Deutschland: Mit Fußball für ein faires Miteinander
In Sachsen nutzt ein Terre des Hommes-Partnerprojekt die verbindende Kraft des Fußballs – mit Spielregeln, bei denen Fairness genauso viel zählt wie das Toreschießen.
Miteinander zu spielen ist besser, als gegeneinander anzukämpfen: Mit dieser einfachen Idee setzen sich Terre des Hommes-Partnerorganisationen seit Jahren für Zusammenhalt, Frieden und Demokratie ein – auf den Straßen São Paulos in Brasilien, in Chile, Kenia, Kambodscha und Kolumbien. In Deutschland hat sich das Prinzip in Hannover, Braunschweig und Ingolstadt bewährt.
2025 startete nun eine neue Projektphase rund um Zwickau, Chemnitz, Dresden und Leipzig. Unter besonderen Bedingungen: In Sachsen zeigt sich derzeit die Spaltung der Gesellschaft deutlicher als in vielen anderen Bundesländern. Der Landesverband der Partei AfD ist als »gesichert rechtsextrem« eingestuft, holte bei der letzten Landtagswahl aber dennoch mehr als 30 Prozent der Stimmen. Junge Geflüchtete, die auf Schutz und Sicherheit hoffen, erfahren oft Ablehnung und Feindseligkeit. Doch auch Jugendliche, die schon ihr ganzes Leben hier zuhause sind, kennen ein Gefühl der Perspektivlosigkeit und des ständigen Gegeneinanders.
Hier setzt die Terre des Hommes-Partnerorganisation »Kickfair« an: An sechs Schulen bekommen mehr als 600 Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, Barrieren abzubauen und Vorurteile zu überwinden. Jugendliche mit unterschiedlichen Biografien und Lebenswelten kommen gezielt in Kontakt. Sie tanken Selbstvertrauen und verstehen, wie viel sie gemeinsam bewirken können.
»Ich kann mich super beim Organisieren einbringen. Fußball ist eigentlich gar nicht so meins. Aber ich bin ganz gut darin, Sachen für Kleinere zu planen, und hier habe ich gemerkt, dass mir das echt Spaß macht.«
Drei Halbzeiten für ein faires Miteinander
Türöffner ist der Fußball: Es gibt Straßenfußball-Treffs, Turniere und ein Liga-System für die Schulpausen. Gespielt wird stets in drei Halbzeiten, gemischten Teams und ohne Unparteiische. In der ersten Halbzeit verhandeln die Teams ihre Fairnessregeln. In der zweiten spielen sie nach diesen Regeln. In der dritten Halbzeit besprechen sie, wie gut die Regeln eingehalten wurden – und vergeben dafür Punkte, die ebenso viel zählen wie geschossene Tore.
Dieser Prozess wird von Teamer*innen, selbst Jugendliche mit vielfältigen Biografien, begleitet. Sie spielen eine wichtige Rolle: Die Teamer*innen sorgen dafür, dass alle Spaß am Spiel haben. Sie moderieren Konflikte und werden mit der Zeit zu Mentor*innen für die Jüngeren.
Viele, die sich im Projekt engagieren, wollen dies danach auch weiter tun: Als »Youth Leader« nehmen sie die nächste Stufe und tragen Respekt und Teamgedanken über das Spielfeld hinaus weiter – in die Schule, den Freundeskreis, die Gemeinde.
10.06.2025