Muster, Akteur*innen, Fakten
Die Diskussion um die Auflösung der US-Entwicklungsbehörde USAID im Jahr 2025 hat weltweit neue Debatten über Sinn und Zweck der Entwicklungszusammenarbeit ausgelöst. In deutschsprachigen verschwörungsideologischen, rechtsextremen und pro-russischen Kreisen tauchten daraufhin viele Falschinformationen, Mythen und abwertende Erzählungen auf.
Das gemeinnützige Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) hat eine Studie dazu veröffentlich. Zwischen Oktober 2024 und November 2025 untersuchten Forschende rund 36.000 Beiträge aus fast 1.500 deutschsprachigen Telegram-Gruppen und -Kanälen. In vielen dieser Beiträge wird USAID als angebliches Zentrum eines »Deep State«, als korrupte Organisation oder sogar als Geldgeber für Terrorismus und »Massenmigration« dargestellt.
Welche Narrative kursieren
Besonders die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ist Ziel solcher Falschbehauptungen. Sie wird oft als verschwenderisch und korrupt bezeichnet – meist ohne Belege oder mit verdrehten Fakten. Der Bundesregierung wird unterstellt, sie würde die Interessen der eigenen Bürger*innen vernachlässigen und stattdessen »ausländische« Anliegen bevorzugen. Dieses Narrativ erinnert an das alte Bild einer abgehobenen Elite, die angeblich gegen das eigene Volk handelt.
Solche Inhalte verbreiten sich vor allem in verschwörungsideologischen Telegram-Gruppen, finden aber auch in rechtsextremen und pro-russischen Netzwerken Anklang. Eine Netzwerkanalyse zeigt außerdem: Ein Teil dieser Falschinformationen scheint gezielt gesteuert zu sein. Russische Desinformationsakteur*innen nutzen das Thema, um die Bundesregierung und demokratische Institutionen zu schwächen.
Vom Clickbait zur Kampagne
Reißerische Schlagzeilen wie »Fußballstadien in Brasilien, Skigebiete für die Ukraine oder goldene SUVs für nigerianische Politiker*innen – alles bezahlt mit deutschen Entwicklungsgeldern?« verbreiten sich sehr schnell. Sie lösen Empörung aus – genau das ist beabsichtigt. Doch diese Geschichten sind frei erfunden.
Die CeMAS-Analyse zeigt typische Muster:
- Komplexe Zusammenhänge werden stark vereinfacht.
- Einzelne Beispiele werden verzerrt oder aus dem Zusammenhang gerissen.
- Emotionen wie Wut oder Empörung werden gezielt genutzt, um Reichweite zu erzielen.
Diese Mechanismen sind gefährlich. Sie sollen das Vertrauen in staatliche Institutionen und in die Demokratie insgesamt untergraben. Wenn falsche oder irreführende Erzählungen erfolgreich sind, verschiebt sich der öffentliche Diskurs – weg von Fakten, hin zu Misstrauen und Empörung.
Entwicklungspolitik ist nicht perfekt. Auch Kritik daran hat ihren Platz. Aber sie sollte auf nachprüfbaren Informationen beruhen – nicht auf Mythen, Manipulation oder Desinformation. Nur so bleibt die Diskussion sachlich, kritisch und lösungsorientiert.
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