Türkei: Wenn Ankommen Arbeit bedeutet
Noch bevor die Stadt erwacht, brummen die Maschinen. Hände, die eigentlich Schulbücher halten sollten, greifen Stoffballen und Scheren. Für viele geflüchtete Kinder in der Türkei bedeutet Ankommen: arbeiten, nicht lernen oder spielen. Besonders Kinder, die ohne Eltern unterwegs sind, rutschen schnell in gefährliche Jobs – ohne Schutz, ohne Rechte, ohne Stimme.
Immer wieder verlieren geflüchtete Kinder bei Arbeitsunfällen ihr Leben. Einer von ihnen war Abdurrezzak, ein zwölfjähriger Junge aus Syrien. Er arbeitete in der türkischen Stadt Gaziantep und starb, als eine Glastür auf ihn stürzte. Solche Tragödien sind keine Einzelfälle, sondern Folgen eines Systems. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und ein unsicherer Aufenthaltsstatus bringen viele geflüchtete Familien in existenzielle Not. Oft sehen sich Eltern gezwungen, ihre Kinder in gefährliche und ausbeuterische Arbeit zu schicken – etwa in die informelle Abfallsammlung. Die Praxis der türkischen Behörden, Asylsuchende in Migrationshaft zu nehmen, verstärkt den Druck auf die Familien: Während Eltern inhaftiert sind, müssen die Kinder für den Lebensunterhalt der Familie aufkommen. Kindheit, Gesundheit und Zukunft rücken damit in weite Ferne.
Die Arbeit unserer Partnerorganisationen in der Region ist deshalb unverzichtbar. »FiSA Çocuk« kämpft mit dem Projekt »Justice for Children« gegen Straflosigkeit und für die Sichtbarkeit von Kinderrechtsverletzungen. Mit rechtlicher und psychosozialer Unterstützung hilft sie betroffenen Kindern und ihren Familien. In Kayseri setzt sich »ARSA«, eine von Migrantinnen geführte Organisation, dafür ein, dass geflüchtete Kinder nicht zwischen den Systemen verloren gehen. Mit Bildungsangeboten, psychosozialer Betreuung und rechtlicher Beratung schafft ARSA sichere Räume, in denen Kinder wieder Hoffnung fassen können. Workshops stärken Familien darin, ihre Rechte zu erkennen und einzufordern.
Die Wirkung dieser Arbeit ist spürbar: Hunderte geflüchtete Kinder erhalten durch die Projekte wieder Zugang zu Bildung – eine Tür zu Sicherheit, Stabilität und Zukunft. Ihre psychische Gesundheit wird gestärkt, ihr Selbstbewusstsein wächst. Jedes Kind, das zur Schule geht, und jedes Kind, das seine Stimme erhebt, beweist, dass Veränderung möglich ist. Gemeinsam mit Partnerorganisationen zeigt Terre des Hommes: Auch inmitten von Krisen lässt sich Schutz aufbauen und Hoffnung teilen. Und Kindheit dorthin zurückgeben, wohin sie gehört: in die Hände der Kinder selbst.
Konsum ohne Kinderarbeit
Fast 138 Millionen Kinder auf der Welt müssen arbeiten. Manche pflücken Tee, Kaffee- oder Kakaobohnen, andere knüpfen Teppiche und nähen Kleidungsstücke, brechen Steine oder schürfen nach Metallen und anderen Rohstoffen.
Wie viele Kinder sich aus Armut und Ausbeutung befreien können, hängt auch davon ab, was hier bei uns in den Einkaufswagen und (Online-)Warenkörben landet. Unsere kostenlose Broschüre »Konsum ohne Kinderarbeit« ermutigt Konsument*innen, nach Produkten Ausschau zu halten, die nicht durch Kinderhände geerntet, hergestellt oder transportiert wurden. Und sie gibt einen Überblick über Anbieter, Siegel und Produktalternativen des Fairen Handels.