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Desinformation über Ent­wick­lungs­projekte

Entwicklungszusammenarbeit: Neue Studie untersucht Desinformation

»Fußballstadien in Brasilien, Radwege in Peru – bezahlt mit deutschen Entwicklungsgeldern«. Seit Jahren kursieren solche Behauptungen im Netz. Eine neue Studie des gemeinnützigen Center for Monitoring, Analysis and Strategy (CeMAS) hat den Ursprung von Desinformationen und abwertenden Narrative zur Entwicklungszusammenarbeit nun systematisch untersucht.

Zwischen Oktober 2024 und November 2025 wurden rund 36.000 Beiträge aus fast 1.500 deutschsprachigen Telegram-Gruppen und -Kanälen ausgewertet. Besonders die deutsche Entwicklungszusammenarbeit wird dabei oft mit unbelegten oder aus dem Kontext gerissenen Vorwürfen als verschwenderisch und korrupt dargestellt. Der Bundesregierung wird unterstellt, die Interessen der eigenen Bürger*innen zu vernachlässigen und »ausländische« Anliegen zu bevorzugen – das Bild einer abgehobenen Elite, die der Bevölkerung schade.

Wer steckt dahinter

In verschwörungsideologischen, rechtsextremen und pro-russischen Telegram-Communities wird besonders viel zum Thema gepostet. Es gibt viele kleine, aber überproportional aktive Accounts, die diese Botschaften vielfach weiterleiten und für eine große Reichweite sorgen. Die Accounts sind zum Teil von Menschen gesteuert, aber auch Nachrichten-Bots spielen eine große Rolle. Durch sie erreichen die Inhalte einen größeren, gemischten Empfänger*innenkreis und letzten Endes die gesellschaftliche Mitte.

Eine Netzwerkanalyse liefert belastbare Hinweise darauf, dass ein Teil dieser Falschinformationen strategisch gesteuert wird. Russische Desinformationsakteur*innen instrumentalisieren das Thema Entwicklungszusammenarbeit, um Bundesregierung und demokratische Institutionen zu diskreditieren.

Wie Desinformation funktioniert

Die CeMAS-Analyse zeigt wiederkehrende Mechaniken:

  • Komplexe Zusammenhänge werden radikal vereinfacht.
  • Einzelbeispiele werden verzerrt oder aus dem Kontext gerissen.
  • Emotionen wie Wut und Empörung werden gezielt angesprochen, um Reichweite zu maximieren.

So entstehen eingängige Schlagzeilen, die zwar Aufmerksamkeit erzeugen, aber mit der Realität wenig zu tun haben. Ein Beispiel: Häufig werden sogenannte »positive Maskulinitätsworkshops« skandalisiert – fälschlich als »Umerziehung von Männern im globalen Süden«. Tatsächlich handelt es sich um gewaltpräventive Angebote, die Männer und Jungen für Gleichberechtigung und gewaltfreie Konfliktlösung sensibilisieren. Ziel ist es, Gewalt – insbesondere gegen Frauen und Kinder – zu reduzieren und damit Sicherheit, Teilhabe und Entwicklung in Regionen zu fördern, die stark von Konflikten betroffen sind.

Vom Clickbait zur Kampagne

Aus zunächst vereinzelten, empörungsgetriebenen Posts werden wiederkehrende Erzählmuster, die in vernetzten Kanälen verstärkt und politisch aufgeladen werden. Das Ergebnis: ein verzerrtes Bild der Entwicklungszusammenarbeit, das Misstrauen schürt und die öffentliche Debatte weg von Fakten und hin zu Ressentiments verschiebt. Tatsächlich wird die deutsche Entwicklungszusammenarbeit – staatlich wie zivilgesellschaftlich –laufend evaluiert. Mit dem Deutschen Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEVAL) existiert dafür sogar ein eigenes, unabhängiges Institut. Klar ist: Entwicklungszusammenarbeit muss weiter an Transparenz gewinnen, ihre Wirkung besser erklären und Kritik ernst nehmen. Das pauschale Verschwendungsnarrativ bleibt dennoch falsch.

Warum das gefährlich ist

Gezielte Desinformation soll Vertrauen in staatliche Institutionen und damit in die Demokratie schwächen. Wenn falsche oder irreführende Erzählungen den Diskurs dominieren, verlieren faktenbasierte Lösungen an Boden. Das schadet am Ende genau den Menschen, deren Lebensbedingungen verbessert werden sollen.

Entwicklungspolitik ist nicht perfekt. Kritik hat ihren Platz – aber sie sollte sich an überprüfbaren Informationen orientieren, nicht an Mythen, Manipulation oder Desinformation. Nur so bleibt die Debatte sachlich, kritisch und lösungsorientiert.

Desinformation erkennen: Drei Tipps

  • Quellen prüfen und abgleichen (Cross-Checking)

Überprüfen Sie den Absender: Handelt es sich um eine bekannte, seriöse Nachrichtenquelle, eine offizielle Institution oder eine unbekannte Website? Suchen Sie nach der Meldung in anderen, etablierten Medien. Wenn eine spektakuläre Nachricht nur auf einer einzigen, unbekannten Seite zu finden ist, ist Skepsis geboten.

  • Auf emotionale Sprache und reißerische Aufmachung achten

Desinformation zielt oft darauf ab, starke Emotionen wie Wut, Angst oder Panik zu erzeugen. Reißerische Überschriften, exzessive Nutzung von Ausrufezeichen, Grammatikfehler oder fehlende Quellenangaben sind deutliche Warnsignale. Wenn ein Beitrag sehr emotionalisiert, aber wenig sachliche Informationen bietet, ist Vorsicht geboten.

  • Faktenchecks nutzen

Suchen Sie nach dem Thema in Kombination mit dem Wort »Faktencheck«. Nutzen Sie dazu spezialisierte Seiten wie CORRECTIV, Mimikama oder den ARD-Faktenfinder.