Sumangali: Daten und Fakten

Das Sumangali-System
Das Sumangali-System verstößt gegen Artikel 4 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, nämlich das Verbot jeglicher Form der Sklaverei. Es ist eine besonders extreme Form der Ausbeutung, weil die Schutz- und Wehrlosigkeit der Mädchen von Arbeitgebern gezielt ausgenutzt wird. Über 60 Prozent der Sumangali-Arbeiterinnen gehören den sogenannten Unberührbaren und den unteren Kasten an. Das Kastensystem ist nicht legal und bestimmt dennoch den Alltag. Auch der Brautpreis – also die Zahlung eines Geldbetrages an die Familie des Bräutigams – ist seit 1961 verboten. Allerdings ist der Brautpreis auch heute in den meisten Familien Praxis.

Das Sumangali-System ist auch nach indischem Gesetz illegal. Die Spinnereibesitzer haben in Tamil Nadu großen Einfluss auf die Politik – der Sektor ist weitgehend unreguliert. So hat die Regierung von Tamil Nadu vor wenigen Jahren klaglos die Dauer einer Ausbildung für ungelernte Spinnereiarbeiter auf drei Jahre ausgedehnt, sodass Mädchen und Frauen unter dem Sumangali-System als »Lehrlinge« gelten. In vielen Betrieben besteht die Arbeiterschaft deshalb zu über 90 Prozent aus »Lehrlingen«.

Die Mädchen in den Spinnereien bekommen etwa 20 Euro im Monat und das Versprechen auf einen Bonus von etwa 500 Euro nach Ablauf von drei Jahren. Sie arbeiten zwölf Stunden am Tag, werden auf dem Fabrikgelände in überfüllten Hütten festgehalten und sind Beschimpfungen, Schlägen und sexueller Belästigung durch die Aufseher ausgesetzt. Immer wieder versuchen Mädchen, aus Fabriken zu fliehen. Hintergrund dieser Form der Ausbeutung ist das sogenannte Sumangali-System.

Es zielt auf die Rekrutierung junger Mädchen aus armen Familien, die den versprochenen Bonus für den Brautpreis nutzen wollen. Mittelsmänner machen den Familien falsche Versprechungen. Vor allem Garnspinnereien nutzen das Sumangali-System. Ein großer Teil der hier gesponnenen Garne wird in Südindien weiterverarbeitet, ein Teil wird in andere produzierende Länder wie Bangladesh, China oder Kambodscha exportiert. 

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