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F i l m e m p f e h l u n g

Der Stern von Indien, 2017
Gurinder Chadha
(Regisseurin)
107 Minuten, DVD
ab 15. Dezember 2017 im Handel erhältlich

In diesem Jahr jährte sich die Unabhängigkeit Indiens und die Staatsgründung Pakistans zum 70. Mal. Fast genau zum Jubiläumsdatum am 14.8. kam der Film »Der Stern von Indien« von Regisseurin Gurinder Chadha in die Kinos. Er erzählt die Geschichte der Teilung Indiens und der vorhergehenden gewaltsamen Konflikte zwischen Hindus, Sikhs und Moslems ab dem Moment der Ankunft von Lord Mountbatten, der als letzter Vizekönig Indien in die Unabhängigkeit entlassen sollte.

Streit um Teilung des Landes
Eine kluge Beschränkung. Der Film zeigt eindrücklich, wie groß einerseits der Zeitdruck aus London war, andererseits der Druck durch die in einigen Staaten schon schreckliche Gewalt zwischen den Religionsgruppen. Während der Führer der Muslime Jinnah auf eine Teilung und einen Staat Pakistan hinarbeitete, empfahlen Nehru und Gandhi dringend, Indien auf keinen Fall zu teilen. Erst als die Teilung beschlossene Sache war, erfuhr Lord Mountbatten, dass London von Anfang an die Teilung wollte, weil man den sozialistischen Ambitionen Nehrus misstraute und mit Pakistan einen westlich orientierten Staat schaffen wollte. Am Ende waren eine Million Tote zu beklagen, ca. 13 Millionen Menschen mussten ihren Wohnort verlassen und flüchten.

Die letzten Monate britischer Herrschaft
Die Regisseurin Gurinder Chadha erzählt die Geschichte der letzten Monate der britischen Herrschaft in Indien aus verschiedenen Perspektiven. Der Druck, unter dem Lord Mountbatten stand, wird ebenso deutlich, wie das Engagement seiner Frau, die ihm geraten hatte, sich mehr Zeit zu lassen. Sie versorgte schließlich auch Flüchtlinge im Palast. Wie unmöglich Liebe plötzlich wird, wie Liebende und Familien auseinandergerissen werden und die Gewalt überhand nimmt, wird deutlich an der Geschichte von Jeet und Aalia. Er ist Hindu in der Palastwache, sie muslimische Dolmetscherin. Lord Mountbatten muss einsehen, dass er keinen friedlichen Übergang in die Unabhängigkeit gewährleisten kann.


Die Saat des Hasses ging auf

Die Regisseurin stammt aus einer Familie von Sikh, die bei der Teilung ebenfalls fliehen musste und nach London übersiedelte. Chadha gelingt das Unmögliche, nämlich diese schrecklichen Monate und Wochen vor und nach der Unabhängigkeit und Teilung in knapp zwei Stunden anhand von persönlichen Schicksalen und Begebenheiten zu erzählen. Gandhi war erfolgreich mit dem gewaltlosen Widerstand gegen die Briten gewesen, er glaubte, dass die Gewalt aufhören würde, wenn das Empire sich für ein Indien, gegen die Teilung entscheiden würde. Vielleicht wäre sie weniger gewesen, aber der Hass war schon geschürt, die Saat aufgegangen. Gurinder Chadha ist bekannt geworden mit dem Film »Kick it like Beckham«. Dieser preisverdächtige Film nun ist ein bewegender Rückblick auf das Jahr 1947, in dem Europa noch darniederlag, das Empire zu Ende ging und der kalte Krieg seinen Anfang nahm. Man wünscht sich, dass es nach 70 Jahren Indien und Pakistan gelänge, zu einem gedeihlicheren Miteinander zu finden. Der Darsteller von Lord Mountbatten, Hugh Bonneville, ist allen Fans der Serie »Downtown Abbey« bestens als sympathischer Hausherr bekannt. Auch die anderen Darsteller sind hervorragend in ihrer jeweiligen Rolle. Der Film läuft jetzt noch in den Kinos. Hingehen! Der Film kommt am 15. Dezember 2017, also noch rechtzeitig vor Weihnachten, als DVD auf den Markt. Ein sehr gutes Weihnachtsgeschenk!

Monika Huber

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