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Kindersoldaten

Sie werden gezwungen zu töten und zu plündern, sie müssen an die Front, werden durch Minenfelder getrieben oder zur Spionage eingesetzt. 250.000 Kinder und Jugendliche werden weltweit als Soldaten missbraucht – sowohl von regulären Armeen wie auch von Rebellengruppen.

Kinder sind in vielen bewaffneten Kriegsparteien fester Bestandteil der militärischen Infrastruktur. Ihr Alltag ist geprägt durch Gewalt, ihre Erziehung basiert auf bedingungslosem Gehorsam. Ist der Krieg vorüber, brauchen ehemalige Kindersoldaten dringend Unterstützung, damit sie eine Chance zur Rückkehr in die zivile Gesellschaft haben. Viele können ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten. Sie haben oft weder eine Ausbildung bekommen, noch eine Schule besucht. Statt sozialen Verhaltens kennen sie nur Befehl, Gehorsam und militärischen Drill.

terre des hommes gibt diesen Kindern eine neue Perspektive: In Projekten bekommen ehemalige Kindersoldaten psychologische Betreuung und eine Ausbildung. Auf politischer Ebene setzt sich terre des hommes dafür ein, dass kein Kind mehr rekrutiert wird. Denn Kinder zu rekrutieren und in Kriegen und bewaffneten Konflikten einzusetzen ist eine besonders schlimme Form von Kindesmissbrauch!


Daten und Fakten

Definition

Kindersoldaten sind:
 
»... alle Personen unter 18 Jahren, die von Streitkräftenoder bewaffneten Gruppen rekrutiert oder benutzt werden (…), darunter Kinder, die als Kämpfer, Köche, Träger, Nachrichtenübermittler, Spione oder zu sexuellen Zwecken benutzt wurden.«
Definition nach den Pariser Prinzipien (2007), unterzeichnet von 105 Staaten, darunter Deutschland

Ursachen und Hintergründe der Rekrutierung von Kindersoldaten
Nach wie vor werden weltweit rund 250.000 Kinder in mindestens 20 Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika von bewaffneten Gruppen und Armeen als Soldaten rekrutiert und im Kampf eingesetzt (siehe Weltkarte). Sie werden entführt oder mit falschen Versprechungen und einem geringen Sold gelockt und militärisch gedrillt. Kinder sind leichter manipulierbar, gehorsamer und furchtloser als Erwachsene. Leichte und billige Kleinwaffen auch aus Europa und Deutschland ermöglichen es den Kriegsherren, auch junge Kinder an die Front zu schicken.

Lebenssituation der Kindersoldaten
Kindersoldaten werden von den Vorgesetzten als weniger wertvoll angesehen wie erwachsene Soldaten und an besonders gefährlichen Stellen an der Front eingesetzt, zum Beispiel als Spione, Vorhut oder Minensucher. Entsprechend hoch ist das Risiko, verletzt oder getötet zu werden. Oft werden sie durch Misshandlungen, Drogen oder Geld gefügig gemacht. Mädchen und Jungen werden häufig sexuell missbraucht.

Die langfristigen Folgen für das psychische und körperliche Wohl der Kinder sind katastrophal: Sie werden zu absolutem Gehorsam gezwungen, das Selbstbewusstsein schwindet, sie stumpfen gegenüber Grausamkeiten ab, werden traumatisiert und seelisch schwer verletzt.

Unter 18 nie!

Auch in Deutschland werden jedes Jahr unter 18-jährige Jungen und Mädchen für die Bundeswehr rekrutiert, 2017 waren es 2.128, ein neuer Höchstwert. Darunter waren 448 junge Frauen. terre des hommes setzt sich dafür ein, dass auch die Bundeswehr den internationalen 18-Jahres-Standard einhält und die Rekrutierung und Werbung von Minderjährigen stoppt – dies fordert auch der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes und die Kinderkommission des Deutschen Bundestages. Im September 2017 überreichte terre des hommes als Abschluss der Kampagne »Unter 18 nie!« mehr als  30.000 Unterschriften an Verteidigungsministerin von der Leyen und verlieh den Forderungen in einem Gespräch im Verteidigungsministerium Nachdruck.

Internationale Vereinbarungen

Neben der UN-Kinderrechtskonvention und dem Zusatzprotokoll Kinder in bewaffneten Konflikten wurden in den letzten Jahren wichtige Maßstäbe gegen die Rekrutierung von Kindern durchgesetzt. Dazu zählen:

  • die Einrichtung des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag, der unter anderem die Rekrutierung von Kindern als Kriegsverbrechen verfolgt
  • die Benennung eines Sonderbeauftragten der UN für Kinder in bewaffneten Konflikten und die Einrichtung eines Monitoring- und Berichtsverfahrens
  • eine Diskussion der Situation der Kinder bei Entscheidungen des UN-Sicherheitsrates, bei Friedensmissionen und Friedensvereinbarungen.

