Deutschland: Sainabs Flucht aus Somalia
Als Sainab gefunden wurde, war sie völlig erschöpft. Eingesunken in einem Sumpfgebiet an der Grenze zwischen Belarus und Polen, saß die damals 16-Jährige auf einer kleinen Insel im Wald – durchnässt und verletzt. »Ich hatte fast aufgegeben«, erinnert sie sich. Erst als Helfer*innen der Terre des Hommes-Partnerorganisation Egala Sainab im Wald fanden, kam neue Hoffnung auf. Sie versorgten das Mädchen mit Kleidung, Nahrung, Medizin – und gaben ihr vor allem das Gefühl, nicht mehr allein zu sein.
Sainab ist in Somalia geboren und aufgewachsen. »Aber ich musste Somalia verlassen, weil ich dort nicht sicher war: Die Bedrohungen durch Zwangsheirat, Gewalt oder Genitalverstümmelung waren ständig da, und terroristische Gruppen wie Al-Shabaab machen das Leben dort immer noch unmöglich.« Ihre Flucht führte sie zunächst nach Russland und dann nach Belarus – und schließlich an die polnisch-belarussische Grenze. Dort begann ein gefährliches Warten: »Im Wald versteckt, ohne Essen oder Wasser. Viele waren verletzt. Kinder, Familien. Jeden Tag wurden Menschen zurückgedrängt, geschlagen, ausgeraubt. Niemand kümmerte sich darum, ob es Kinder waren oder nicht.«
»Ich würde den europäischen Politiker*innen sagen: Seid menschlich! Seht uns als Menschen. Es muss mehr Menschlichkeit und Respekt für die Menschenrechte geben, besonders für Kinder.«
Sainab überquerte schließlich die gefährliche Grenze nach Polen, wurde dabei aber von der Gruppe getrennt, mit der sie gereist war. Sie schlug sich allein weiter durch: »Es gibt nur einen Weg, und der führt immer weiter – man kann nicht zurück.«
Heute lebt Sainab in Deutschland. Sie hat es geschafft. Doch sie denkt noch oft an die anderen Kinder, die an der Grenze ausharren – ohne Hilfe, ohne Schutz. »Das Gefühl, allein zu sein, ist das Schwerste, und ich weiß, dass viele Kinder dort das Gleiche fühlen.«
Ihr größter Wunsch ist es, ihre Familie wiederzusehen. Und eines Tages als Ärztin oder Menschenrechtsaktivistin selbst anderen zu helfen.
Wie Terre des Hommes Kindern auf der Flucht hilft
Mit unseren Projekten leisten wir weltweit Nothilfe, schaffen Schutzräume und ermöglichen Bildung sowie psychosoziale Unterstützung für geflüchtete Kinder und ihre Familien. Vor Ort arbeiten wir dabei mit lokalen Partnerorganisationen zusammen, die Kinder beim Ankommen begleiten und unterstützen. Gemeinsam mit ihnen und den jungen Menschen machen wir Druck auf die Politik, damit die Rechte und das Wohl geflüchteter Kinder geachtet werden. Die Erfahrungen, die Kinder und Jugendliche in unseren Projekten weltweit machen, zeigen: Es braucht sichere Wege und Zuflucht für Kinder!
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