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Meja Mwangi
Warten auf Tusker

Verlag: Peter Hammer, Wuppertal 2017
345 Seiten, Preis 24,00 €
ISBN-13: 9783779505624
ISBN-10: 3779505622

Ein Weihnachtsfest ohne Bier – das erscheint den männlichen Bewohnern eines afrikanischen Dorfes als Höhepunkt aller Schrecknisse, die das Leben bereithalten kann. So jedenfalls schildert es der erfolgreiche kenianische Autor Meja Mwangi in seinem neuen Buch, das im Original den Titel »Christmas without Tuske«“ trägt. Der Verlag kündigt den Leserinnen und Lesern eine Komödie an und liegt damit nicht ganz falsch. Richtiger wäre es gleichwohl, angesichts der skurrilen Charaktere, die das Buch bevölkern, und angesichts des bärbeißigen Humors des Autors, von einer Groteske zu sprechen.

Keine Ahnung vom Leben im Dorf
Die Geschichte beginnt mit der Ankunft eines katholischen Priesters im Dorf Kambi, der sich dort um die arg geschrumpfte Gemeinde, vor allem aber um ein vom Scheitern bedrohtes Wasserprojekt kümmern soll. Frisch aus Rom angereist, versteht er so gut wie nichts von dem, was das Leben in einem afrikanischen Dorf ausmacht. Seine Erwartungen, das Projekt mit einem Appell an die traditionelle Gemeinschaftskraft des »Harambee« zu retten, muss er in einem langen Lernprozess aufgeben. Niemand ist bereit, ohne Entlohnung zu arbeiten und auch die Ältesten, die nach wie vor eine herausgehobene Stellung im Dorf haben, können und wollen ihm nicht helfen. Sie sind, wie alle, längst dem Zeitgeist der Jagd nach dem eigenen Vorteil erlegen; die dörfliche Gesellschaft ist bunter geworden und in ihren verschiedenen Ausprägungen für den reichlich naiven Pater Pietro kaum zu überblicken.

Aussicht auf Entlohnung
Der muss sich zu allem Überfluss auch noch mit der zweifelhaften Reputation seiner Kirche auseinander setzen, die ihm sein Vorgängers beschert hat, indem er mit der Kasse, dem Dienstwagen und einer Bardame das Weite suchte. Allerdings hat er ihm auch einen riesigen Vorrat an Messwein hinterlassen – und daraus ergibt sich die eher unfreiwillig genutzte Chance für den Priester an den trostlosen bierfreien Weihnachtstagen. Die Aussicht auf Belohnung ist für die Dörfler Anreiz genug, die Arbeit im Bewässerungsprojekt wieder aufzunehmen. Am Ende kommen dann auch noch die Bierwagen und bringen das heiß ersehnte Tusker; die Frauen aus dem Dorf, die als Eigentümerinnen der Bars und Kneipen den Mangel an den Feiertagen heraufbeschworen hatten, lenken im Kampf gegen ihre Männer ein.

Erzählung mit leichter Feder
Mwangi erzählt diese Geschichten aus dem alltäglichen Leben mit leichter Feder. Dass die Lektüre dennoch keine reine Freude ist, liegt an der oft arg summarischen Darstellung, mit der Ereignisse stark gerafft wiedergegeben werden. Die Charaktere entwickeln sich nur begrenzt; vereinzelte spannende Dialoge, die die eine oder andere Person plastischer erscheinen lassen, würde man gern häufiger lesen. Dennoch: wer ein Gespür dafür hat, dass das Wunder der Weihnacht sich auch anders als gewohnt darstellen kann, dürfte an dem Buch seine Freude haben.

Jürgen Hambrink

 

 

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