Zum Inhalt springen

Hintergrund und Grundlagen der Ausstellung

Ein gutes Leben – wer möchte das nicht?

Das Wirtschafts- und Lebensmodell der Industrieländer hat in vielen Ländern Wohlstand geschaffen und vielen Menschen ein „gutes Leben“ ermöglicht. Aber diese Wirtschaftsweise ist inzwischen maßgeblich mit verantwortlich für globale Umweltkrisen, Armut und Ungleichheit. Kinder leiden am meisten darunter. 

Daher stellt sich auch für die Kinderrechtsorganisation Terre des Hommes die Frage, wie eine zukunftsfähige Entwicklung aussehen kann, die ein gutes Leben für alle ermöglicht und Kinder- und Menschenrechten zur Geltung verhilft.

»Was ist das Gute Leben für dich? Funktioniert das als 'Gutes Leben für alle'?«

Ein Gutes Leben - was ist das eigentlich?

Das Konzept des »Guten Lebens« steht für ein Wohlstandsverständnis, das statt Wettbewerb und Anhäufung von materiellen Gütern andere Werte in den Vordergrund rückt: Ein gutes soziales Miteinander, Gerechtigkeit, Freizeit und Muße („Zeitwohlstand“), ein Leben im Einklang mit der Natur u.a. Die Postwachstums- oder Degrowth-Bewegung engagiert sich für einen Transformationspfad hin zu Formen des Wirtschaftens und der gesellschaftlichen (Selbst)Organisation, in denen das Wohlergehen aller im Zentrum steht und die ökologischen Lebensgrundlagen erhalten werden.

Das gute Leben - und seine Grenzen

Die Vorstellungen von Wohlstand und gutem Leben sind in (westlichen?) Industriegesellschaften geprägt vom Streben nach möglichst unbegrenztem Konsum. Der Motor für einen derartigen Konsumwohlstand ist ein permanentes Wachstum der Wirtschaft, das einhergeht mit hohem Ressourcenverbrauch und der Ausbeutung von Mensch und Natur. 

Grenzenloses Wachstum ist jedoch auf einem endlichen Planeten nicht möglich. Eine auf permanentes Wachstum ausgerichtete Wirtschaftsweise hat vielmehr einen hohen Preis: Sie führt zu Umweltzerstörung und großer sozialer Ungleichheit und zersetzt das gesellschaftliche Miteinander. Diese negativen Effekte betreffen Menschen im Globalen Süden in besonderem Maß. 

Die Kritik an diesem Wachstumsmodell ist nicht neu, doch sie nimmt zu. Als Gegenmodell werden Formen des Wirtschaftens erprobt, in denen das Wohlergehen aller im Zentrum steht und die ökologischen Lebensgrundlagen erhalten werden (solidarische Landwirtschaft, gemeinwohlorientierte Unternehmen, bedingungsloses Grundeinkommen).

»Wie sieht deine positive Zukunft aus? Was ist nötig, damit sie Wirklichkeit wird?«

Wie kann ein gutes Leben für alle möglich sein?

In den auf wirtschaftliches Wachstum ausgerichteten Gesellschaften orientieren sich schon heute immer mehr Menschen an Prinzipien des „Postwachstums“, indem sie z.B. zugunsten von mehr Zeit auf materielle Besserstellung verzichten, sich vegan ernähren oder sich solidarischen, am Gemeinwohl orientierten Initiativen anschließen. 

Das sind wichtige Ansätze, doch allein durch Veränderungen ihres individuellen Lebensstils werden Menschen das imperial ausgerichtete Wirtschaftssystem nicht ändern können. Damit ein Gutes Leben für alle weltweit möglich ist, braucht es neue gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die sich an den Prinzipien globale Gerechtigkeit, soziale Teilhabe und ökologische Nachhaltigkeit orientieren. 

Der Wandel muss von den Industrieländern im globalen Norden ausgehen. Er kann gelingen, wenn wir uns klar vor Augen führen, wofür wir uns einsetzen: Für eine Welt, in der wir in Frieden wachsen und uns entwickeln können; in der Mensch und Natur ihre Würde bewahren; in der wir Zeit haben für das, was uns wichtig ist; in der jede*r seine / ihre Fähigkeiten einbringen kann …

Hintergrund

Die Themengruppe „Alternative Entwicklung“ hat sich mit verschiedenen alternativen Entwicklungskonzepten auseinandergesetzt. Das sind

  • die Postwachstumsdiskussion im globalen Norden
  • das Konzept Buen Vivir aus dem Andenraum
  • die afrikanische Diskussion unter dem Stichwort Ubuntu,
  • die Diskussion in Indien unter dem Stichwort Radical Ecological Democracy (RED)
Ausführliche Darstellung im Reader