Zum Inhalt springen

Erinnerungen entführter ukrainischer Kinder

Ania, 11 Jahre


Ania war 11 Jahre alt, als sie dieses Bild malte. Sie war erst 10, als russische Truppen Cherson besetzten. Sie und ihre Familie suchten Schutz im Haus ihrer Großmutter im Dorf Antonivka.

Ania erinnert sich, dass sie vor der Besatzung Erdbeeren in einen Topf auf der Fensterbank gepflanzt hatte. Danach füllte sich die Stadt mit »Monstern« – 
so beschrieb sie die Art und Weise, wie russische Soldaten in die Stadt eindrangen.

Das Fenster hinter der Erdbeerpflanze war nun mit schwarzer Plastikfolie verklebt – zum Schutz gegen Glassplitter: Explosionen waren inzwischen Teil des Alltags geworden.

Im Herbst 2022 schickten die Besatzer Ania in ein angeblich zweiwöchiges Ferienlager. Stattdessen verbrachte sie zehn Wochen in einem Lager namens »Freundschaft« – gefolgt von weiteren zehn Wochen im Lager »Sonnenstrahl«. 

Die Kinder lebten dort in einer gefängnisähnlichen Sicherungsanstalt. Sie wurden gezwungen, die russische Nationalhymne zu singen, immer wieder angeschrien und körperlich misshandelt. Wer als »ungehorsam« eingestuft wurde, kam in ein Isolationszimmer.

 

Nach monatelangen, unermüdlichen Bemühungen ihrer Familie – unterstützt von einer Hilfsorganisation – konnte Ania schließlich nach Cherson zurückgebracht werden. 

Sie kehrte nur kurz vor der Zerstörung der Kachowka-Talsperre zurück, als die Wassermassen Häuser, Hab und Gut und Orte hinwegfegten, die Teil ihrer Kindheit gewesen waren.