Thailand: Meladas Flucht aus Myanmar
Melada wurde im Karen-Staat im Osten Myanmars geboren. Dort tobt einer der längsten Bürgerkriege der Welt: Seit 1948 setzt sich die Karen National Union (KNU) für einen unabhängigen Staat ein, während die myanmarische Militärregierung versucht, durch Umsiedlungen und militärische Offensiven den Widerstand zu brechen.
Das führt immer wieder zu massiven Vertreibungen und Zerstörungen. Meladas Mutter musste schwanger und allein vor dem Krieg fliehen: Unter dem ständigen Risiko von Beschuss und Bombenangriffen floh sie durch Wälder und Bäche – oft ohne Zugang zu medizinischer Versorgung, Nahrung oder Unterkunft. »Meine Mutter erzählt, dass es damals keine Wiegenlieder und kein warmes Zuhause gab. Es gab nur Schüsse, Explosionen und die Schreie von Menschen, die um ihr Leben rannten.«
Wie viele Menschen überquerte die Mutter mit der kleinen Melada schließlich auf der Suche nach Sicherheit die Grenze zu Thailand. Sie konnten bei einer Tante wohnen. Aber immer wieder waren Schüsse und Explosionen zu hören, mitunter schlugen Granaten im Dorf ein. »Ich wusste nie, wo die nächste Bombe landen oder ob ich es nach Hause schaffen würde. Ich wusste nicht, ob es meiner Mutter gut gehen würde. Ich zitterte oft so sehr, dass ich nicht laufen konnte. Ich hatte jede Nacht die gleichen Albträume.«
»Es gibt eine Sache, die ich allen Kindern auf der Flucht sagen will: Auch wenn du keinen Pass hast, keine Rechte, du vielleicht keine Eltern mehr hast oder dir etwas anderes fehlt – du kannst immer noch Hoffnung haben. Und du bist immer noch etwas wert.«
Später konnte Melada in Thailand zur Schule gehen – doch ohne den vollen Aufenthaltsstatus, ohne die richtigen Dokumente blieb ihr trotzdem vieles verwehrt. »Oft fühlte ich mich ausgeschlossen, als würde ich immer nur von außen zusehen«, sagt sie. Hoffnung kam erst mit dem Mobile Classroom Program der Terre des Hommes-Partnerorganisation Development Center for Children and Community Network (DCCN): Mitarbeitende kamen an Meladas Schule und informierten sie über ihre Rechte. »Es ging nicht nur um Papierkram oder Ausweise. Es war für mich das Gefühl: Ich existiere.«
Heute ist Melada 15 Jahre alt. Sie konnte mithilfe von DCCN den vollen Aufenthaltstitel erlangen und träumt davon, Designerin zu werden – eine Gestalterin, die aus der Natur und aus Dingen, die andere oft wegwerfen, etwas Sinnvolles erschafft. »Ich möchte das, was übersehen wird, in etwas Schönes und Lebendiges verwandeln. So wie ich selbst früher ein stilles, unscheinbares Mädchen war, das niemand bemerkte.«
Wie Terre des Hommes Kindern auf der Flucht hilft
Mit unseren Projekten leisten wir weltweit Nothilfe, schaffen Schutzräume und ermöglichen Bildung sowie psychosoziale Unterstützung für geflüchtete Kinder und ihre Familien. Vor Ort arbeiten wir dabei mit lokalen Partnerorganisationen zusammen, die Kinder beim Ankommen begleiten und unterstützen. Gemeinsam mit ihnen und den jungen Menschen machen wir Druck auf die Politik, damit die Rechte und das Wohl geflüchteter Kinder geachtet werden. Die Erfahrungen, die Kinder und Jugendliche in unseren Projekten weltweit machen, zeigen: Es braucht sichere Wege und Zuflucht für Kinder!
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