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Zentren für Kinderrechte und Gemeinschaft

Kindgerechte Orte im Asphaltdschungel von São Paulo

Von Hochhäusern gesäumte Straßenschluchten, mehrspurige Stadtautobahnen, wenig Grünflächen: In der Metropole São Paulo wachsen viele Kinder unter wenig kindgerechten Bedingungen auf. Aufgrund der hohen Kriminalitätsraten ist ein Spielen auf der Straße ebenfalls keine Option. Es sind kunterbunte Räume, die hier mitten in der Großstadt entstehen: Zirkusschule, Fußball, Capoeira, Musik- und Percussionunterricht, Poesiestunden und Geschichtenerzählen mit den älteren Leuten aus dem Stadtteil.

Die brasilianischen »CEDECAs«

Die »Zentren zur Verteidigung der Kinder- und Jugendrechte« (Centros de Defesa da Criança e do Adolescente, CEDECA) gibt es in vielen brasilianischen Städten und sind wichtige Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche.

Die Zentren arbeiten eng mit der staatlichen Jugend- und Familienhilfe zusammen und unterstützen junge Menschen dabei, Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und sozialen Diensten zu bekommen. Fachkräfte aus Sozialarbeit, Pädagogik und Psychologie begleiten die Jugendlichen. Gleichzeitig bieten die CEDECAs ein breites Spektrum an Spiel-, Sport- und Kulturaktivitäten. Das Programm »a chance to play« fördert in São Paulo zwei dieser Kinderrechtszentren: CEDECA Sapopemba und CEDECA Interlagos.

CEDECA Interlagos – Empowerment für junge Menschen

Das Projekt begleitet jugendliche dabei, eigene Lebens- und Berufswege zu entwickeln und sich gegen Diskriminierung und Rassismus stark zu machen. In Workshops setzen sie sich mit ihren Rechten auseinander und entwickeln Möglichkeiten ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften, unter anderem durch kreative Upcycling-Ideen. 

Viele der Jugendlichen engagieren sich außerdem in der Karnevals- und Sambagruppe »Bloco Eureca«. Hier nutzen sie die Kraft der Musik, um ihre Erfahrungen auszudrücken und auf Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen. In gemeinsamen Workshops wählen sie jedes Jahr ihre Themen selbst aus und komponieren einen neuen Samba-Song. Die Texte erzählen von ihrem Alltag, ihren Hoffnungen und dem Wunsch nach einer gerechteren Gesellschaft. In ihrem Song fordern die Kinder eine Bildung, die wirklich befreit und niemanden zurücklässt. Sie singen über Diskriminierung und Barrieren im Schulsystem – aber auch über Mut, Gemeinschaft und Veränderung:

 

„Ich werde mich von diesen Ketten befreien und eine Revolution starten. Wenn Bildung nicht der Befreiung dient, herrschen Gewalt, Sexismus und Diskriminierung.“ 

(Song aus 2024)

 

Für viele der Kinder, die aus armutsbetroffenen Familien stammen, ist der Weg zu höherer Schulbildung schwierig. Mit ihrem Samba protestieren sie gegen Ungleichheit und fordern das Recht auf eine Bildung, die Perspektiven eröffnet. Im »Bloco EURECA« wird Musik zu einem Raum des Widerstands und zu einem Ort, an dem junge Menschen ihre Stimmen laut und selbstbewusst erheben.

CEDECA Sapopemba – Kultur & Spiel

In Sapopemba, einem der gewalttätigsten Stadtteile São Paulos, findet sich in den engen Gassen der wie Schachteln übereinander gestapelten Häuser eine unscheinbare Tür: Das kleine Theater des lokalen Kinderrechtszentrums. Hier wimmelt es nur so von Kindern, die gerade ein neues Stück einüben. Im Obergeschoss geht nach der Capoeirastunde nun der Ballettunterricht los. An einer anderen Ecke hat das Kinderrechtszentrum einen Gemeindegarten angelegt. Gerade die Kinder und Jugendlichen, die sich kaum in andere Aktivitäten einfügen konnten und gewalttätiges Verhalten zeigten, haben hier Ruhe gefunden. Gemeinsam pflegen sie nun liebevoll den Garten und spielen. Gleichzeitig sind die Sozialarbeiter*innen, Pädagog*innen und Psycholog*innen der Partnerorganisationen stets präsent. Die Spiel- und Spaßangebote schaffen eine Vertrauensbasis und so erst die Möglichkeit für weitere Unterstützung. Ein Ziel des Projekts ist es außerdem, ein Treffpunkt für kulturelle Kollektive und Initiativen der Region zu sein und ein Kulturforum in Sapopemba aufzubauen sowie Menschen verschiedener Altersgruppen miteinander in Kontakt zu bringen, um das Zusammenleben im Viertel zu stärken.

Dieses Projekt ist Teil des Programms „A Chance to Play“, mit dem die Belegschaft von Volkswagen gemeinsam mit dem Volkswagen Konzernbetriebsrat seit 25 Jahren Projekte für Kinder und Jugendliche weltweit unterstützt. In Kooperation mit Terre des Hommes werden so nachhaltige Angebote für junge Menschen gefördert.

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