Interview mit Projektleiter Matebie Fentie
Die Lage in Südsudan hat sich erneut zugespitzt: Bewaffnete Auseinandersetzungen und politische Spannungen führen zu großflächigen Vertreibungen und schränken den Zugang für Helfer*innen ein.
Am Morgen des 25. Februar wurde einer unserer Projektstandorte, das Makpandu Geflüchteten-Lager, angegriffen: Bewohner*innen und Mitarbeitende flohen ins Umland, ein Bewohner wurde tödlich getroffen, Kinder sind traumatisiert. Im folgenden Interview beschreibt Matebie Fentie, Projektleiter unserer Partnerorganisation JRS, was genau geschah, welche Hilfe benötigt wird und wie sich die landesweite Eskalation auf die humanitäre Arbeit auswirkt.
Was geschah am Morgen des 25. Februar im Camp Makpandu?
Um etwa 05:30 Uhr hörten wir Schüsse, die rund zweieinhalb Stunden andauerten. Angreifer eröffneten das Feuer, brannten Kontrollposten und Gebäude nieder, plünderten Häuser und Geschäfte; ein Geflüchteter wurde tödlich getroffen, ein Soldat verletzt. Viele Menschen flohen in das Umland. Regierungskräfte rückten dann etwa fünf Stunden später ein und stellten die Ordnung wieder her, doch Angst und Traumatisierung bleiben.
Ihre Spende für Kinder im KriegWie geht es den Kindern aus unserem Projekt?
Viele Kinder schrien und rannten in verschiedene Richtungen; einige waren zeitweise vermisst. Nach dem Angriff sind die Kinder deutlich ängstlicher, bleiben eng bei ihren Eltern, meiden die Schule und zeigen Symptome von Stress und Traumatisierung.
Und den Mitarbeitenden?
Eine unserer Mitarbeiterinnen floh zusammen mit anderen Helfer*innen in das Umland und blieb dort bis zur Beruhigung der Lage; sie wurde anschließend an einen sicheren Ort verlegt. Wir stehen in ständigem Kontakt, haben Evakuierungspläne vorbereitet und gewährleisten psychosoziale Betreuung.
Der Angriff auf Makpandu ist leider nur einer von vielen Vorfällen. Wie kam es zur landesweiten Eskalation?
Die Sicherheitslage im Südsudan hat sich verschlechtert, nachdem es letztes Jahr in Nasir zu heftigen Gefechten gekommen war. Daraus resultierte die Festnahme des Vizepräsidenten Riek Machar. Seine Festnahme und die weiterer Führungspersonen haben die politische Spannung enorm erhöht und zu Kämpfen zwischen den Regierungstruppen und bewaffneten Gruppen in mehreren Staaten geführt. Zusätzlich haben Konflikte zwischen den Azande‑ und Balanda‑Gemeinschaften die Lage weiter verschärft.
Wie wirkt sich der Konflikt auf unsere Hilfe für Kinder aus?
Die Krise bindet staatliche Ressourcen und erschwert den Zugang zu mehreren Regionen. Einige Projektgebiete sind bereits seit Monaten kaum erreichbar. Kurzfristig rechnen wir mit fortgesetzten Einschränkungen und unsicherer Lage; mittelfristig könnte sich die Situation vorübergehend stabilisieren, langfristig sehen wir wegen anstehender Wahlen ein Risiko weiterer Verschlechterungen.
Was brauchen Kinder jetzt am dringendsten - und wie kann geholfen werden?
Wichtig sind ausreichend Nahrung, sichere Unterkünfte, traumasensible Betreuung durch Fachkräfte sowie Angebote für Bildung und Spiel. Weil die humanitäre Hilfe abnimmt, müssen schnell zusätzliche Ressourcen bereitgestellt werden. Gleichzeitig sind diplomatischer Druck und Verhandlungen notwendig, damit die Konfliktparteien das Friedensabkommen umsetzen und die Sicherheit für Kinder wiederherstellen.
Was gibt den Helfer*innen die Kraft, trotz der Gefahr weiterzumachen?
Alle Mitarbeitenden arbeiten weiterhin mit großem Einsatz und Engagement für die Kinder und Familien in Not. Das ist besonders wichtig, weil viele Hilfsorganisationen ihre Unterstützung zurückfahren oder ihre Projekte ganz einstellen. Uns ist das Wohl des Teams dabei sehr wichtig - deshalb rufen wir dazu auf, unsere Mitarbeitenden genauso zu unterstützen, wie sie die Kinder und Gemeinden unterstützen.
Projekte
Ihre Ansprechpartnerin
Claudia Berker
Referentin Afrikaprogramm