Doch dies reicht bei weitem nicht aus, denn viele Regelungen werden in der Praxis nicht umgesetzt. Selbst schwerste Kinderrechtsverletzungen haben meist keine Konsequenzen, weder strafrechtlich noch auf internationaler oder diplomatischer Ebene. Dies gipfelte im Juni 2016 darin, dass Saudi-Arabien dem UN-Generalsekretär Ban Ki Moon drohte, es werde sämtliche Zahlungen an die UN einstellen, wenn es nicht von der sogenannten Liste der Schande der UN gestrichen würde. Dort war Saudi-Arabien nach massiven Bombardierungen von Krankenhäusern und Schulen im Yemen mit vielen zivilen Todesopfern, darunter vielen Kindern, gelistet worden. Ban Ki Moon stimmte zähneknirschend zu, machte diese Erpressung aber öffentlich. terre des hommes und viele andere NGOs protestierten, aber internationaler Druck blieb weitgehend aus, auch von wichtigen Partnerländern Saudi-Arabiens wie Deutschland. Stattdessen ist das Land weiter einer der größten Waffenimporteure der Welt und wird vor allem von den USA, Großbritannien und Deutschland massiv aufgerüstet – trotz schlimmster Menschenrechtsverletzungen auch im eigenen Land.

Generell gab es in den Jahren 2015 und 2016 ein sehr hohes Maß an Kinderrechtsverletzungen in bewaffneten Konflikten. Der UN-Sicherheitsrat und einflussreiche Länder wie Deutschland müssen dringend aktiv werden und dem Schutz von Kindern in Kriegsgebieten höchste Priorität geben.

Zahlen

250.000 Kindern und Jugendlichen werden weltweit in mindestens 20 Ländern als Soldaten rekrutiert, die meisten davon im Nahen Osten, Afrika und Asien.

  • In Syrien werden Tausende von Kindern als Soldaten missbraucht, die meisten vom Islamischen Staat, aber auch von der Freien Syrischen Armee, kurdischen und Pro-Assad-Gruppen.
  • In Kolumbien wurden im Jahr 2017 in Folge des Ende 2016 unterzeichneten Friedensvertrages 7000 Kämpfer der FARC entwaffnet und demobilisiert, darunter etwa 2000 Minderjährige. Davon kehrten 300 in ihre Familien zurück. Bei anderen bewaffneten Guerilla-Gruppen wie der ELN oder der EPL und bei paramilitärischen Gruppen und kriminellen Banden gibt es weiter in großem Maße minderjährige Soldaten.
  • Mehr als 8000 Kinder, darunter viele Mädchen, wurden in Nigeria seit 2009 von Boko Haram rekrutiert und zum Teil gezwungen, sich als Selbstmordattentäter in die Luft zu sprengen. Auch die gegen Boko Haram kämpfenden Bürgerwehren rekrutierten hunderte Kinder.
  • In Myanmar (Burma) gibt es weiter Tausende oder möglicherweise Zehntausende von Kindersoldaten, genaue Zahlen sind nicht bekannt. Die Fälle von Rekrutierungen in die staatliche Armee sind nach der Unterzeichnung eines UN-Aktionsplanes in 2012 zurückgegangen. Bewaffnete Oppositionsgruppen wie die Kachin Independent Army KIA setzen in großem Maße Minderjährige als Soldaten ein.
  • In Indien rekrutieren zahlreiche bewaffnete Oppositionsgruppen Kinder, z.B. die Naxaliten und viele Gruppen in Nordostindien, und auch bei der staatlichen Armee werden immer wieder Fälle von Rekrutierungen und illegalen Inhaftierungen von Minderjährigen dokumentiert. terre des hommes hat dazu eine Studie erstellt.
  • Auch in der DR Kongo, Sudan, Südsudan, Mali, Zentralafrikanische Republik, Somalia, Libyen, Jemen, Syrien, Irak, Israel / Palästina, Libanon, Afghanistan, Pakistan, Thailand und den Philippinen werden Minderjährige als Soldaten rekrutiert und ausgebeutet.

Forderungen und Ziele

terre des hommes fordert gemeinsam mit dem Deutschen Bündnis Kindersoldaten:

Die Forderungen zum download (pdf)

1. „straight 18“

Kinder unter 18 Jahren dürfen weder freiwillig noch zwangsweise rekrutiert oder als Soldaten eingesetzt werden. Dies gilt unabhängig von der Funktion und davon, ob sie eine Waffe tragen. Alle Mädchen und Jungen unter 18 Jahren müssen aus Armeen und bewaffneten Gruppen entlassen werden. Auch dürfen unter 18-Jährige prinzipiell nicht für Armeen oder bewaffnete Gruppen geworben werden. Dies gilt auch für die Bundeswehr, die weiter 17-Jährige rekrutiert und bei Schülern wirbt.

