsvermittlung des Jugendamtes des Main-Taunus Kreises, Dr. theol. Bernd Wacker, Beauftragter Internationale Adoption/Adoptionskinderhandel, terre des hommes Deutschland e.V.

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