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Mit Know-How und Wasser gegen Hunger und Gewalt

Somalia: Humanitäre Hilfe als Fundament für nachhaltige Entwicklung


Somalia leidet unter Dürren, Ressourcenkonflikten und den Angriffen bewaffneter Gruppen. Die Terre des Hommes-Partnerorganisation NAPAD zeigt, wie trotz dieser Umstände die Widerstandsfähigkeit der Menschen gestärkt werden kann: mit stabiler Wasserversorgung, besseren Ernten und friedlicher Konfliktlösung.

Die Partnerorganisation

Die Nichtregierungsorganisation NAPAD (Nomadic Assistance for Peace and Development) leistet humanitäre Hilfe und fördert die nachhaltige Entwicklung am Horn von Afrika. Arbeitsschwerpunkte sind Ernährungssicherung, Friedensförderung, Bildung, Wasser- und Sanitärversorgung. NAPAD und Terre des Hommes arbeiten seit 2013 zusammen.

Ausgangssituation

Somalia befindet sich in einer politischen und humanitären Krise. Schwache staatliche Strukturen und anhaltende bewaffnete Angriffe der islamistischen Terrormiliz al-Shabaab erschweren eine nachhaltige Entwicklung. Die Wirtschaft ist instabil, die Preise für Lebensmittel sind hoch, und wiederkehrende Dürreperioden zerstören Ernten. Mehr als 1,8 Millionen Kinder im Land leiden an Mangelernährung. Etwa 3,7 Millionen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Lösungsansatz

Die Probleme der Region sind vielfältig. Die Lösung ist ein entsprechend vielschichtiges Maßnahmenpaket: Kleinbäuer*innen werden darin gefördert, ihre Produktion nachhaltig zu erhöhen und an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Familien werden unterstützt, ein nachhaltiges Einkommen aufzubauen. Auf Gemeindeebene stabilisiert NAPAD die Wasserversorgung und etabliert Mechanismen zur friedlichen Lösung von Konflikten. Übergreifendes Ziel ist, die Selbständigkeit und Widerstandsfähigkeit der Gemeinden gegen Krisen zu stärken.

Durchführung


Wasserversorgung

  • Um die Ernteerträge zu erhöhen, wurden Bewässerungssysteme mit Solarpumpen, Hochtanks und unterirdischen Rohrnetzen errichtet.

Ernährungssicherung

  • Effiziente landwirtschaftliche Geräte, hochwertiges Saatgut und Bienenstöcke wurden angeschafft.
  • Baumschulen wurden aufgebaut, um durch Agroforstwirtschaft das Mikroklima positiv zu beeinflussen und den Erosions- und Überschwemmungsschutz zu verbessern.
  • Kleinbäuer*innen wurden in nachhaltigen Anbaumethoden geschult, um ihre Landwirtschaft besser an die veränderten Klimabedingungen anpassen zu können.
  • Durch den Bau eines Wertschöpfungszentrums wurde die Möglichkeit geschaffen, landwirtschaftliche Produkte weiterzuverarbeiten und Lieferketten zu etablieren. So besteht zum Beispiel auf den lokalen Märkten eine kontinuierliche Nachfrage nach Honig als Süßungsmittel für Tee, Kaffee oder traditionellen Pfannkuchen. 

Einkommenssicherung

  • Frauen und Jugendliche, die durch die gewaltsamen Konflikte in der Region vertrieben wurden, leben oftmals in Camps nahe großer Städte. Sie wurden und werden darin unterstützt, Kleinstbetriebe zu gründen oder die Erlöse ihrer bestehenden Betriebe zu verbessern.

Konfliktlösung und Friedenssicherung

  • Um zu verhindern, dass Konflikte um knappe Ressourcen zu Gewalt führen, arbeitet NAPAD mit Gemeindevorstehern, Clan-Führern, religiösen Führern und Behördenvertreter* innen zusammen.
  • In den Gemeinden wurden inklusive Friedenskomitees gegründet, die Versöhnungsarbeit durch Dialoggespräche leisten und die Bedarfe von Frauen und Kindern berücksichtigen.
  • Unterstützt wurde diese Arbeit durch Radiosendungen, Social-Media-Kampagnen und Sportveranstaltungen, um den gemeinsamen Austausch zu fördern, Diskussionsräume zu öffnen und für relevante Probleme der verschiedenen Gemeindegruppen zu sensibilisieren. 

Wirkung

Die Projektmaßnahmen haben die landwirtschaftliche Produktion in den Zielgemeinden erhöht und die Ernährungssicherheit der Familien verbessert: 

  • Durch die Errichtung der solarbetriebenen Bewässerungsanlagen konnte die bewirtschaftete Landfläche vergrößert und die Erträge gesteigert werden. Dadurch haben 8.400 Gemeindemitglieder und 175.000 Nutztiere ganzjährigen Zugang zu Trink- und Nutzwasser. 

  • 5 Baumschulen wurden eingerichtet und 3 Waldparzellen mit insgesamt 2.000 Bäumen angelegt. 

  • Das errichtete Wertschöpfungszentrum steht 750 Kleinbäuer*innen zur Weiterverarbeitung ihrer Erzeugnisse zur Verfügung, wodurch sie höhere Marktpreise erzielen und ihre Einkommen steigern können.

  • Durch die Kleingewerbeförderung konnten 100 Frauen und Jugendliche ihre Haushaltseinkommen erhöhen. Sie sind in Selbsthilfegruppen organisiert, um ihnen den Austausch zu ihrer Geschäftstätigkeit und gesellschaftlichen Themen zu ermöglichen und ihre Eigenständigkeit zu fördern. 

  • 150 Frauen, die im Gemüseanbau gefördert wurden, konnten die Ernährungsgrundlagen ihrer Familien verbessern und Überschussproduktion auf den lokalen Märkten verkaufen. 

  • 200 Clan- und Religionsführer wurden in Methoden der gewaltfreien Konfliktlösung geschult. 10 Friedenskomitees in den Gemeinden identifizieren Konfliktfälle, die sie
    entweder selbst oder gemeinsam mit Behörden lösen. Mittlerweile werden mehr als 80 Prozent der Konflikte gewaltfrei gelöst.

 

»Das Ziel ist, nachhaltige Lösungen für die Gemeinschaft zu schaffen – Lösungen, die auch dann bleiben, wenn das Projekt eines Tages beendet ist.«
Dr. Abdullahi Hersi ist Gründer und Direktor der Organisation »Nomadic Assistance for Peace and Development« (NAPAD) in Somalia

Folgeprojekt


Ein Folgeprojekt befindet sich bereits in der Bewilligungsphase. Das Wertschöpfungszentrum wird weiter gestärkt, um die Übernahme des Betriebs durch die Kleinbäuer*innen selbst zu gewährleisten und die Reichweite zu erhöhen. Es werden an die Gegebenheiten angepasste Trainingseinheiten konzipiert, um vor allem Jugendlichen und Frauen Schulungen und Ausbildungsmöglichkeiten etwa in der Landwirtschaft anbieten zu können.