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»Happy Land«

Philippinen: Eine faire Chance für Kinder auf den Straßen Manilas


»Happy Land«. So nennen die Menschen den berüchtigtsten Slum von Manila. Mit bitterer Ironie: In der Sprache Cebuano bedeutet »Hapilan« Müllhalde – die Siedlung liegt auf dem Gebiet einer städtischen Müllkippe. Hygiene- und Wohnsituation sind katastrophal. Kinder müssen sich hier schon früh selbst helfen, für Essen sorgen oder etwas Geld verdienen. Schul- und Ausbildung? Für viele undenkbar.

Etwa 80.000 Kinder in der philippinischen Hauptstadt Manila sind obdachlos oder leben in Wohnsituationen, die sie zwingen, einen Großteil des Tages auf der Straße zu verbringen: in Zelten oder selbst errichteten Hütten, in den toten Winkeln der Stadt, in Slums wie »Happy Land«. 

Gemeinsam mit der Partnerorganisation »Bahay Tuluyan« setzt sich Terre des Hommes dafür ein, dass sie eine faire Chance auf Bildung und Ausbildung bekommen – und eines Tages die Armut hinter sich lassen. 

Mit einem eigenen Beratungsbus fahren die Sozialarbeiter*innen direkt zu den Kindern, die die Hilfe am meisten brauchen. Sie bieten Spiel- und Informations-Kurse an, hören sich die Sorgen und Hoffnungen der Kinder an. Der Kern der Arbeit ist die Sozialberatung, die von Kind zu Kind nach Lösungen sucht: Was braucht das Kind, um gesund aufzuwachsen und lernen können? 

Der wichtigste Schritt besteht oft schon darin, dass die Kinder beginnen, eine Schule zu besuchen: Die Mitarbeiter*innen helfen etwa bei der Beschaffung einer Geburtsurkunde, mit Schulmaterial oder mit Zuschüssen für die Schuluniform. Ältere Kinder bekommen schließlich auch die Chance auf ein Stipendium.

 

»Ich habe lesen gelernt, und das Malen mit Farben. Ich male am liebsten Pferde. Wir lieben es aber auch, zu singen. Und Theater zu spielen.«
Angel 11 Jahre
»Die Sozialarbeiterinnen helfen mir, mehr über mich und meine Rechte zu erfahren. Wo ich sicher bin und wo nicht und was ich tun kann, wenn ich mich bedroht fühle.«
Christine 13 Jahre
»Wir lernen Lesen und Schreiben und andere Dinge, die man fürs Leben braucht. Ich mag auch die Schaukel bei Bahay Tuluyan.«
Twinkle 11 Jahre

»Bahay Tuluyan« bedeutet so viel wie »Haus der Zuflucht«. Für Kinder, die viel Zeit ohne Obdach auf den Straßen Manilas verbringen müssen, stellt die Organisation auch eine feste Anlaufstelle dar. Hier, im »Drop-In-Bereich« von Bahay Tuluyan, finden die Kinder einen sicheren Raum zum Spielen. Es gibt eine Toilette, eine Dusche, sauberes Trinkwasser und, wenn nötig, gesunde Mahlzeiten – Dinge die für die meisten sonst unerreichbar sind. Zum Drop-In-Bereich gehört außerdem ein Beratungsstelle, in der die Kinder ein offenes Ohr und Hilfe finden können.

Bei älteren Kindern kümmert sich Bahay Tuluyan auch darum, dass sie die faire Chance auf eine Berufsausbildung bekommen: Etwa 130 Kinder aus Straßensituationen, die älter als 15 Jahre sind, nehmen bei der Organisation an langfristigen Lern- und Ausbildungsprogrammen teil. Die Jugendlichen lernen im eigenen Café etwas über Gastronomie und Selbstständigkeit oder sie meistern in Gartenanlagen die Grundlagen der Landwirtschaft – natürlich gegen eine faire Ausbildungsvergütung. Dabei lohnt es sich, am Ball zu bleiben: Je mehr Erfahrung die Jugendlichen sammeln, desto höher der Lohn.

 

»Das Wichtigste ist, Kindern Auswege aus gefährlichen Situationen zu bieten, eine Zukunft abseits der Straße aufzuzeigen und die Grundlagen für ein selbstständiges Leben mitzugeben. Das beginnt mit so einfachen Dingen wie Fairness und Zuverlässigkeit.«
Catherine Scerri | Menschenrechtsanwältin und Direktorin von »Bahay Tuluyan«

Ein neues Zuhause bei Bahay Tuluyan: Chabeng und Agatha im Interview

Etwa 1.000 Kinder und Jugendliche hat Bahay Tuluyan 2025 auf den Straßen Manilas erreicht, beraten und unterstützt. Für aktuell 60 Kinder zwischen 3 und 18 Jahren ist das »Haus der Zuflucht« allerdings wortwörtlich ein neues Zuhause: Sie haben im Wohnprogramm der Organisation Obdach gefunden. 

Zwei von ihnen, Chabeng und Agatha, traf Terre des Hommes im Oktober für ein Interview.

Zum Interview

23.03.2026