Kolumbien: Schutz für Geflüchtete aus Venezuela
Bereits vor dem Angriff der USA steckte Venezuela in einer tiefen Krise. Die Wirtschaft funktioniert kaum noch, es herrscht große Armut, Gewalt ist alltäglich. Fast drei Millionen Menschen suchen Schutz im Nachbarland Kolumbien. Ein Terre des Hommes-Projekt hilft geflüchteten Frauen und ihren Kindern beim Ankommen.
Pebel sah für ihre drei Kinder und sich in Venezuela keine Zukunft mehr: »Wir hatten nicht genug zu essen«, sagt sie. »Es gab kaum Arbeit und die wenige wurde sehr schlecht bezahlt. Wir hatten kein Geld. Und ich konnte meine Kinder oft nicht zur Schule schicken.« Misswirtschaft, Korruption und Autoritarismus haben dazu geführt, dass in Venezuela Armut, Hunger und Gewalt stark zunehmen. Knapp acht Millionen Menschen haben das Land bereits verlassen. Fast drei Millionen davon hoffen – wie Pebel – auf Hilfe in Kolumbien.
Aber der Neuanfang ist schwer: Viele Migrant*innen haben keinen geregelten Aufenthaltsstatus, besonders Frauen finden nur selten eine bezahlte Arbeit. Sie leben zum Beispiel vom Verkauf von Obst oder Süßigkeiten auf der Straße. Ihre Lebensverhältnisse sind oft prekär, das Risiko, ausgebeutet zu werden, ist hoch. Angst, Einsamkeit und das Gefühl von Perspektivlosigkeit sind für viele tägliche Begleiter.
Mit Ausbildung zur selbstbestimmten Zukunft
Um diese Frauen und ihre Kinder kümmert sich in der Großstadt Medellín die Bildungsgesellschaft »Corporación Educativa Combos«. Unterstützt wird sie dabei von Terre des Hommes und dem BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). 300 Mädchen bekommen hier Ausbildungen in MINT-Fächern (Wissenschaft und Technologie), 300 in Kommunikationsjobs (etwa Redaktion und Radioproduktion), 150 Frauen in Wirtschaft und Handwerk. Insgesamt 600 Frauen und 360 Mädchen erhalten außerdem Zugang zu rechtlichen Beratungen oder Therapiesitzungen. Die Combos-Mitarbeiterinnen helfen zum Beispiel beim Zugang zu Gesundheitsversorgung oder bei der Arbeitsvermittlung. Sie hören zu und lösen akute Probleme. Und sie sorgen dafür, dass Mädchen und Frauen sich bilden und weiterbilden, um später ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften und unabhängig zu sein.
Auch Pebel will sich bei Combos ausbilden lassen, zur sogenannten Volkstherapeutin: Sie möchte selbst anderen aus Venezuela geflohenen Frauen dabei helfen, sich in Kolumbien zurechtzufinden. Denn was es heißt, die Heimat hinter sich zu lassen und in einer fremden Umgebung neu anzufangen, weiß sie aus eigener Erfahrung.