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Bernhard Hoëcker: Entwicklungshilfe muss Rechte von Kindern stärken

Der Schauspieler, Komiker und Moderator Bernhard Hoëcker engagiert sich seit kurzem als Botschafter für das Kinderhilfswerk terre des hommes. In einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) erzählt er, warum ihm vor allem der Kampf für eine gesunde Umwelt und die Förderung der Selbstbestimmung von Kindern am Herzen liegen.

Herr Hoëcker, Sie sind neuer Botschafter für terre des hommes und setzen sich laut der Homepage des Kinderhilfswerks vor allem für eine gesunde Umwelt für Kinder ein. Was fordern Sie genau?

Was wir mit unserem Planeten auch machen - diejenigen, die noch am längsten damit zu tun haben, sind die Kinder. Und jedes Kind hat das Recht auf eine gesunde Umwelt. Zunächst denkt man bei uns an schmutzige Luft und Müll im Wald. Doch es gibt Orte auf der Welt, da nimmt Umweltzerstörung Kindern ihre Lebensgrundlage. Rund 1,7 Millionen Kinder sterben jährlich vor ihrem fünften Geburtstag an verseuchtem Wasser oder Atemwegserkrankungen aufgrund verpesteter Luft. Wir brauchen ein anerkanntes Recht, dass alle Staaten und gesellschaftlichen Akteure verpflichtet, Kinder von heute und morgen vor Umweltgefahren zu schützen. Deswegen hat terre des hommes die globale Kampagne »My Planet My Rights« gestartet. Wir fordern ein Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention. Damit wäre das Recht auf eine gesunde Umwelt verbindlich verankert. Dafür sammeln wir Unterschriften auf unserer Kampagnenwebsite www.my-planet-my-rights.org

Corona bedroht auch in Entwicklungsländern viele Menschen. Dort können Familien nicht wie hierzulande mit staatlicher Unterstützung rechnen. Im Gegenteil: Kinder müssen arbeiten, um die Verdienstausfälle ihrer Eltern wettzumachen, die wegen des Lockdowns vielfach ihre Jobs als Tagelöhner verloren haben. Was müsste passieren, damit es nicht dazu kommt, dass Erfolge in der Bekämpfung von Kinderarbeit und Ausbeutung dauerhaft zunichte gemacht werden?

Wichtig wären in vielen Ländern Wiedereinschulungskampagnen nach der Corona-Pandemie, um einen dauerhaften Schulabbruch und entsprechende Bildungslücken von Kindern zu verhindern. Deutsche und europäische Regierungen sollten eine gute Regierungsführung in Entwicklungsländern stärken. Diese Staaten bräuchten etwa gerechtere Steuersysteme, um die Versorgung und die Schulausbildung von Kindern zu garantieren. Vielleicht schafft man es ja auch, die Wirtschaft stärker zu verpflichten, existenzsichernde Löhne zu zahlen oder grundsätzlich auf ausbeuterische Kinderarbeit zu verzichten. Aber da dürfte ein dickes Brett zu bohren sein. Es würde helfen, wenn in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit die Belange von Kindern wesentlich stärker mitgedacht würden. Bisher gibt es kaum spezifische Hilfsmaßnahmen für Kinder.

Sie treten auch dafür ein, dass Kinder ein Recht auf Freizeit und Spiel haben. Warum ist Ihnen das angesichts der drängenden existenziellen Bedrohungen wie Hunger, Ausbeutung und Gewalt wichtig?

Man sollte das Recht auf Spiel nicht gegen andere Probleme wie Hunger und Armut aufrechnen. Durch Spielen lernen Kinder Regeln, sie üben, Konflikte zu schlichten oder ganz zu vermeiden. Durch Sport lernen sie, dass ein Team erfolgreicher ist als der Einzelne. Beides fördert auch die schulischen Leistungen. Und nicht zuletzt helfen Sport und Freizeit, traumatische Erfahrungen zu verarbeiten und vielleicht zu überwinden. Deswegen setzt sich terre des hommes in vielen Projekten für Spiel und Sport als Instrument zur Stärkung von Kindern ein.

Warum sollten die Bundesbürger, wenn sie jetzt an Silvester kein Geld für das Feuerwerk ausgeben konnten, ausgerechnet an terre des hommes spenden?

Erstmal freue ich mich über jede Spende, die trotz des schweren Jahres ein gutes Zeichen solidarischer Kultur ist. Es zeigt sich, dass es in Deutschland eine weit verbreitete Kultur ist, auch in besonderen Zeiten Schwächere zu unterstützen. terre des hommes hilft, indem es nicht nur für Kinder, sondern auch mit ihnen arbeitet. Kinder werden in Projektmaßnahmen wo immer möglich einbezogen, werden an Entscheidungen im Rahmen des Möglichen beteiligt und in die Lage versetzt, ihre Rechte zu verwirklichen. Diese Haltung gefällt mir und ist meiner Meinung nach jede Unterstützung wert. Jeder Euro, der in ein Kind investiert wird, rentiert sich für diesen Menschen ein ganzes Leben lang.

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