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»Wir versuchen, ihnen zu helfen, nach vorn zu schauen.«

Irak: Traumatherapie und psychosoziale Hilfe für geflüchtete Kinder


Unsere Partnerorganisation »Green Desert« hilft geflüchteten Kindern im Nordirak, neue Zuversicht zu schöpfen. Viele sind Vertriebene des syrischen Bürgerkriegs. Die Wenigsten wollen zurück.

Der Irak-Krieg. Die Schreckensherrschaft des »Islamischen Staats«. Der Bürgerkrieg im benachbarten Syrien. Nun der Krieg im Iran: Die Menschen im Norden des Irak leben in einer Welt, die von Jahrzenten der Gewalt, Vertreibung und Instabilität gezeichnet ist. 

Eine Million Menschen leben heute als Binnenvertriebene im eigenen Land. Weitere 330.000 sind aus den Nachbarländern geflüchtet: Beinahe alle sind Syrer*innen, die durch den Bürgerkrieg und das Regime Baschar al-Assads vertrieben wurden.

Vor allem im Gebiet um die Millionenstädte Mosul, Erbil und Kirkuk suchen sie Zuflucht. Doch hier drohen Armut und Perspektivlosigkeit: Gesundheitssysteme und Behörden sind überlastet, Arbeitsplätze sind rar. Viele Geflüchtete müssen sich als Tagelöhner mit Gelegenheitsjobs durschlagen.

Kein Weg zurück?


Zwei Jahre ist es nun her, dass Assad im Nachbarland Syrien gestürzt wurde. Dort herrscht inzwischen ein fragiler Friede. Und längst wird auch in Deutschland über »Rückführungen« nach Syrien diskutiert. Angesichts ihrer Situation: Möchten die Menschen aus dem Irak nicht zurückkehren?

»Die kurze Antwort lautet: Nein«, sagt Bryar Bagg. »Der Sturz Assads war ein historisches Ereignis. Aber er hat keine Sicherheit geschaffen. Die Geflüchteten, mit denen wir hier arbeiten, sehen ein Syrien, das weiterhin zerrissen ist. Und das macht ihnen immer noch Angst.« 

»Statt ihre Rückkehr zu planen, versuchen die Familien, hier im Irak Ihre Zukunft zu gestalten. Und wir versuchen, gerade den Kindern dabei zur Seite zu stehen.«
Bryar Bagg, Gründer und Projektleiter von Green Desert

Green Desert


Bryar ist Gründer und Leiter der Terre des Hommes-Partnerorganisation »Green Desert« im Nordirak. Er sieht jeden Tag, welche Spuren Krieg und Vertreibung hinterlassen. Denn Green Desert ist auf Traumahilfe und psychosoziale Unterstützung für Kinder spezialisiert, die ihr Zuhause verloren haben. 

Und Bryar kennt die Erfahrung von Flucht und Vertreibung selbst nur zu gut: »Als ich zehn Jahre alt war, wurde ich mit meiner Familie vertrieben. Ich habe das alles erlebt und weiß, wie hart es ist. Für eine Familie und für jeden Einzelnen. Auch andere Teammitglieder, sowohl syrische Geflüchtete als auch irakische Vertriebene, können die Situation der Kinder aus eigener Erfahrung nachfühlen.«


Hand in Hand damit geht die sogenannte psychosoziale Unterstützung: Die Mitarbeiter*innen von Green Desert versuchen, die Lebensbedingungen der Familien so weit zu verbessern, dass die Kinder nicht verzweifeln. Es gibt Rechtsberatung, Unterstützung bei der Suche nach sicherer Arbeit für die Eltern und Hilfe bei Behördenanträgen – um den Kindern etwa den Besuch einer Schule zu ermöglichen.

»Die Menschen verinnerlichen: Sie werden nicht zurückkehren.«


Dass viele Familien Angst vor neuen Konflikten in der Heimat haben und gar nicht zurückgehen möchten, liegt auch an der Bevölkerungsstruktur in der Region: Die meisten der Geflüchteten sind Kurden. Im Nordirak, in der teilautonomen Region Kurdistan, leben sie in einem vergleichsweise stabilen Verhältnis zur Zentralregierung. In Syrien hingegen haben Regierung und kurdische Gemeinschaften gerade erst ein Friedensabkommen geschlossen – nach monatelangen Kämpfen und auf Kosten ihrer Autonomie.

»Viele Menschen hier hat das schwer getroffen. Wir haben es inzwischen auch mit einem neuen, akuten Gefühl der Hoffnungslosigkeit in Bezug auf ihre Heimat zu tun. Die Menschen verinnerlichen: Sie werden nicht zurückkehren«, sagt Bryar. 

»Aber in gewisser Weise wird unsere psychologische Hilfe dadurch noch wichtiger: Wir versuchen, ihnen dabei zu helfen, nach vorn zu schauen.«

»Das Wichtigste ist, Kraft zu geben. Wir helfen Kindern und Familien dabei, mit der Situation fertigzuwerden, Probleme zu meistern und trotz allem ein hoffnungsvolles Leben in Würde zu führen.«
Hero Ibrahim, Psychologin bei Green Desert

Fotos: Karam Tapany / Terre des Hommes

05.10.2026