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Trotz Dürren, Clan-Konflikten und Terror

In Somalia kümmert sich terre des hommes um Wasser, Nahrung und Frieden

Dürren und Hungersnöte, gewaltsam ausgetragene Clan-Konflikte und radikal-islamistischer Terror – Somalia ist nach wie vor sowohl politisch als auch wirtschaftlich ein Krisenstaat.

Rund zwei Drittel der Bevölkerung sind von Viehzucht und Ackerbau abhängig. Aber in den letzten Jahren waren die Niederschläge unregelmäßig und meist schwach, Brunnen und oberflächliche Wasserquellen sind versiegt. Die Folge: Tiere und Nahrungspflanzen verdursten, über fünf Millionen Menschen sind von Hunger bedroht, darunter viele Kinder.

Etwa 2,6 Millionen Menschen sind vor der Gewalt verfeindeter Clans und radikal-islamistischer Gruppen geflohen und leben als Binnenvertriebene in den Slums der Städte oder in Camps. Diese sind bereits überfüllt, die hygienischen Bedingungen sind katastrophal und Gewalt gegen Frauen und Kinder kommt häufig vor. Arbeit gibt es für die Vertriebenen kaum. Wer kann, versucht das Land zu verlassen.

Auch in der Projektregion Gedo führen Clan- und Subclan-Rivalitäten regelmäßig zu lokalen Spannungen, die durch die bewaffneten al-Shabaab-Milizen noch verschärft werden. 2021 wurden aufgrund von Zusammenstößen über 50.000 Menschen vertrieben, davon etwa 80 Prozent Frauen und Kinder.

In der Projektregion Galgadud, wo vor allem Viehhirten leben, kommt es besonders häufig zu Streit um Weideland und Wasserquellen. Auch hier haben gewaltsam ausgetragene Clan-Konflikte zu Vertreibungen geführt – die Kleinststadt Abudwak beherbergt derzeit etwa 57.000 Binnenvertriebene, die in 19 Camps leben.

Das Dürre-Risiko ist in beiden Projekt-Regionen sehr hoch: Die Vereinten Nationen ermittelten im Januar 2021, dass nur 19 Prozent der Brunnen Wasser enthielten. In Galgadud sind über 95 Prozent der Wasser-Reservoirs ausgetrocknet und die Gemeinden sind auf die wenigen vorhandenen Bohrlöcher angewiesen. In den beiden Regenzeiten von April bis Juni und von Oktober bis Dezember fallen die Niederschläge von Jahr zu Jahr unregelmäßiger – entweder bleibt der Regen aus, oder es kommt zu Starkregenfällen, die Ernten zerstören und schnell oberflächlich abfließen.

Die terre des hommes-Partnerorganisation

Die Nichtregierungsorganisation NAPAD (Nomadic Assistance for Peace and Development) arbeitet seit 2006 für und mit lokalen Gemeinden am Horn von Afrika. Die Organisation unterstützt Gemeinschaften bei der Verbesserung ihrer sozialen, ökonomischen und ökologischen Lebensbedingungen.

Es wird humanitäre Hilfe geleistet und eine nachhaltige Entwicklung gefördert. Dabei unterstützt NAPAD eigenverantwortliche und partizipative Prozesse der Gemeinschaften. Arbeitsschwerpunkte sind Ernährungssicherung, Friedensförderung, Bildung, Wasser- und Sanitärversorgung. NAPAD  und terre des hommes-Deutschland arbeiten seit 2013 zusammen.

