Zum Inhalt springen

Ein halbes Leben im Krieg

Kinder aus Myanmar erzählen


Familienmitglieder und Freunde, die verschwinden oder getötet werden. Ein Zuhause, eine Schule oder ein Krankenhaus im Dorf, das durch Fliegerbomben in Schutt und Asche gelegt wird. Wieder und wieder das Verstecken in notdürftigen Bunkern oder im Wald, die Flucht und Vertreibung vor drohenden Militärschlägen.
 

All das ist bittere Realität in Myanmar. Für die Kinder, die dort aufwachsen, ist es seit fünf Jahren Teil ihrer Kindheit.

Fünf Jahre ist es inzwischen her, dass das Militär gewaltsam die Macht an sich riss und das Land in einen Bürgerkrieg stürzte. Seitdem wächst eine ganze Generation von Kindern mit dem Wahnsinn eines Krieges auf, der keine klaren Frontlinien kennt. Etwa 1,2 Millionen Kinder wurden aus ihrer Heimat vertrieben, leben in Flüchtlingscamps entlang der Landesgrenzen, in den Wäldern oder flüchten von Ort zu Ort. 

Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen KNWO und KnHRG, die geflüchtete Kinder in den provisorischen Lagern versorgen, haben wir zwei von ihnen gebeten, uns von ihnen zu erzählen.

»Ich wünschte, wir wären wieder zuhause.«

Paw*, Mädchen, 10 Jahre
 

Paw, vielen Dank, dass du für uns Zeit hast. Wie alt bist du jetzt?
Ich bin 10 Jahre alt.

Möchtest du uns sagen, wo du gerade lebst?
Ich lebe in einem Camp für Vertriebene. Mit meinen Großeltern und meinem großen Bruder. 

Wie ist es dort? Gibt es Dinge, die du magst – oder Dinge, die dir gar nicht gefallen?
Ich mag das Camp nicht, ich habe hier keine Freunde. Wir wurden schon oft vertrieben und mussten an einen neuen Ort ziehen. Ich bin oft traurig und wünschte, wir wären wieder zuhause, in unserem Dorf. Dort konnte ich Fahrradfahren – hier darf ich das nicht, ich darf nicht einmal weit weg vom Camp gehen.

Warum darfst du nicht weit weggehen?
Weil immer wieder Bomben in der Nähe der Orte abgeworfen werden, an denen wir leben. Deshalb darf ich nicht weit weggehen. Wir haben keinen Bunker oder eine Schutzhütte gegen die Bomben.

Wenn du dir gerade etwas wünschen könntest, was wäre das?
Ich möchte am liebsten zur Schule gehen. Und einfach friedlich und in Sicherheit spielen können. Hier ist es nicht sicher, deshalb gibt es auch keine feste Schule und der Unterricht für uns findet nicht oft statt. Ich möchte zurück in mein Dorf, ich würde auch gerne wieder bei meinen Eltern sein.

Und das Land? Was würdest du dir für Myanmar und die Menschen dort wünschen?
Ich bete dafür, dass wir einmal friedlich und glücklich zusammenleben.

»Ich möchte, dass nicht mehr Krieg ist.«

Matthew*, Junge, 10 Jahre


Danke, dass du dir für uns Zeit nimmst. Wie alt bist du jetzt?
Ich bin jetzt 10.

Wo lebst du momentan?
Ich lebe im Flüchtlingscamp. Vorher haben wir in einer kleinen Stadt im Osten Myanmars gewohnt.

Möchtest du uns davon erzählen? Wie ist dein Leben jetzt – und wie war es früher?
Am besten erinnere ich mich daran, dass ich früher mit meinem Großvater, meiner Großmutter und meiner Mutter in die Berge und auf die Plantagen gegangen bin. Wir haben immer unser Mittagessen mitgenommen, um es auf den Feldern zu essen. Wir hatten eine Schule, die aus Steinen gebaut war, und ich habe auch viel mit meinen Freunden gespielt. Auch unser Haus war groß, es gab sogar zwei Stockwerke. Wir hatten Kühe und Büffel zu Hause, und mein Großvater fütterte sie immer. Mein Vater war Fahrer, und meine Mutter nähte Kleidung.

Und heute?
Wir mussten fliehen. Aber ich gehe immer noch gern mit meinem Großvater in den Wald. Wir schneiden Bambus oder suchen nach Gemüse, das wir dann essen können.

Gibt es auch Dinge, die dir hier gar nicht gefallen?
Mmh, einmal musste ich Essensreste sammeln gehen, damit wir die Schweine füttern konnten. Der Korb war sehr schwer. Und einmal musste ich Steine für meine Großmutter tragen. Und wenn wir Unterricht haben und ein Flugzeug oder eine Drohne kommt, dann müssen wir immer hinter der Schule in Deckung gehen. Wenn sie nachts kommen, dann weckt mich meine Mutter und wir müssen aufstehen und uns im Bambushain verstecken.

Wenn du dir gerade etwas wünschen könntest, was wäre das?
Ich hätte wirklich gern einen Ball, damit ich mit meinen Freunden spielen kann. Und es wäre schön, wenn wir mehr Geld hätten. Damit ich mir zum Beispiel etwas zu Essen für Zwischendurch kaufen kann, wenn ich zur Schule gehe. Mein Vater kann nicht mehr so viel Geld verdienen wie früher. Deshalb streiten sich meine Mutter und mein Vater oft. 

Und das Land? Was würdest du dir für Myanmar und die Menschen dort wünschen?
Meine Mutter hat mir gesagt, dass wir zurück in die Stadt gehen können, wenn sich die Lage verbessert. Wir alle wollen zurück. Ich möchte an einem Ort leben, wo es eine große Schule und einen Spielplatz gibt. Ich möchte nicht, dass das Militär Bomben vom Himmel wirft. Ich möchte, dass nicht mehr Krieg ist.

Weiterlesen

*Alle Personen- und Ortsnamen wurden aus Sicherheitsgründen unkenntlich gemacht. Die tatsächlichen Namen sind Terre des Hommes bekannt.