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Thailand: Wie „Plearn to Play“ Kinder stärkt

Als nach den langen COVID-19-Lockdowns die Schulen in Ratchaburi, Thailand, wieder öffneten, war die Freude vieler Kinder überraschend gering. „Die Kinder wollten nicht zurück. Sie empfanden die Schule nicht als Ort der Freude oder des Glücks“, erinnert sich Schuldirektor Pleaw Purisan. Statt Begeisterung herrschten Frust, Aggression und Unsicherheit. Lehrerinnen und Lehrer sahen sich mit Schulschwänzen, Streitigkeiten und Konzentrationsproblemen konfrontiert. 

Auch in einem Kinderzentrum in Bangkok zeigte sich ein ähnliches Bild: Jüngere Kinder reagierten mit Weinen oder Aggressionen, ältere berichteten von Mobbing und mangelndem Selbstvertrauen. Um diesen Entwicklungen zu begegnen, wurde das Projekt „Plearn to Play: Improving Well-Being and Promoting Safe Environment for All Children to Play“ (Verbesserung des Wohlbefindens und Förderung einer sicheren Umgebung zum Spielen für alle Kinder) ins Leben gerufen. 

Unterstützt durch das a chance to play-Programm und umgesetzt vom Center for the Protection of Children’s Rights (CPCR) Foundation, verfolgt es ein klares Ziel: Schule wieder zu einem Ort zu machen, an dem Lernen und Lebensfreude Hand in Hand gehen. Das Wort „plearn“ im Projekttitel bedeutet auf Thai „genießen“ und spielt gleichzeitig auf das Konzept „learn to play“ (Spielen lernen) an.

Lernen durch Spielen

Der Ansatz ist so einfach wie wirkungsvoll: Klassenzimmer werden in Räume der Kreativität verwandelt. Kinder lernen, indem sie ihre Interessen in spielerische Aktivitäten einbringen. „Ich bringe meine jüngeren Mitschüler zum Lachen und helfe ihnen, Spaß an den Aufgaben zu haben. Das motiviert mich und stimmt mich positiv“, erzählt der 14-jährige. Er träumt inzwischen davon, einmal als YouTuber oder im Online-Vertrieb zu arbeiten – Berufe, die er sich zuvor nicht zugetraut hätte. 

Auch Chaiyaphruek (14) hat sich durch das Projekt verändert: „Ich bin selbstbewusster, mutiger und stärker geworden. Jetzt glaube ich daran, dass ich diese Fähigkeiten in Schule und Beruf einsetzen kann. Vielleicht werde ich sogar Schauspieler.“ Früher schüchtern, übernimmt er heute spielerisch die Rolle des Animateurs für Kinder – eine Entwicklung, die auch seiner Mutter auffällt: „Er spricht nun viel offener mit uns Eltern und äußert frei seine Meinung.“

Ein neues Miteinander

Neben den Kindern profitieren auch die Lehrkräfte. Regelmäßige „Spieltage“ ermöglichen es ihnen, Kinder besser zu beobachten und Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen. 

Lehrerin Rattiya Kitsadanon, die für ihre Strenge bekannt war, beschreibt ihren Wandel so: „Früher kamen die Schüler nicht zu mir, wenn sie Rat brauchten. Durch das Projekt habe ich gelernt, meine Perspektive zu ändern. Heute nutze ich Spiel im Kunst- und Naturunterricht, unterstütze ältere Schüler beim Anleiten der Jüngeren und bin als Vertrauenslehrerin da. Am wichtigsten ist jedoch: Ich kann nun ein sicherer Raum für die Kinder sein.“ 

Die Veränderungen durch das Projekt sind messbar. Die Anwesenheit verbesserte sich, viele Kinder erscheinen inzwischen sogar vor Unterrichtsbeginn. Eltern berichten, dass ihre Kinder morgens mit mehr Vorfreude aufstehen. Zuhause seien sie aktiver und kommunizierten offener.

Für Malai Chaiburin, Leiterin des Kinderzentrums, das die Methodik ebenfalls anwendet, ist die Veränderung unübersehbar: „Was einst ein Ort des Stresses war, ist zu einer Gemeinschaft voller Freude und Zugehörigkeitsgefühl geworden.“ 

Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie eng Spielen, Lernen und seelisches Wohlbefinden miteinander verbunden sind. Im Rückblick auf das Projekt „Plearn to Play“ lässt sich sagen, dass sich durch den Einfluss von Spiel und Kreativität nicht nur das Lernen verbessert hat, sondern viel positive Energie freigesetzt wurde. Andere Schulen haben die Anregungen des Projekts in ihre Curricula aufgenommen, und die Arbeit von CPCR bekam so Modelcharakter für andere Bildungseinrichtungen in Thailand.

Dieses Projekt ist Teil des Programms „A Chance to Play“, mit dem die Belegschaft von Volkswagen gemeinsam mit dem Volkswagen Konzernbetriebsrat seit 25 Jahren Projekte für Kinder und Jugendliche weltweit unterstützt. In Kooperation mit Terre des Hommes werden so nachhaltige Angebote für junge Menschen gefördert.

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