Brasilien: Perspektiven durch Bildung und nachhaltige Landwirtschaft
Unser Projekt mit der Landlosenbewegung »MST« und dem »Instituto Cultivar« ermöglicht landwirtschaftliche und ökologische Bildung in Schulen und Gemeinden. Ziel ist es, Armut zu bekämpfen, die Ernährungssicherheit zu verbessern, lokale Ökosysteme zu schützen und die Umsetzung einer gerechten Agrarreform mitzugestalten.
In Brasilien hat eine kleine Elite große Landflächen in Besitz genommen. Von hier aus werden die Weltmärkte mit Soja, Mais, Kaffee, Zuckerrohr oder Rindfleisch versorgt. Gleichzeitig besitzen viele Millionen Menschen überhaupt kein urbares Land: die sogenannten »Landlosen«. Es sind insbesondere die Familien früherer Kleinbäuer*innen und Landarbeiter*innen, deren Jobs durch Industrialisierung und Maschinisierung verloren gingen.
Zwischen Landkonflikten und Umweltkrise
Eine Agrarreform soll das Land zwar gerechter verteilen, damit kleine Höfe und Bäuer*innen eine Chance haben und wieder mehr Lebensmittel für den heimischen Markt produzieren können. Doch noch ist das ein weiter Weg: Vielerorts sind Armut und Landkonflikte Alltag. Die traditionelle Landwirtschaft leidet zusätzlich, weil industrielle Großbetriebe Böden und Wasserressourcen auszehren und die Artenvielfalt zerstören. Auch fehlt es Kleinbäuer*innen an Ressourcen und Informationen, um sich an die immer schwierigeren Umweltbedingungen anzupassen. Veraltete Bildungs- und Ausbildungsinhalte gehen an ihrer Lebensrealität vorbei.
»Die Natur zu verteidigen heißt, unseren Boden zu verteidigen.«
Was agroökologische Bildung bedeutet und warum es so wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche aktiv am Kampf um Gerechtigkeit beteiligt sind? Darüber haben wir mit João Vitor und Clara Duarte gesprochen, zwei jungen Teilnehmenden unseres Projektes, sowie mit Maria Leomar vom MST.
Zum InterviewHier setzt unser Projekt an – mit ökologischer Bildung, praxisnahen Ausbildungen und der Vermittlung lokaler, nachhaltiger Produktionsweisen, die schon in den Schulen beginnt. Ziel ist es, junge Menschen zu befähigen, ökologisch und ökonomisch nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben und so die Umsetzung der Agrarreform aktiv mitzugestalten. Darüber hinaus unterstützt Terre des Hommes soziale Bewegungen in den Gemeinden, damit Veränderung von unten nachhaltig gelingt.
Agroökologie als Lern- und Lebensraum
Das Projekt begann an elf Schulen und wird nun auf sechs weitere Schulen ausgeweitet. Kern des Ansatzes ist die Integration von Landwirtschaft und Ökologie in den Schulalltag: Lehrpläne, Schulgärten sowie Land- und Waldwirtschaftsflächen verbinden Theorie und Praxis.
Unser Partner – das »Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra« (MST) – spielt in Brasilien eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der Agrarreform: Die Landarbeiter*innen-Bewegung organisiert friedliche Landbesetzungen, unterstützt die Umverteilung von Land und fördert die kollektive Landwirtschaft. Beim MST haben Bildung und Jugendarbeit eine hohe Priorität. Die Organisation verbindet Bildungsarbeit dabei direkt mit landwirtschaftlicher Praxis und sozialer Mobilisierung.
Die MST entstand in den 1970er Jahren im Süden Brasiliens als Reaktion auf die Modernisierung der Landwirtschaft, die viele Landarbeiter durch Mechanisierung ihrer Arbeit beraubte.
»Wir lernen praktisch, wie man den Boden pflegt und Pflanzen zieht. Das hilft mir, über meine Zukunft nachzudenken – vielleicht mache ich eine Ausbildung in der Landwirtschaft.«
Im Unterricht wird nicht nur über nachhaltige Anbaumethoden gesprochen — Schüler*innen arbeiten im Schulgarten, legen kleine Land- und Waldwirtschaftsflächen an und erlernen die Grundlagen landwirtschaftlicher Planung.
Junge Menschen gestalten das Projekt und die Umsetzung der Agrarreform aktiv mit: In Jugendgruppen (»Núcleos de Base«) treffen sich Kinder und Jugendliche regelmäßig, führen praktische Arbeiten durch, diskutieren Projekte, treffen Entscheidungen und stärken so ihre Fähigkeiten in Teamarbeit, Planung und politischer Teilhabe.
»Ich helfe im Schulgarten: Wir pflanzen und gießen. Und wir passen aufeinander auf. Ich freue mich immer, wenn wir die Ernte teilen.«
Zahlen und Wirkung
- Etwa 1.700 Schülerinnen und Schüler werden durch das Projekt erreicht und als Multiplikator*innen für agroökologisches Wissen gestärkt.
- Rund 150 Lehrkräfte und lokale Bildungsbegleiter*innen werden geschult.
- 900 Kinder und Jugendlichen sind bereits in lokalen Jugendgruppen (»Núcleos de Base«) für die Umsetzung der Agrarreform und Kinderrechte aktiv.
Viele Fortschritte in den Agrarreformgebieten werden durch die partnerschaftliche Unterstützung von Dachser SE erst möglich. Das Unternehmen fördert mit seinem Engagement die technische Ausstattung vor Ort, ermöglicht Fortbildungen und stärkt die Vernetzung von Schulen und Gemeinden.