Handlungsfelder von Terre des Hommes
Das Gute Leben für Alle ist eine große Aufgabe – und die Mittel von Terre Des Hommes sind begrenzt. Als Kinderrechtsorganisation fokussieren wir uns daher auf ausgesuchte Handlungsfelder:
- Aktuelle Not-, Kriegs- und Krisensituationen verletzen in vielen Regionen der Welt Kinder- und Menschenrechte. Sie zwingen Terre des Hommes und seine Partnerorganisationen in zunehmendem Maße, sich vor allem für die Grundversorgung von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien in Bezug auf Gesundheit, Ernährung, Wohnen und für den Schutz vor Gewalt einzusetzen.
- Ziel ist es, junge Menschen in einem umfassenden Sinn (sozial, psychisch, ökonomisch) stark zu machen sowie ihnen die Möglichkeiten und einen sicheren Raum zu geben, sich zu empowern, damit sie die ihnen zustehenden Rechte durchsetzen können. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist eine umfassende Grundbildung, die es zu fördern gilt.
Auf der Basis des kinderrechtsbasierten Ansatzes wird Terre des Hommes gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen und Partnerorganisationen Kinderrechtsverletzungen entgegenwirken. Als Teil der demokratischen Zivilgesellschaft werden wir antidemokratischen und menschenrechtsfeindlichen Strömungen und sogenannten shrinking spaces engegen treten. Gemeinsam mit Partnerorganisationen beteiligen wir uns aktiv und konstruktiv am Aufbau einer starken, inklusiven Zivilgesellschaft
- Klimawandel und Biodiversitätsverlust haben schon heute zu Veränderungen geführt, die realistischer Weise in absehbarer Zeit nicht rückgängig gemacht werden können. Lokale und zeitlich begrenzte Krisensituationen sind zunehmend geografisch und zeitlich entgrenzt. Es bedarf daher geeigneter Strategien, um die Auswirkungen dieser nicht mehr abwendbaren Veränderungen für die heute lebenden Menschen und zukünftige Generationen so gering wie möglich zu halten, etwa durch Maßnahmen angepasster Landnutzung. Hier sind die Gemeinden vor Ort ebenso gefordert wie staatliche Strukturen und die internationale Staatengemeinschaft.
- Terre des Hommes setzt sich deshalb für Klimagerechtigkeit, ökologische Integrität, Generationengerechtigkeit sowie ökonomische und soziale Gerechtigkeit ein. Diese Gesichtspunkte müssen stärkeren Einfluss in den Menschen- und Kinderrechtsprozessen, aber auch bei allen anderen politischen Entscheidungen finden.
- Bislang kann Terre des Hommes hier noch nicht auf völkerrechtlich verbindliche Konventionen zurückgreifen, sondern muss dazu beitragen, zunächst gesellschaftlich-politische Mehrheiten für einen grundlegenden Wandel der globalen Wirtschafts- und Lebensweise und entsprechende gesetzliche und völkerrechtliche Normierungen zu gewinnen.
- Terre des Hommes wird die Themen Nachhaltigkeit und Förderung der Widerstandskraft und Resilienz gegenüber unaufhaltsamer Umweltzerstörung in seiner Projekt-, Kampagnen- und Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland, der EU und in den Projektländern angehen und sich dafür einsetzen, es auf die internationale Agenda zu bringen.
- Gerade auch in Zeiten, in denen sich Projektpartner*innen zunehmend gezwungen sehen, zunächst die Grundversorgung im Bereich von Gesundheit, Ernährung, Bildung, Wohnen und Schutz vor Gewalt zu sichern, ist Terre des Hommes gefordert, sich für die Beseitigung der Ursachen von Not und Gewalt und für eine nachhaltige, zukunftsfähige Welt einzusetzen. Das Ziel eines guten Lebens für alle Menschen kann nur mit einer globalen Nachhaltigkeits-Transformation gelingen.
- Terre des Hommes wird daher Projekte und Projektkomponenten stärken, die Elemente einer alternativen, also in Zukunft tragfähigen Lebensweise entwickeln und erproben und den globalen Wandel voranbringen können.
Bei jeder Projektbewilligung wird Terre des Hommes deshalb prüfen, welchen Beitrag das Projekt in der spezifischen Situation vor Ort zu einem nachhaltigen globalen Wandel und zu alternativen, auch in Zukunft tragfähigen Lebens- und Wirtschaftsformen leisten kann. - Die notwendigen Transformationsprozesse brauchen starke Zivilgesellschaften. Die Menschen müssen sich dafür neue, auf das Gemeinwohl ausgerichtete Denkweisen aneignen und die Fähigkeit einüben, gesellschaftliche Veränderungsprozesse mitzugestalten und dabei auch Kinder und Jugendliche einzubeziehen. Terre des Hommes wird seine Partnerorganisationen bestärken und befähigen, in Ihrem Umfeld eine aktive und konstruktive Rolle zu übernehmen, um sich am Aufbau einer starken, inklusiven Zivilgesellschaft im Projekt selbst aber auch darüber hinaus zu beteiligen.
- Bildung ist eine wesentliche Voraussetzung für Veränderung. Neben einer umfassenden Grundbildung spielt die Transformative Bildung eine Schlüsselrolle. Dieser kritisch-emanzipatorische Bildungsansatz zielt über die Vermittlung von Nachhaltigkeits-Wissen hinaus auf individuelle Einstellungs- und Verhaltensänderungen. Die entwicklungspolitische Bildungsarbeit von Terre des Hommes in Deutschland und die von Terre des Hommes geförderten Projekte sollen einen Beitrag zur transformativen Bildung und damit zur Stärkung nachhaltigen Handelns leisten. Sie sollen insbesondere jungen Menschen Erfahrungen der eigenen Selbstwirksamkeit vermitteln, die sie dazu motivieren, als Multiplikator*innen zu wirken und sich als „change agents“ für den globalen Wandel einzusetzen.
- Die angestrebte Transformation ist darauf ausgelegt, gegen ungleiche Macht- und Entscheidungsstrukturen vorzugehen, darunter z. B. globale neokoloniale Muster, nationale patriarchale Strukturen oder individuelle gender-basierte Diskriminierungen. Entsprechend sind die Weltwirtschaft, die in ihrer derzeitigen Form Kinderrechtsverletzungen verursacht oder begünstigt, sowie die Reproduktion von Machtasymmetrien und Abhängigkeiten durch die internationale Zusammenarbeit Ansatzpunkte der Transformation.
- Die umfassende Transformation darf dabei kein abstraktes zukünftiges Ziel bleiben, welches durch das Umlegen irgendeines imaginären Hebels einfach zu bewerkstelligen wäre. Vielmehr geht es darum, bei allen immanenten Zielkonflikten die globale Transformation in kleinen und großen Schritten zügig in Deutschland, der EU und in den Projektländern konkret anzugehen, auf die internationale Agenda zu bringen und unumkehrbar zu machen.