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Lernen als Chance

Indien: Bildung als Weg aus der Armut

In indischen Spinnereien arbeiten Zehntausende junge Frauen und Mädchen, oft unter schwierigen Bedingungen: Sie leben in unwürdigen Unterkünften, es gibt erzwungene Überstunden, niedrige Löhne, Krankheiten und sexuelle Belästigung.

Mit 14 Jahren sorgte sich Kanishka um die Armut in ihrem Zuhause, die Streitereien ihrer Eltern und die Alkoholsucht ihres Vaters, der oft wütend um sich schlug. Und sie stellte sich eine Frage: Wie soll die Mitgift bezahlt werden, die die Familie für ihre Hochzeit aufbringen muss?

»Als ich krank war, gaben sie mir eine Tablette und verlangten, dass ich nach einer halben Stunde wieder arbeite.«
Kanishka

Um Geld zu verdienen, wurde Kanishka aus der Schule genommen und in eine Textilfabrik geschickt. Bis zu zwölf Stunden am Tag stand sie an den Maschinen. Es war heiß, laut und gefährlich. Abends kehrte sie in eine winzige Unterkunft zurück, fern von ihrer Familie, zusammengepfercht mit zwanzig anderen Mädchen. »Meine Hände und Beine taten mir weh, ich wollte nur schlafen«, erinnert sie sich.

Dass Kanishka heute wieder in die Schule geht, ist das Ergebnis beharrlicher Arbeit der Terre des Hommes-Partnerorganisation CSED (Centre for Social Education and Development) und der Unterstützung durch Terre des Hommes und das BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). Sozialarbeiter*innen sprachen mit Kanishkas Eltern und erklärten ihnen, dass Bildung der einzige Weg ist, der Armut zu entkommen. Und dass eine Tochter, die lernen darf, die Chance auf eine bessere Zukunft hat. Es brauchte Zeit. Doch schließlich nahm die Mutter den Rat an – und sie überzeugte den Vater. Sozialarbeiterinnen von CSED verhandelten mit der örtlichen Schule und besorgten Kanishka eine Schuluniform, eine Schultasche, Bücher und Schreibwaren. Sie kam in die 10. Klasse.

Kanishka möchte nun erst heiraten, wenn sie eine Ausbildung gemacht hat und eigenes Geld verdient. Ihre Geschichte zeigt, dass mit Aufklärung in den Dörfern, Ausbildungsangeboten, Gesprächen mit den Eltern und Unterstützung der Familien viel erreicht werden kann.