Ukraine
Gezeichnete Erinnerungen verschleppter ukrainischer Kinder
Mehr als 20.000 Kinder wurden seit 2022 von Russland aus den besetzten Gebieten der Ost-Ukraine verschleppt. Die wenigen, die zurückkehren konnten, berichten von Lagerhaft, von Propaganda und Gewalt. Ein Kunsttherapie-Projekt der Terre des Hommes-Partnerorganisation »Girls« hilft ihnen, die Zeit der Gefangenschaft zu verarbeiten.
Kinder in der Ukraine leben seit Beginn des russischen Angriffskriegs mit Zerstörung, Leid und Angst. Weil Russland gezielt zivile Gebäude und Infrastruktur angreift, werden sie auch selbst zu Zielen von Bomben und Raketen. Mindestens 728 Kinder wurden getötet, 2.775 verletzt.
In Gebieten, die von Russland völkerrechtswidrig besetzt wurden, begehen dessen Besatzungstruppen und -behörden zudem weitere Kriegsverbrechen an Kindern und Jugendlichen: Sie werden systematisch verschleppt, um in Propaganda- und Indoktrinationslagern gewaltsam »umerzogen« zu werden.
Bis Ende August 2026 wurden 20.610 Kinder entführt. Das Schicksal der allermeisten ist unbekannt. Nur 2.441 Jungen und Mädchen konnten bisher in ihre Heimat und zu ihren Familien zurückkehren.
Kampagne von Terre des Hommes und Vitsche
Release before Peace
Terre des Hommes und die deutsch-ukrainische Organisation Vitsche fordern gemeinsam die sofortige Freilassung aller entführten ukrainischen Kinder: Kinder sind keine »Kriegsgefangenen« und keine Verhandlungsmasse. Ihre Verschleppung ist ein klares Kriegsverbrechen. Das Internationale Recht ist eindeutig: Ihre Freilassung ist nicht verhandelbar.
In Bildern das Unsagbare sichtbar machen
Die Terre des Hommes-Partnerorganisation »Girls« hilft befreiten Kindern, traumatische Erfahrungen zu verarbeiten, wieder Vertrauen in andere Menschen zu bekommen und neuen Mut zu fassen.
Der Weg dorthin führt über die Kunsttherapie: In Bildern können die Kinder ihren Erinnerungen eine Form geben, über sie sprechen und Schritt für Schritt ihre Ängste überwinden. Professionelle Therapeut*innen unterstützen sie dabei.
»Einige der Kinder haben nie zuvor über ihre Erfahrungen gesprochen, sind aber bereit, sie zu zeichnen«, berichtet Projektkoordinatorin Tetiana Khodakivska. »Für welche Ausdrucksform auch immer sie sich entscheiden, die goldene Regel ist: Wir richten uns nach den Kindern. Wenn sie etwas besprechen möchten, dann nehmen wir uns die Zeit. Wenn sie nicht mehr weiter machen wollen, dann hören wir jederzeit auf.«
»The Blue Sweater with a Yellow Hole«
Tetiana Khodakivska arbeitet dabei nicht nur als Projektleiterin und Therapeutin, sondern auch als Filmregisseurin: Gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen fasst sie die Zeichnungen, die Gespräche und Erinnerungen der Kinder in einem Dokumentarfilm zusammen – mit ausdrücklicher Zustimmung der Protagonist*innen und ihrer Eltern.
Der Titel für des Films, der 2027 in die Kinos kommt, steht schon fest: »The Blue Sweater with a Yellow Hole«.