Südsudan: Sinoyos Flucht als Kindersoldat
Südsudan, 2017: Sinoyo¹ ist neun Jahre alt, als er von bewaffneten Rebellen entführt wird. Zwei Jahre muss er als Kindersoldat kämpfen, dann gelingt ihm die Flucht. Heute ist Sinoyo 16 und will seine Heimat vor Gewalt schützen. Terre des Hommes unterstützt ihn dabei.
»Ich ging in die vierte Klasse und war gerade aus der Schule gekommen, als ein paar Männer mich zu Hause aufgriffen«, erinnert sich Sinoyo. »Mit Gewalt schlepp ten sie mich in ihr Camp. Ich war bei den Rebellen gelandet. Wer nicht gehorchte, wurde geschlagen, gefoltert oder getötet. Mir wurde mehrmals befoh len, in die Dörfer zu gehen und die Menschen dort zu bedrohen.«
Im Südsudan herrschen bewaffnete Kämpfe um Macht, Geld und Ressourcen, seit sich das Land 2011 vom Sudan abgespalten hat. Fast 400.000 Menschen wurden getötet, über vier Millionen mussten flüchten. Tausende Kinder wie Sinoyo wurden gezwungen, in den Reihen bewaffneter Gruppen zu kämpfen. 2018 wurde ein Friedensabkommen unterzeichnet, doch die Umset zung geht nur schleppend voran. Es kommt weiterhin zu massiven Gewaltausbrüchen.
»Das Leben hatte für mich seinen Sinn verloren.«
Sinoyo nutzt die Chance zur Flucht, als er mit anderen Jugendlichen ein Dorf angreifen soll. Heute lebt er in der Familie seines älteren Bruders. Die Terre des Hommes-Partnerorganisation »Jesuit Refugee Service« (JRS) hilft Sinoyo, die grausamen Erlebnisse zu verarbeiten und trotz seiner Taten als Kindersoldat in seiner Familie und der Dorfgemeinschaft wieder aufgenommen zu werden.²
»Wir bekamen seelischen Beistand, aber auch Decken, Matratzen, Moskitonetze, Seife, Bettlaken und Solar leuchten«, sagt Sinoyo. »Dadurch hat mich auch mein Bruder eher akzeptiert, der sehr arm ist und eine große Familie ernähren muss.«
»Ohne dieses Projekt könnte ich nicht der sein, der ich heute bin. Es hat mich in meine Familie und in meine Gemeinschaft integriert.«
Seit 2024 geht Sinoyo dank eines Stipendiums auf eine weiterführende Schule. Er engagiert sich dort im Peace-Club, in dem Kinder und Jugendliche lernen, Konflikte mit Gesprächen friedlich zu lösen. Auch die Sport- und Spielangebote tragen mit ihren Regeln des Fair-Play zu einem respektvollen Umgang bei. Sinoyo hat heute klare Ziele: Er möchte seinen Garten zu einer großen Farm ausbauen, um seine Familie zu unterstützen. Er möchte arbeiten und Geld verdienen, um seinen Lebensunterhalt und seine Ausbildung zu finanzieren. Und er möchte studieren: »Ich will Arzt werden oder eine große Persönlichkeit, die meine Gemeinschaft vor den Folgen des Krieges schützt.«
¹ Name geändert
² Das Projekt des Partners JRS wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt.
Zerstörte Häuser, verletzte Menschen – manche Folgen von Kriegen und Katastrophen sind offensichtlich. Weniger sichtbar sind die seelischen Wunden, die Kinder wie Erwachsene davontragen. Dabei können Traumata die Betroffenen ein Leben lang belasten und Auswirkungen auf künftige Generationen nach sich ziehen. In den Projekten von Terre des Hommes ist psychosoziale Unterstützung deshalb ein fester Bestandteil.
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