Maßnahmen und Wirkungen

Ziele des Projektes sind Ernährungssicherung, Wasserversorgung, ländliche Entwicklung, Friedensarbeit und gewaltfreie Konfliktlösung. NAPAD kümmert sich dabei vor allem um drei Bevölkerungsgruppen, die durch Dürren, Armut und Gewalt besonders bedroht sind:

Ernährungssicherung und Wasserversorgung

Zum einen Halbnomaden, die von Ackerbau und Viehhaltung leben. In der Region Gedo bauen sie hauptsächlich Mais, Sorghum, Sesam, Obst und Gemüse an. Um ihre Ernteerträge zu erhöhen, werden die Bewässerungssysteme – u.a. mit Solarpumpen, Hochtanks und unterirdischen Rohrnetzen – verbessert. Es werden effizientere landwirtschaftliche Geräte, hochwertiges Saatgut und Bienenstöcke angeschafft. Baumschulen werden in Betrieb genommen, denn Agroforstwirtschaft kann das Mikroklima positiv beeinflussen, in gewässernahen Gebieten als Erosions- und Überschwemmungsschutz fungieren und angepasste Baumarten wie Neem- und bestimmte Obstbäume sorgen für Beschattung und liefern Früchte zum Verzehr oder mit medizinischer Wirkung. Auch für die Verarbeitung, Konservierung und Vermarktung von Produkten wird gesorgt – mit dafür notwendiger Technik und entsprechenden Schulungen.

Neben der Verbesserung der Selbstversorgung kann durch die Maßnahmen auch zusätzliches Einkommen geschaffen werden. So besteht zum Beispiel auf den lokalen Märkten eine kontinuierliche Nachfrage nach Honig als Süßungsmittel für Tee, Kaffee oder traditionelle Pfannkuchen.

Auch in der Region Galgadud und der Kleinstadt Abudwak ist vor allem die Wasserversorgung ein Problem: Wie in Gedo werden auch hier Bewässerungs-Systeme installiert. Dabei geht es vor allem um die Versorgung der Haushalte und der Tiere.

Geflüchtete als Kleinunternehmer*innen

Frauen und Jugendliche, die durch gewaltsame Konflikte vertrieben wurden und in IDP-Camps bei Mogadischu leben, sind eine weitere Bevölkerungsgruppe, um die NAPAD sich kümmert. Viele von ihnen versuchen, mit Kleinstbetrieben über die Runden zu kommen und NAPAD unterstützt diese Eigeninitiative: Die Frauen und Jugendlichen bekommen benötigte Betriebsmittel gestellt und werden beim Management ihrer Unternehmen unterstützt, damit sie auf dem Markt eine Chance haben.

Gleichzeitig ist dies ein Beitrag zur Friedensbildung, denn Jugendliche in Flüchtlings-Camps sind aufgrund ihrer Kriegserlebnisse, der vielfachen Vertreibung und damit einhergehender mangelnder Bildung und Perspektivlosigkeit einem hohen Risiko ausgesetzt, sich bewaffneten oder kriminellen Gruppen anzuschließen.

Friedensaufbau und gewaltfreie Konfliktlösung

Damit Clan-Konflikte nicht zu Gewalt führen und alle Errungenschaften zunichtemachen, arbeitet NAPAD auch mit Gemeindevorstehern, Clan-Führern, religiösen Führern und Behördenvertreter*innen zusammen.  Sie werden dabei unterstützt, Konflikte um Landnutzung und Ressourcen gewaltfrei zu lösen.

Außerdem werden in den Gemeinden Friedenskomitees gegründet, die Versöhnungsarbeit durch inter- und intrakommunale Dialoggespräche leisten und auf Frauen- und Kinderrechte und die Bedarfe marginalisierter Gruppen achten. Ein weiterer Baustein zum Friedensaufbau sind Radio-Beiträge, Kampagnen in den Sozialen Medien und Sportveranstaltungen, mit denen vor allem auch die junge Generation erreicht wird.

Das terre des hommes-Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziell gefördert.
Wenn Sie unsere Hilfe untersützen möchten, spenden Sie bitte unter dem Verwendungszweck "Somalia".

»An Nahrung hat es uns oft gemangelt, an Waffen nie« - Interview mit terre des hommes-Mitarbeiter Marti Gensel nach seinem Projektbesuch in Somalia (2019)

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