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Rote Hände vor dem Reichstag

Bündnis Kindersoldaten fordert: Keine deutschen Waffen in Kinderhände!

Bei strahlendem Sonnenschein protestierten etwa 60 Berliner Schülerinnen, Schüler und Erwachsene mit roten Händen auf der Wiese vor dem Berliner Reichstag gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten. Mittendrin: Michael aus Sierra Leone. Im Alter von 16 bis 20 Jahren war er selber Kindersoldat und musste Dörfer vor den Angriffen der Rebellen der RUF (Revolutionary United Front) beschützen, ebenfalls meist Kinder und Jugendliche.

Ihm gelang die Flucht und er kam über viele, oft lebensgefährliche Umwege schließlich nach Deutschland. Die Schülerinnen und Schüler befragten Michael wie sein Leben im Krieg war und was er heute macht. Seit zwölf Jahren lebt er jetzt in Bremen, hat Speditionskaufmann gelernt, arbeitet am Theater, erzählt afrikanische Märchen und macht Musik mit seiner eigenen Band, der Michael Davies Band. Als die Kinder das hören und die Gitarre auf seinem Rücken sehen, wollen sie unbedingt ein Lied hören: »In the jungle, the mighty jungle, the lion sleeps tonight«, singt Michael. Die Kinder sind begeistert und lassen sich ihre selbstgebastelten roten Papphände von Michael unterschreiben.

Für Michael ist es nicht einfach, über seine Zeit als Kindersoldat zu reden. Dann kommen die Kriegsbilder und dunklen Erinnerungen wieder, oft kann er nachts nicht schlafen. Aber er kann jetzt darüber reden, sogar vor Fernsehkameras. Dabei half ihm eine zweijährige Therapie bei Refugio Bremen, einem psychologischen Behandlungszentrum, das auch von terre des hommes unterstützt wird. Michael will, dass die Menschen erfahren, wie grausam Kinder im Krieg benutzt und ausgebeutet werden. Dies berichtet er bei der Pressekonferenz des Deutschen Bündnisses Kindersoldaten zum Red Hand Day. Er zählt diverse Sturm- und Maschinengewehre auf, die seine Truppe und die Gegner vor Ort benutzt haben, fast alle europäischen Fabrikats. Darunter ist auch das deutsche G3 von Heckler und Koch, das nicht nur in Sierra Leone, sondern in fast allen Ländern, in denen Kindersoldaten eingesetzt werden, weit verbreitet ist, zum Beispiel im Sudan, Südsudan, Somalia, D. R. Kongo, Burma, Philippinen, Irak, Pakistan. Allein mit den Waffen von Heckler & Koch werden täglich weltweit etwa 100 Menschen getötet.

Länder wie Iran, Saudi-Arabien, Pakistan, Burma, Kolumbien, Mexiko und die Türkei stellen das G3 sogar in Lizenz in eigenen Gewehrfabriken her, die mit Genehmigung der Bundesregierung von Heckler & Koch vor Ort aufgebaut wurden. Der Verbleib der Gewehre aus diesen Fabriken wird nicht kontrolliert. Inzwischen ist das G3 mit zehn Millionen Exemplaren nach der Kalaschnikow das am weitesten verbreitete Sturmgewehr der Welt. »Die Überflutung von Krisengebieten mit Kleinwaffen muss gestoppt werden«, sagte terre des hommes-Experte Ralf Willinger im Namen des Deutschen Bündnisses Kindersoldaten auf der Pressekonferenz. Die Bundesregierung sei hier besonders in der Pflicht, denn Deutschland ist der drittgrößte Waffenlieferant der Welt, deutsche Unternehmen gehören zu den Marktführern bei den besonders tödlichen Kleinwaffen.

terre des hommes fordert deshalb, den Export von deutschen Waffen in Krisengebiete, insbesondere in Länder, in denen Kindersoldaten eingesetzt werden, gesetzlich zu verbieten. Zudem darf es generell keine Vergabe mehr von Produktionslizenzen für Waffenfabriken und keine Exportkreditgarantien für Waffenexporte geben. Denn gäbe es nicht so viele auch von Kindern leicht zu bedienenden Waffen in Kriegsgebieten, gäbe es auch weniger Kindersoldaten und zivile Opfer.

Lesen Sie auch unsere Pressemitteilung und die Statements der Pressekonferenz.


11.2.2014

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