Warum die Zivilgesellschaft so wichtig ist
Große gesellschaftliche Veränderungen – etwa für mehr soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und ein gutes Zusammenleben – können nicht allein von Regierungen umgesetzt werden. Sie brauchen Menschen, die sich engagieren, informieren, miteinander diskutieren und Verantwortung übernehmen. Diese Menschen und ihre Organisationen bilden die Zivilgesellschaft.
Zur Zivilgesellschaft gehören zum Beispiel Vereine, Initiativen, Bürgerbewegungen, Gewerkschaften, Kirchen, Umweltverbände, Nachbarschaftsgruppen oder Nichtregierungsorganisationen wie Terre des Hommes. Sie setzen sich für gemeinsame Interessen ein und tragen dazu bei, Demokratie im Alltag mitzugestalten.
Was ist die Zivilgesellschaft und was kann sie bewirken?
Eine starke Zivilgesellschaft orientiert sich an Menschenrechten, demokratischen Grundsätzen und gesichertem Wissen. Sie setzt sich dafür ein, dass Meinungs-, Informations- und Versammlungsfreiheit geschützt werden und von allen Menschen genutzt werden können. Gerade in Zeiten von Unsicherheit und schnellen Veränderungen schafft die Zivilgesellschaft Räume für Austausch und Diskussion. Sie hilft dabei, komplexe Themen besser zu verstehen, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und Konflikte friedlich auszutragen. Zivilgesellschaften müssen auch bei lokalen ethnischen und religiösen Konflikten vermitteln, unter denen besonders Kinder leiden.
Zivilgesellschaftliche Organisationen tragen außerdem dazu bei, Falschinformationen zu erkennen und faktenbasierte Erkenntnisse sichtbar zu machen. So stärken sie eine informierte öffentliche Debatte und fördern demokratische Entscheidungen.
Darüber hinaus wirkt die Zivilgesellschaft als wichtige Kontroll- und Impulskraft gegenüber Politik und Wirtschaft. Sie macht auf Missstände aufmerksam, fordert die Einhaltung von Grundrechten ein und setzt sich für faire soziale und wirtschaftliche Rahmenbedingungen ein.
Letztlich müssen weitreichende gesellschaftliche Veränderungen von politischen Entscheidungsträgern auf nationaler und internationaler Ebene beschlossen und verbindlich umgesetzt werden. Eine engagierte Zivilgesellschaft kann diesen Wandel jedoch anstoßen, begleiten und kritisch mitgestalten.
»Demokratie braucht Engagement und Freiräume«
Wodurch wird die Zivilgesellschaft bedroht?
Demokratische Gesellschaften leben davon, dass Menschen ihre Meinung frei äußern, sich informieren, organisieren und für ihre Interessen einsetzen können. Doch weltweit gewinnen Bewegungen an Einfluss, die einfache Antworten auf komplexe Probleme versprechen. Häufig schüren sie Ängste, verstärken Vorurteile oder grenzen bestimmte Bevölkerungsgruppen aus.
Demokratische Initiativen und zivilgesellschaftliche Organisationen stehen deshalb vor der wichtigen Aufgabe, für Menschenrechte, Vielfalt und ein respektvolles Miteinander einzutreten. Sie fördern den Dialog und setzen sich dafür ein, dass gesellschaftliche Herausforderungen sachlich und demokratisch diskutiert werden.
Gleichzeitig werden die Handlungsmöglichkeiten zivilgesellschaftlicher Gruppen in vielen Ländern eingeschränkt. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von „shrinking spaces“ – also von schrumpfenden Räumen für gesellschaftliches Engagement. Organisationen werden beispielsweise stärker kontrolliert, ihre Finanzierung erschwert oder ihre Arbeit rechtlich eingeschränkt.
Diese Entwicklung betrifft nicht nur autoritär regierte Staaten. Auch in einigen Demokratien geraten zivilgesellschaftliche Organisationen zunehmend unter Druck.
Um ihre Handlungsspielräume zu schützen, vernetzen sich viele Organisationen über Ländergrenzen hinweg. Gemeinsam setzen sie sich politisch und rechtlich dafür ein, dass Menschenrechte gewahrt bleiben und sich Menschen weiterhin frei für gesellschaftliche Anliegen engagieren können.
Was bedeutet „shrinking spaces“?
Shrinking Space bezeichnet Einschränkungen und Repression gegen die Zivilgesellschaft. Wenn Aktivist*innen, Vereine und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) immer weniger Freiraum haben, um ihre Meinung zu sagen, Demonstrationen durchzuführen, Vereine zu gründen, Ungerechtigkeit zu dokumentieren und anzuprangern sowie für die Menschenrechte zu kämpfen, spricht man von Shrinking Space. (Brot für die Welt)
Mehr zum Thema Shrinking Spaces (VENRO)
Atlas der Zivilgesellschaft: Gut aufbereitete Zahlen und Fakten zu Shrinking Spaces bei „Brot für die Welt“