Mosambik ist schwer von den derzeitigen Überschwemmungen im südlichen Afrika getroffen. Flavio Liberato leitet unsere Partnerorganisation Wona Sanana in Mosambik und schildert die Situation vor Ort.
Welche Gebiete sind am stärksten betroffen, und wie erleben Sie die Situation?
Am stärksten betroffen sind der Süden Mosambiks – vor allem die Provinzen Gaza, Maputo und Inhambane – sowie Sofala und Nampula. Überschwemmungen durch starke Regenfälle und über die Ufer tretende Flüsse haben Straßenverbindungen zerstört und viele Orte unzugänglich gemacht. In Gaza und Maputo verschärfte Wasser aus Südafrika die Lage zusätzlich. Aktuell sind viele Straßen gesperrt, Dörfer isoliert, Menschen eingeschlossen geblieben.
Laut den jüngsten offiziellen Daten sind über 616.000 Menschen betroffen, rund 100.000 befinden sich in Notunterkünften. Die Versorgung ist unzureichend: Es fehlen Zelte, Lebensmittel, Kleidung, Decken und sanitäre Einrichtungen. Viele Unterkünfte verfügen über kein sauberes Wasser oder Kochmöglichkeiten. Kinder sind besonders betroffen, ihre Bedürfnisse werden kaum berücksichtigt – viele suchen einfach Schutz vor Regen und Hunger. Wir erleben die Situation mit Empörung und Gefühlen der Hilflosigkeit. Es schmerzt, nicht helfen zu können, weil es vor Ort an Ressourcen mangelt und der Zugang zu den am stärksten betroffenen Gebieten immer noch fehlt.
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»Viele Kinder leiden unter Hunger, Unsicherheit, Krankheit und Traumata. Sie zeigen Anzeichen posttraumatischen Stresses.«
Was sind die dringendsten Bedürfnisse in den kommenden Tagen und Wochen?
Vor Ort mangelt es an allem: Nahrung, Kleidung, Decken, Hygieneartikeln, Licht und den wichtigsten Kochutensilien - die Menschen mussten so schnell ihre Häuser verlassen, dass sie kaum etwas mitnehmen konnten. Nun improvisieren die Menschen mit dem, was sie finden. Trinkwasserbehälter sind kaum vorhanden, Zelte überfüllt – oft teilen sich mehr als zehn Familien ein Zelt. Viele schlafen im Freien, unter Fahrzeugen oder Bäumen.
Toiletten und Waschmöglichkeiten fehlen, was Hygieneprobleme verschärft. Medizinische Hilfe ist kaum vorhanden, viele Verletzte erhalten keine erste Versorgung. Kinder werden wie Erwachsene behandelt, haben keinen geschützten Raum und keine Betreuung. Sie irren oft allein umher und sind besonders gefährdet.
Welche Unterstützung wird derzeit geleistet? Wie unterstützt Terre des Hommes?
Das Nationale Institut für Katastrophenmanagement (INGD) koordiniert Notfallmaßnahmen, doch seine Mittel sind begrenzt. Auf lokaler Ebene versuchen Bezirksbehörden mit knappen Ressourcen und Unterstützung lokaler Akteure Hilfe zu leisten.
Terre des Hommes steht im ständigen Austausch mit uns und anderen lokalen Projektpartnern, sammelt Informationen, unterstützt den Nothilfeprozess und mobilisiert Ressourcen, um auf die dringendsten Bedarfe zu antworten und den Kindesschutz zu verbessern. Im Falle meiner Organisation Wona Sanana sind alle Gemeinden, in denen Projekte von Terre des Hommes liefen oder kürzlich begonnen haben, betroffen.
Welche Auswirkungen sehen Sie für Kinder und Jugendliche?
Viele Kinder leiden unter Hunger, Unsicherheit, Krankheit und Traumata. Sie zeigen Anzeichen posttraumatischen Stresses und benötigen dringend psychologische Unterstützung. Die hygienischen Bedingungen werden Krankheiten wie Malaria, Durchfälle und Unterernährung begünstigen.
Ältere Kinder könnten sich aus Not problematischen Strategien hinreißen lassen, etwa kleine Diebstähle begehen, Mädchen sind gefährdet, Opfer von Missbrauch zu werden. In einigen Provinzen wird der bevorstehende Schulbeginn für viele unmöglich sein: Schulen sind beschädigt oder unzugänglich, es fehlt Familien an Mitteln, die die Schulmaterialien und -kleidung ihrer Kinder zu ersetzen.