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Geetanjali Shree

Mai
Roman
Draupadi-Verlag, 2010
241 Seiten, Euro: 14,80
ISBN-10: 393760345X
ISBN-13: 978-3937603452

Nahezu alle der ins Deutsche übertragenen Romane sind aus dem indischen Englisch übersetzt.  Die Historikerin Geetanjali Shree schreibt ihre erzählerischen Texte in ihrer Muttersprache Hindi, ihre wissenschaftlichen Abhandlungen in Englisch.

Ihr erster Roman »Mai« erschien 1993 in Delhi und 2010 in deutscher Übersetzung im Draupadi Verlag. Das Buch erzählt die Geschichte einer verheirateten Frau und Mutter (Mai) aus der Perspektive ihrer beiden Kinder.

»Dass unsere Mutter eine schwache Wirbelsäule hatte, wussten wir ja von Anfang an. Später bestätigte uns der Doktor: Es ist das Schicksal derer, die sich ständig gebückt halten. (...) Diese Leute haben schließlich immer Schmerzen, wenn sie sich beugen und auch, wenn sie sich aufrichten«.

So beginnt der Roman, und er benennt damit das Leitmotivische im Leben einer Frau, deren Rolle es ist, für alle innerhalb des großen Hauses zu sorgen. Es sind dies: ein Schwiegervater, der, in seinem Zimmer residierend, Gäste empfängt, die von Mai bedient werden müssen. Eine Schwiegermutter, die ihr Sofa ungern verlässt und an der Schwiegertochter wenig Gutes finden kann. Ein Ehemann, der selten zu Hause und an einem reibungslosen Funktionieren seines Lebens interessiert ist;  Dienstboten und ein großer Garten sowie ihre beiden Kinder. Diese beschützt Mai vor den ihrer Meinung nach überholten Regeln und Einschränkungen. Sie lässt vor allem ihrer Tochter Freiheiten.

Je älter die Kinder werden, umso mehr nehmen sie sich vor, Mai zu mehr Eigenleben und Rechten zu verhelfen, sie zu befreien. Doch sie müssen erkennen, dass hinter all der Schwäche, die sie an ihrer Mutter wahrgenommen haben, ein anderes Lebensmuster steckt.

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Geetanjali Shree

Unsere Stadt in jenem Jahr
Roman

Draupadi-Verlag, 2013
219 Seiten, Euro: 18,00
ISBN-10: 393760376X
ISBN-13: 978-3937603766

In ihrem 2013 erschienen Roman »Unsere Stadt in jenem Jahr« geht Geetanjali Shree auf die gewalttätigen Konflikte zwischen Muslimen und Hindus ein, die sich 1992/1993 über ganz Indien nach der Zerstörung der Babri Moschee in Ayodhya ausgebreitet haben. In einer fiktiven Kleinstadt leben Shruti, ihr Mann Hanif, ihr Bruder  Sharad und beider Vater Daddu in einem Haus. Shruti ist Autorin und Hanif und Sharad sind Lehrer an einem Institut. In der Stadt gewinnt die Ruine eines hinduistischen Tempels  plötzlich an Bedeutung: Zahlreiche gläubige Hindus kommen zu abendlichen Gottesdiensten auf das Gelände, Prozessionen werden abgehalten, die immer aggressivere Formen annehmen. Die Prozessionsteilnehmer stecken

sogar orangefarbene Fähnchen an die Türen von Hindus. Es gibt eine abendliche Ausgangssperre, körperliche Übergriffe von beiden Seiten. Gerüchte gewinnen Raum. Am Institut versuchen sich Lehrende und Studierende als dritte Kraft zu etablieren und verfassen einen Aufruf.

Zuspitzung der Auseinandersetzungen
Erzählt wird die Geschichte von einer Chronistin. Wie in einer Spirale spitzen sich die  Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Muslimen zu, um sich immer gewaltsamer zu entladen. Hanif und Sharad sind Kollegen und Schwäger, nicht praktizierender Muslim und nicht praktizierender Hindu. Im Lauf der draußen und auch im Institut stattfinden Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Hindus verändert sich auch ihr Verhältnis maßgeblich.

Beide verteidigen sukzessive das Verhalten der Anhänger ihrer jeweiligen Religion, sie können sich ihrem aufgeladenen Umfeld nicht mehr entziehen. Die Leitung des Institutes wird am Ende nicht dem Muslim Hanif, sondern dem Hindu Sharad übertragen. Nur Shruti und Daddu können sich annähernd ihre Objektivität erhalten. Daddu wird Opfer der sich am Schluss auch gegen ihr Haus und seiner Bewohner entladenden Gewalt.

»Unsere Stadt in jenem Jahr« ist ein Lehrstück darüber, wie sich  Jahrhunderte langes Zusammenleben im Sinne gegenseitigen Respekts zur mörderischen Feindschaft hin verändern kann.

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