Bolivien: Hilfe für arbeitende Kinder
Kinderarbeit ist in Bolivien weit verbreitet. In der Bergbaustadt Potosí hilft die Terre des Hommes-Partnerorganisation »PASOCAP« arbeitenden Kindern, sich für ihr Recht auf Bildung einzusetzen – und für ihr Recht auf menschenwürdige Arbeit.
Selena ist 15 Jahre alt, arbeitet in einer Bäckerei und geht in die 11. Klasse. »Meine Tage beginnen früh«, sagt sie, »und an den Wochenenden helfe ich beim Verkauf von Kleidung. Ich habe Glück, denn meine Eltern stehen mir immer zur Seite, wenn ich versuche, Schule, Arbeit und Freizeit unter einen Hut zu bekommen.«
Selena ist eine von zahlreichen arbeitenden Kindern und Jugendlichen in der bolivianischen Bergbaustadt Potosí. Einige von ihnen schuften sogar unter gefährlichen Bedingungen. Zum Beispiel im Bergbau, denn in Potosí werden Zinn, Kupfer und Silber abgebaut. Die Kinder müssen Geld verdienen, weil das Einkommen der Erwachsenen in der Familie nicht ausreicht, um Essen, Kleidung und ein Dach über dem Kopf zu bezahlen.
Kein Kind sollte arbeiten müssen. Doch in Potosí ist das oft ein ferner Traum. Viele Kinder und Jugendliche sind gegen ein pauschales Kinderarbeits-Verbot, weil sie fürchten, in die Illegalität abzurutschen, wo sie noch leichter ausgebeutet werden können.
»Ich engagiere mich im Jugendrat der arbeitenden Kinder in Potosí. Ich bin stolz darauf, zu arbeiten und trotzdem eine Träumerin zu sein. Ich möchte für eine menschenwürdige Arbeit kämpfen und eine bessere Zukunft für unsere Gemeinschaft aufbauen.«
Auch Selena findet es viel dringender, Kinder vor unmittelbaren Gefahren und Ausbeutung zu schützen. Unterstützt wird sie dabei von der Terre des Hommes-Partnerorganisation PASOCAP (Pastoral Social Cáritas Potosí). In deren Zentrum trifft sie sich mit anderen arbeitenden Kindern und Jugendlichen. Es gibt Spielangebote und eine Theatergruppe, Hausaufgabenhilfe, Mahlzeiten und Beratung für arbeitende Kinder, bei denen über ihre Zukunft, ihre Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten gesprochen wird. Und es wird viel darüber diskutiert, welche Rechte arbeitende Kinder haben sollten und wie sie sie einfordern können. Wenn es um ihre Situation und ihre Belange geht, wollen sie gehört werden und mitreden können. Es gibt aber auch die Möglichkeit, in der hauseigenen Bäckerei
eine Ausbildung zu machen und dabei weiter Geld zu verdienen.
Selena kommt gern in das PASOCAP-Zentrum. Denn: »Hier habe ich Freunde gefunden, mit denen ich meine Erfahrungen als junger Mensch in der Arbeitswelt und meine Träume für die Zukunft teilen kann. Und ich habe eine große Leidenschaft für Tanz, Musik und Theater.«