2. Bestrafung der Verantwortlichen
Personen, Staaten und bewaffnete Gruppen, die Kinder rekrutieren und als Soldaten einsetzen, müssen öffentlich benannt und bestraft werden.

3. Versorgung, Schutz und Hilfe für geflohene Kindersoldaten
Medizinische und psychologische Versorgung, Schutz vor erneuter Rekrutierung, sowie schulische und berufliche Bildung sind für alle ehemaligen Kindersoldaten lebenswichtig - gerade auch wenn sie als Flüchtlinge in andere Länder kommen.

4. Gewährung von politischem Asyl
Ehemaligen Kindersoldaten muss in allen Ländern, in die sie geflohen sind, Schutz und politisches Asyl gewährt werden - auch in Deutschland und anderen Industrieländern.

5. Stopp von (deutschen) Waffenexporten
Es dürfen keine Waffen (besonders Kleinwaffen), Einzelteile oder Munition in Krisenregionen exportiert werden, in denen es Kindersoldaten gibt. Dies gilt besonders für Deutschland, den weltweit drittgrößten Waffenexporteur.

6. Mehr Geld für Kindersoldaten-Hilfsprogramme
Die staatlichen und internationalen Mittel für Präventions- und Reintegrationsprogramme für Kindersoldaten müssen deutlich erhöht werden. In vielen Ländern mit Kindersoldaten gibt es keinerlei Mittel für solche Programme.

Forderungen an Deutschland

1. Stopp der Rekrutierung 17-jähriger Minderjähriger in die Bundeswehr, Erhöhung des Mindestalters für Rekrutierung auf 18 Jahre.

2. Stopp von Werbung der Bundeswehr, die sich gezielt an Minderjährige richtet: an Schulen, in Jugendmedien, auf Jugendseiten im Internet, bei Sport-, Abenteuer- und Musikveranstaltungen für Minderjährige, etc.

3. Friedenserziehung verbindlich in den Lehrplänen und in der Lehrerfortbildung verankern

4. Gewährung von politischem Asyl und Unterstützung für geflüchtete Kindersoldaten oder Minderjährige, die vor einer Rekrutierung geflohen sind. Ein sicherer Aufenthaltsstatus, medizinische und psychologische Versorgung sowie schulische und berufliche Bildung sind für sie lebenswichtig. Hier gibt es in Deutschland große Probleme.

5. Stopp deutscher Rüstungsexporte (bes. Kleinwaffen), insbes. in Krisengebiete, in denen Kindersoldateneingesetzt werden. Deutschland ist hier als weltweit drittgrößter Waffenexporteur besonders in der Pflicht.

6. Mehr Geld für Kindersoldaten-Hilfsprogramme: Die staatlichen Mittel für Präventions- und Reintegrationsprogramme für Kindersoldaten in Krisenregionen müssen deutlich erhöht werden.

Weltweiter Einsatz gegen die Rekrutierung von Kindern

In Deutschland koordiniert terre des hommes gemeinsam mit der Kindernothilfe das Deutsche Bündnis Kindersoldaten. Weltweit setzt sich terre des hommes in Netzwerken wie der Watchlist on Children and Armed Conflict und mit Partnern wie dem Human Rights Education Institute of Burma oder Child Soldiers International gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten ein.


Projektbeispiele

Erfahren Sie, wie terre des hommes die Kinderrechte durchsetzen möchte terre des hommes setzt sich auf der ganzen Welt für die Kinderrechte ein. Sehen Sie Beispiele für unsere Projektarbeit.

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Was Sie tun können

terre des hommes setzt sich auf verschiedenen Ebenen für den Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten ein. Neben der Mitarbeit in Initiativen gegen die Rekrutierung von Kindern unterstützt terre des hommes zahlreiche Projekte in Kriegs- und Krisengebieten. Folgende Aspekte sind in der Projektarbeit von terre des hommes von Bedeutung:

  • Präventionsarbeit, also der Schutz von Kindern vor Gewalt und Zwangsrekrutierung
  • Bemühungen um Entlassung, Rehabilitation und Versöhnung für aktive oder ehemalige Kindersoldaten
  • Hilfe und Betreuung für verletzte und traumatisierte ehemalige Kindersoldaten
  • Hilfe für ehemaligen Kindersoldaten, die als Flüchtlinge nach Deutschland kommen

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten mit einer Spende. Jede Spende hilft!

Red Hand Day

Immer noch werden weltweit etwa 250.000 Kinder in Kriegen und bewaffneten Konflikten als Kindersoldaten missbraucht. Deshalb findet jährlich am 12. Februar der Red Hand Day statt. Durch öffentliche Proteste, Demonstrationen und andere Aktivitäten soll an diesem Tag weltweit die Aufmerksamkeit auf die Situation von Kindersoldaten gelenkt werden. Machen Sie mit! ...mehr


Materialien, Links, Adressen

Studien, Broschüren und weiterführende Links zum Thema Kindersdolaten und Kinder im Krieg. mehr

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