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A chance to play: Kinder haben ein Recht auf Spiel

Millionen Menschen weltweit verfolgen die Fußball-Weltmeisterschaften mit Spannung. Um diese Aufmerksamkeit für benachteiligte Kinder und Jugendliche zu nutzen, riefen terre des hommes und der Volkswagen Konzernbetriebsrat das Programm »A chance to play (ACTP)« ins Leben. Denn das Recht auf Spiel ist ein fundamentales Kinderrecht. Mit einer Vielzahl von Spiel-, Kultur- und Lernangeboten wurden bereits anlässlich der WM in Südafrika zahlreiche Kinder und Jugendliche gefördert. Die Erfolge motivierten den VW Konzernbetriebsrat und terre des hommes, das Programm zur WM in Brasilien neu aufzulegen: Hier startete ACTP am 21. Januar 2013. Die Projekte des Programms wurden von zwölf terre des hommes Partnerorganisationen durchgeführt. Finanziert wurden sie durch Spenden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Volkswagenwerken weltweit.

Ziel des Programms in Brasilien war insbesondere die Förderung einer Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit. Denn in den brasilianischen Großstädten bedrohen soziale Konflikte, Gewalt und hohe Kriminalitätsraten insbesondere Kinder und Jugendliche in den Armenvierteln. Über Spiel-, Sport-, und Kulturangebote sollten das Selbstvertrauen der Kinder und Jugendlichen, gegenseitiger Respekt, die Fähigkeit zur friedlichen Konfliktlösung und das Zusammenleben in Familie und Gemeinschaften gestärkt werden.

»Wir sind überzeugt, dass Spiel, kulturelle und sportliche Aktivitäten wirkungsvolle Instrumente sind, um eine Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit zu schaffen«, blickt Beat Wehrle, Koordinator des Programms, auf die letzten zwei Jahre zurück. »Die Lebensgeschichten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Programmes A chance to play verdeutlichen das.« Insgesamt nahmen knapp 100.000 Personen an den Aktivitäten in Brasilien teil. Das Programm richtete sich an Kinder und Jugendliche, Eltern und Fachkräfte aus dem Jugend- und Sozialbereich:

Die Partnerorganisationen von terre des hommes bildeten 1.360 Fachkräfte in pädagogischen Spielmethoden fort. Geholfen hat dabei ein Handbuch, das bereits in Südafrika entwickelt und an den brasilianischen Kontext angepasst wurde. Die Sozialarbeiter können die in diesem Handbuch zusammengestellten Methoden und Aktivitäten zur Persönlichkeits-
entwicklung von Kindern in ihrer täglichen Arbeit anwenden und ihnen so die friedliche Lösung von Konflikten spielerisch vermitteln. 5.000 Exemplare des Handbuchs wurden unter dem Fachpublikum verteilt und erfreuen sich großer Beliebtheit. »Es war eine sehr bereichernde Erfahrung, bei der wir mit sehr viel Spaß sehr viel gelernt haben, was ja die Grundidee des Spielens ist«, bestätigt Luciana de Toledo Temer Luria, die an einer Fortbildung teilnahm und die Leiterin der für die städtische Sozialarbeit in São Paulo zuständigen Behörde ist.

Wie die Aktivitäten sich auf das Leben von Kindern auswirken, zeigt das Beispiel von Carol: Sie wuchs in einer schwierigen Familie auf, mit zwölf Jahren wurde sie von ihrem Stiefvater missbraucht. Carol vertraute niemandem mehr. Aber die Sozialarbeiter des Kinderrechtszentrum Sapopemba konnten ihr helfen und begleiteten sie psychologisch. Carol durfte wieder Kind sein und sich in einem sicheren Raum, frei von Gewalt und Missbrauch, entfalten. Zusammen mit ihrer Schwester nahm sie an den Perkussions-, Capoeira- und Ballett-Workshops teil. Carol kam dabei ihrer Schwester wieder näher und fand Freunde. »In der Schule werde ich gemobbt«, sagt sie. »Hier werde ich so akzeptiert, wie ich bin.«

Ein Höhepunkt des Programms war die Straßenfußball-WM, die im Juli 2014 parallel zur WM der Profis durchgeführt wurde und an der 300 junge Menschen aus 20 Ländern teilnahmen. Die Veranstaltung genoss großes Medieninteresse und rückte so die Wichtigkeit des Rechts auf Spiel in den Fokus der Öffentlichkeit. Sogar Papst Franziskus lobte diese »etwas andere WM« in einer Botschaft. Der Straßenfußball ist eine spezielle Methode, um Kindern und Jugendlichen gewaltlose Konfliktlösung beizubringen: Gespielt wird in gemischten Teams und anstelle eines Schiedsrichters gibt es einen Mediator. Ein Spiel besteht beim Straßenfußball nicht aus Halbzeiten, sondern aus Dritteln. Im ersten Drittel bestimmen die Jugendlichen zusammen die Regeln, im zweiten Drittel wird Fußball gespielt und im letzten Drittel gemeinsam diskutiert, wer fair gespielt und am besten die gemeinsamen Regeln eingehalten hat. Punkte gibt es nicht nur für Tore, sondern vor allen Dingen für Fair Play. »Es geht nicht einfach darum, den Wettbewerb zu gewinnen, sondern sich zu respektieren, zusammenzuarbeiten und stolz zu sein, ein Teil dieses Events zu sein«, sagt Lindiwe vom südafrikanischem Team.

In nur zwei Jahren hat »A chance to play« viel in Brasilien erreicht. Dies ist insbesondere auch dem großen Engagement zahlreicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Volkswagen zu verdanken: »Die hohe Bedeutung dieses Projekts liegt darin, dass es den Arbeiterinnen und Arbeitern erlaubt, sich außerhalb der Mauern der Fabrik zu engagieren… und das Leben von Kindern und Familien zu verändern«, bestätigt Valdir Freire Dias, der Vize-Präsident des VW Weltkonzernbetriebsrats.

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