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Warum Stürme zu Katastrophen werden

Stürme gehören zu den folgenschwersten Naturgefahren. Bei den wirtschaftlichen Schäden übertreffen sie jedes andere wetterbedingte Extremereignis, und nach Erdbeben und Extremtemperaturen fordern sie die meisten Menschenleben. Der WeltRisikoBericht 2026 fragt deshalb: Warum wird derselbe Sturm in einem Land zur Katastrophe, während seine Folgen anderswo begrenzt bleiben?

Die Antwort liegt selten allein im Wind. Zwar werden Wirbelstürme weltweit nicht häufiger, aber intensiver, und immer öfter legen sie kurz vor der Küste schlagartig an Kraft zu. So schrumpft das Zeitfenster, in dem Menschen gewarnt werden und Schutz suchen können. Die meisten Menschenleben fordert dabei nicht der Wind, sondern das Wasser aus Sturmfluten und Überschwemmungen. Doch ob aus einem Sturm eine Katastrophe wird, entscheidet vor allem die gesellschaftliche Verwundbarkeit. Dieselbe Windstärke trifft in armen Ländern und rasch wachsenden Küstenstädten auf mehr Menschen, schwächere Gebäude und weniger Schutz. Drei Ansätze rücken in den Mittelpunkt: 

Frühwarnsysteme retten nur dann Leben, wenn sie alle erreichen. Zu oft richten sie sich allein nach der Windstärke und übersehen jene, die die Sprache nicht sprechen, schlecht zu Fuß sind oder keinen sicheren Schutzraum haben. Wirksame Warnung setzt an den Menschen an, nicht nur an der Gefahr. Soziale Sicherungssysteme knüpfen meist an Armut an, nicht an Gefährdung. So bleiben gerade die Schutzbedürftigsten oft ohne Absicherung. Wo der Staat fehlt, tragen informelle Netzwerke wie Nachbarschaftshilfe die Menschen durch die Krise, stoßen bei großen Stürmen aber rasch an ihre Grenzen. Formelle und informelle Sicherung sind keine Gegensätze, sondern müssen sich ergänzen. Rücküberweisungen von Migrant:innen übertreffen weltweit sogar die offizielle Nothilfe. Nach Stürmen fließen sie schnell und direkt, bleiben in der Katastrophenpolitik aber weitgehend unbeachtet. Zugleich erreichen sie nur Haushalte mit Angehörigen im Ausland und können so bestehende Ungleichheiten verschärfen. 

Die Botschaft des Berichts ist zugleich eine Handlungsaufforderung. Ob ein Sturm zur Katastrophe wird, ist kein Schicksal, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen. Verwundbarkeit lässt sich verringern. Schutz ist erst dann Schutz, wenn er niemanden ausschließt. 

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