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Zwischen Angst und Hoffnung

Libyen: Schutz und Rechte für geflüchtete Kindern

In Libyen setzt sich die Terre des Hommes-Partnerorganisation Belaady unter schwierigen Bedingungen für den Schutz und die Rechte von geflüchteten Kindern ein. Trotz der Gefahr für Mitarbeitende gelingt es, Kinder zu versorgen, Familien bei rechtlichen Fragen zu helfen und erste Schritte in Bildung zu ermöglichen.

Kleine Pakete mit Medikamenten und ein paar wenige Windeln. Mehr kann Omar bei seinen Besuchen in den Geflüchtetencamps in Libyen nicht mitnehmen – aus Sorge, dass die örtlichen Behörden die Hilfspakete konfiszieren. Omar ist Projektkoordinator von Belaady und besucht regelmäßig die Camps, sofern die lokalen Behörden dies zulassen.

In einem der Camps leben hauptsächlich sudanesische Familien, die vor dem Krieg geflüchtet sind, der das Land seit 2023 zerrüttet. Millionen sind auf der Flucht; viele Kinder tragen die Spuren von Gewalt und Verlust. Sie suchen mit ihren Familien Schutz im benachbarten Libyen. Doch Zuflucht und sicheres Ankommen finden die wenigsten dort. Wer in einem Camp unterkommt, findet meist desaströse Zustände vor – es fehlt an allem.

Besonders schutzbedürftig sind Minderjährige. Drei somalische Mädchen - Ayaan, Hodan und Samira (15 bis 17 Jahre alt) - wurden aus mutmaßlichen Menschenhandelsstrukturen befreit. Statt in sicherer Betreuung landeten sie in staatlicher Haft. Vor ihnen stand die Wahl: Rückkehr in ein unsicheres Herkunftsland oder eine Inhaftierung. Ihre Geschichte steht stellvertretend für viele, deren Schicksale im Verborgenen bleiben.

Wenn Arbeit Gefahr bedeutet

Die Arbeit von Belaady findet unter permanentem Druck statt, denn der Einsatz für Geflüchtete kann Repressalien nach sich ziehen. Trotzdem sprechen Mitarbeitende mit Familien, vermitteln Hoffnung und leisten stille, aber lebenswichtige Hilfe. »Die Familien in den Camps fragen nicht nach viel. Was sie vor allem wollen, ist, dass ihre Kinder in Würde und Sicherheit aufwachsen können und dass sie von der internationalen Gemeinschaft nicht vergessen werden«, berichtet Omar. 

Deshalb hilft Belaady nicht nur mit Sachspenden. Die Teams beraten bei Papieren - Reisepässen, Geburtsurkunden -, die für Schulanmeldungen und rechtlichen Schutz oft entscheidend sind. Bildung ist ein wichtiger Schlüssel: Eine kleine Gruppe von Kindern, die Belaady begleitet, hat ihr erstes Schuljahr bestanden. Es sind kleine, aber wichtige Erfolge, die in einem Umfeld gelingen, das Kindern kaum Raum für sicheres Aufwachsen bietet. Und die Organisation geht noch einen Schritt weiter: Schulungen für Mitarbeitende, Gespräche mit Lehrkräften und behutsame politische Sensibilisierung sollen den Status Quo verbessern. Inmitten von Gefahr und Behinderung zeigen diese kleinen Erfolge, dass Engagement zählt. Es sind Augenblicke der Hoffnung in einer Welt, die viele Kinder vergessen will. 

Hintergrundinfos - Flucht durch Libyen

Libyen ist für viele Menschen auf der Flucht ein zentrales Transitland. Doch insbesondere Kinder erleben dort Ausgrenzung, Unsicherheit und massive Einschränkungen ihrer Rechte. Politische Instabilität und fehlende rechtliche Strukturen verschörfen die Situation erheblich. Geflüchtete sind dort systematischen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt, viele werden willkürlich inhaftiert. Unser Bulletin bietet kompakte Hintergrundinformationen zur Lage in den beiden Ländern und formuliert konkrete Empfehlungen für die deutsche und internationale Politik.

Zum Bulletin (PDF)